ArchivDeutsches Ärzteblatt22/2002Studie zur Arbeitszufriedenheit: Burnout als Gefahr in den Arztpraxen

VARIA: Wirtschaft

Studie zur Arbeitszufriedenheit: Burnout als Gefahr in den Arztpraxen

Dieke, Sabine; Schmidt, Holger; Katzer, Roland

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DÄ-Titelbild Heft 10/1999
DÄ-Titelbild Heft 10/1999
Viele niedergelassene Ärzte fühlen sich überlastet. Der Meinungsaustausch zwischen Praxisinhabern und professionellen Beratern kann ein geeigneter Weg zu Zufriedenheit und Erfolg sein.

Früher garantierte die Berufsentscheidung „Arzt“ eine sichere wirtschaftliche Zukunft. Heute haben viele niedergelassene Ärzte ernste Probleme. Im Rahmen einer Studie des Sozialwissenschaftlichen Forschungszentrums der Universität Erlangen zu den Themen Arbeitszufriedenheit und Burnout-Gefährdung äußerten sich knapp 78 Prozent der Befragten resignativ oder unzufrieden über ihre Arbeit. Von den Vertragsärzten spielten 35,5 Prozent schon einmal mit dem Gedanken, ihre Praxis wieder aufzugeben. Etwa 13 Prozent wollten gar ihre Kassenzulassung zurückgeben. Nur etwa 42 Prozent würden noch einmal Vertragsarzt werden (Mehrfachnennungen waren möglich).
Die bekannten Belastungen, die sich zunehmend auch aus den Veränderungen des Gesundheitssystems ergeben, wirken sich auf Ärzte und ihre Mitarbeiter verunsichernd und „krankmachend“ aus. Um dem zunehmenden Druck in der eigenen Praxis zu entkommen und organisatorische Fragen kompetent und flexibel zu lösen, kann eine entsprechende Beratung hilfreich sein.
1 Teamentwicklung: Schon beim Eintritt in die Praxis entwickeln Patienten ein Gespür für Organisationstalent und Kommunikationsfähigkeit des Personals. Ein gutes Praxisklima trägt deshalb entscheidend zur Patientenbindung und -neugewinnung bei. Die Mitarbeiterinnen wünschen sich das „Mitwirken-Können“ an betrieblichen Entscheidungen; sie wollen ihr Wissen und Können sichern und weiterentwickeln. Bekommen sie die passenden Angebote, so entsteht ein „Wohlfühlklima“, das die Identifikation mit dem Betrieb verstärkt und zur Mitarbeiterbindung führt.
1 Personalberatung: In vielen Arztpraxen erfolgen Kündigungen emotional, situativ und kurzfristig. Das ist der Beginn einer Burnout-Spirale: Ersatzeinstellungen erfolgen manchmal innerhalb weniger Tage, ohne dass auf die Qualifikation geachtet wird. Die Folge: Kosten steigen, die Arbeitgeber sind nach kurzer Zeit wieder unzufrieden, und alles beginnt von neuem. Ist die Fluktuation in einer Arztpraxis überdurchschnittlich, liegt dies überwiegend daran, dass Konzepte fehlen (Mitarbeiter- und Patientenbindung), ebenso Aufgabenbeschreibungen beziehungsweise -zuordnungen, und dass neue Mitarbeiter ungenügend eingearbeitet werden.
1 Mediation/Konfliktmanagement: Unbearbeitete Konflikte unter den Beschäftigten sind immer eine Vergeudung von menschlicher Energie, die eine Praxis schwächt. „Mediation“ (Vermittlung) ist eine Methode der Konfliktlösung in Unternehmen durch unabhängige Spezialisten. Die Autorität des Mediators basiert auf einer strikten Neutralität und Allparteilichkeit gegenüber den beteiligten Personen. Mediation kanalisiert Konfliktenergie in praktische Vereinbarungen – Gespräche, Kompetenzklärungen, Zeitplanung – und macht sie so für die Funktionsabläufe fruchtbar. Menschen lernen durch sie, mit den Eigenschaften des anderen, mit Zu- und Abneigungen umzugehen.
1 Supervision: Dieses Verfahren zum allgemeinen Umgang mit den „menschlichen Seiten“ des Zusammenwirkens in einem Betrieb hat sich bewährt. Es geht darum, Abläufe und Kommunikation in einer Praxis zu erkennen und eventuell zu verbessern. Mit dem Blick „von außen“ klärt der Supervisor gemeinsam mit den Beschäftigten die Arbeitsweisen und sucht nach Abhilfe für besonders belastende Faktoren. Dabei wird durch regelmäßige Sitzungen während einer begrenzten Zeit ein Entwicklungsprozess für Personal und Organisation eingeleitet und begleitet, in dem individuelle Problemlösungen erarbeitet werden.

Anschrift der Verfasser:
Sabine Dieke, Unternehmensberatung
Holger Schmidt, Personalberatung
Dr. med. Roland Katzer, Mediation und Supervision, Arzt für Psychiatrie und Psychotherapie
Hansaring 149, 50670 Köln
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