ArchivDeutsches Ärzteblatt22/2002Die Träger der Paracelsus-Medaille der deutschen Ärzteschaft 2002

LAUDATIONES

Die Träger der Paracelsus-Medaille der deutschen Ärzteschaft 2002

Dtsch Arztebl 2002; 99(22): A-1498 / B-1258 / C-1176

Hollmann, Wildor; Holfelder, Georg; Lasch, Hanns Gotthard; Zwirner, Ruprecht

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Foto: privat
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Aus Anlass des 105. Deutschen Ärztetages 2002 in Rostock sind mit der Paracelsus-Medaille der deutschen Ärzteschaft ausgezeichnet worden:

Dr. med. Georg Holfelder
Prof. Dr. med. Dr. med. h. c. Wildor Hollmann
Prof. Dr. med. Dr. med. h. c. Dr. med. vet. h. c. Hanns Gotthard Lasch
Priv.-Doz. Dr. med. Ruprecht Zwirner

Die beim 56. Deutschen Ärztetag 1952 in Berlin gestiftete Paracelsus-Medaille der deutschen Ärzteschaft wird seither jährlich an solche Ärzte verliehen, die sich durch ihre vorbildliche ärztliche Haltung, durch besondere Verdienste um Stellung und Geltung des ärztlichen Standes oder durch außerordentliche wissenschaftliche Leistungen hervorgetan haben. Nachstehend die Laudationes der Verleihungsurkunden im Wortlaut.

Dr. med. Georg Holfelder
Die deutschen Ärztinnen und Ärzte ehren in Georg Holfelder einen Arzt, der sich in fast 40 Jahren seines Berufslebens als Arzt und Berufspolitiker durch seine engagierte Tätigkeit in der ärztlichen Selbstverwaltung, sein Mitwirken in Beratungsgremien auf regionaler, Landes- und Bundesebene um die ärztliche Versorgung, um die ärztliche Weiter- und Fortbildung, das Gesundheitswesen und das Gemeinwohl in der Bundesrepublik Deutschland verdient gemacht hat.
Georg Holfelder wurde am 27. August 1929 in Frankfurt am Main geboren. Er verbrachte in seinem Geburtsort seine Kindheitsjahre und die Schulzeit. Nach Besuch des Lessing-Gymnasiums in Frankfurt am Main und des Staatlichen Gymnasiums in Posen legte er 1949 das Abitur in Frankfurt ab. Von 1950 bis 1956 studierte er Physik und Medizin an der Johann-Wolfgang-Goethe-Universität in Frankfurt/Main. Das medizinische Staatsexamen bestand er 1956 an dieser Universität. Im gleichen Jahr wurde er mit einer Arbeit zum Thema „Körpergewichte von Säuglingen einer Großstadt“ zum Dr. med. promoviert (Doktorvater: Prof. Dr. med. Erich Graser). Seine Weiterbildung mit den Schwerpunkten Innere Medizin, Neurologie und Orthopädie begann er 1956 an der Weserberglandklinik in Höxter/Westfalen bei den Professoren Dr. med. Friedrich Dittmar und Dr. med. Heinrich Lampert. 1958 wechselte er an das Spessart-Sanatorium in Bad Orb, wo er als Assistenzarzt arbeitete und seine Weiterbildung mit dem Schwerpunkt Innere Medizin bei Prof. Dr. med. Hans Liebig fortsetzte. 1959 wechselte Georg Holfelder an die Chirurgische Klinik des Städtischen Krankenhauses Ost in Lübeck, wo er sich mit dem Schwerpunkt Chirurgie bei Prof. Dr. med. Helmut Remé weiterbildete. 1960 kam er an die Orthopädische Universitätsklinik Heidelberg, wo er seine Weiterbildung fortsetzte und bis 1965 Assistent von Prof. Dr. med. Kurt Lindemann war. Die Anerkennung als Facharzt für Orthopädie erhielt er 1963. Die Zusatzbezeichnung „Physikalische Therapie“ erwarb Georg Holfelder im Jahr 1978, die Zusatzbezeichnung „Chirotherapie“ 1979 und die Teilgebietsbezeichnung Rheumatologie 1981.
Im Jahr 1965 ließ sich Georg Holfelder in eigener Praxis mit D-Arzt-Zulassung in Frankfurt am Main nieder. Bereits zu Beginn seiner freiberuflichen Tätigkeit als Orthopäde interessierte sich Georg Holfelder für Fragen der ärztlichen Fort- und Weiterbildung, ein Interessengebiet, das er im Laufe seiner vielfältigen und berufspolitischen Tätigkeiten vertiefte. Er hat seinen Sachverstand in die Beratungsgremien der Ärzteschaft eingebracht.
Georg Holfelder engagierte sich in vorbildlicher Weise auch in medizinisch-wissenschaftlichen Fachgesellschaften und in den Berufsverbänden sowie in Körperschaften. So trat er bereits 1961 als Mitglied der Deutschen Gesellschaft für Orthopädie und Traumatologie e.V. bei. Erstmals 1963 wurde er als Delegierter zur Bezirksärztekammer Nordbaden und zur Lan­des­ärz­te­kam­mer Baden-Württemberg gewählt, ein Amt, das er bis 1965 innehatte. Zugleich gehörte er während dieser Zeit dem Landesvorstand Baden-Württemberg des Marburger Bundes (Verband der angestellten und beamteten Ärzte Deutschlands e.V.) an. 1965 wurde er Mitglied des Berufsverbandes der Ärzte für Orthopädie e.V., seiner berufspolitischen Wahlheimat, der er sich im Laufe seiner beruflichen und berufspolitischen Karriere zunehmend verschrieb. 1981 wurde er zum 1. Vorsitzenden dieses Verbandes gewählt, von 1982 bis 1997 hatte er dieses Amt inne.
In seine Amtszeit als Vorsitzender des Berufsverbandes der Orthopäden fällt eine Stafette von Gesetzen zur Reform der Gesetzlichen Kran­ken­ver­siche­rung und zur Gesundheitsstrukturreform von wechselnden Bundesregierungen. Georg Holfelder hat die Reforminitiativen aktiv begleitet und war als hoch angesehener Sachverständiger, engagierter Streiter für die Interessen der Orthopäden und Fachärzte viel gefragt. Er hat sich als stiller Diplomat auch vermittelnd in die Auseinandersetzungen zwischen Allgemein- und Fachärzten eingeschaltet.
1972 ist Georg Holfelder zum Mitglied der Delegiertenversammlung der Lan­des­ärz­te­kam­mer Hessen, Frankfurt am Main, gewählt worden, der er heute noch angehört.
Im Jahr 1984 ist er in das Präsidium dieser Lan­des­ärz­te­kam­mer berufen worden. Er hatte dieses Mandat bis zum Jahr 2000 inne. Georg Holfelder war von 1988 bis 1992 Listenführer der „Fachärzte Hessen“ der Delegiertenversammlung. Von 1988 bis 1994 war er Vorsitzender des so genannten Hotelbeirates der Lan­des­ärz­te­kam­mer Hessen. Damit verbunden war eine besonders zeitaufwendige Tätigkeit – gerade auch im Hinblick auf die Schließung des Hotels am Hochwald der Lan­des­ärz­te­kam­mer in Bad Nauheim. Von 1985 bis 2001 war er Delegierter bei den Deutschen Ärztetagen.
Erstmals 1984 ist er zum Abgeordneten der Kassenärztlichen Vereinigung Hessen, Frankfurt am Main, gewählt worden. Zahlreiche Initiativen im Parlament der hessischen Kassenärzte gehen auf ihn zurück. Erst mit Beendigung seiner vertragsärztlichen Tätigkeit schied er als Abgeordneter dieser Kassenärztlichen Vereinigung aus.
Auch in Fragen der Amtlichen Gebührenordnung für Ärzte war der Sachverstand von Georg Holfelder gefragt; er hat maßgeblich auch bei der Gestaltung und Weiterentwicklung der fachärztlichen Versorgung mitgewirkt und dazu beigetragen, konfliktreiche Schnittstellen-Probleme zwischen dem fachärztlichen, stationären und dem Bereich der ambulanten Versorgung zu bereinigen und sachbezogen zu lösen. Maßgebliche Memoranden und Entschließungen gehen auf ihn zurück.
Aufgrund seines Engagements und seines anerkannten Sachverstandes ist Georg Holfelder 1987 zum Mitglied des Vorstandes der Akademie der Gebietsärzte, eines Fachausschusses der Bundes­ärzte­kammer, gewählt worden. Ebenfalls 1987 ist Georg Holfelder erstmals zum Präsidenten der Gemeinschaft Fachärztlicher Berufsverbände e.V. (GFB) gewählt worden, einem Zusammenschluss von 26 Facharztverbänden mit heute mehr als 100 000 ärztlichen Mitgliedern in Krankenhäusern und Arztpraxen. Die GFB leitete Georg Holfelder bis 1999 souverän und weithin anerkannt innerhalb der pluralistischen Struktur der Ärzteverbände und im Zusammenwirken mit den Körperschaften und Verbänden auf Bundesebene, insbesondere mit der Bundes-ärztekammer und der Kassenärztlichen Bundesvereinigung.
Zu den von Georg Holfelder verteidigten Grundsätzen zählen die Prinzipien der Freiberuflichkeit der Ärzte, der Therapiefreiheit, der beruflichen Unabhängigkeit und der freien Arztwahl sowie die Abwehr jeglicher Budgetierungs- und Rationierungstendenzen. Georg Holfelder bekämpfte alle Formen und ideologisch geprägten Vorstöße zur Begünstigung einer Mehrklassenmedizin. Stattdessen vertrat er engagiert die Meinung, die Gesamtärzteschaft solle für eine Umgestaltung des Pflichtleistungskatalogs der Gesetzlichen Kran­ken­ver­siche­rung eintreten und sich den Herausforderungen von Wissenschaft, Gesellschaft und Patienten stellen.
Trotz seiner vielfältigen Mitarbeit in den Körperschaften, Verbänden und Gremien der Ärzteschaft fand Georg Holfelder noch Zeit, von 1988 bis Ende
Vorderseite und . . . . . . Rückseite der Paracelsus-Medaille Fotos: Bernhard Eifrig/Archiv
Vorderseite und . . . . . . Rückseite der Paracelsus-Medaille Fotos: Bernhard Eifrig/Archiv
1992 das Amt des Vorsitzenden der Arbeitsgemeinschaft zur Regelung der Arbeitsbedingungen der Arzthelferinnen (AAA) erfolgreich auszuüben.
Nicht nur die hessische Ärzteschaft, sondern auch seine Berufskolleginnen und -kollegen in der Orthopädie verdanken Georg Holfelder zahlreiche Initiativen und fruchtbringende Anregungen auf Bundesebene, die er erfolgreich durchgesetzt hat. So blieb es nicht aus, dass er zahlreich und mit höchsten Würdigungen ausgezeichnet wurde. Für sein lange währendes Engagement in den Gremien der Kassenärztlichen Vereinigung Hessen und der Lan­des­ärz­te­kam­mer Hessen zeichnete ihn die Lan­des­ärz­te­kam­mer Hessen, Frankfurt am Main, 1989 mit der Verleihung der Richard-Hammer-Medaille und der Ehrenplakette in Silber (1993) aus. 1995 erhielt Georg Holfelder das Verdienstkreuz am Bande des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland, Ende November 2001 den Verdienstorden der Bundesrepublik Deutschland 1. Klasse. Die Gesellschaft Medizinischer Assistenzberufe für Rheumatologie e.V. ehrte ihn 1995 mit der Ehrenmitgliedschaft, der Berufsverband der Ärzte für Orthopädie 1999 und die Deutsche Gesellschaft für Orthopädie und Orthopädische Chirurgie 2001 mit der gleichen Auszeichnung.
Sein diplomatisches Geschick, sein Sachverstand, sein Engagement und vor allem seine große Integrationskraft brachten ihm weitere Ehrenämter und berufspolitische Tätigkeiten ein. Seit 2000 gehört er dem Ehrenrat des Berufsverbandes der Ärzte für Orthopädie e.V. an. Er wurde im gleichen Jahr erneut zum Abgeordneten der Ver­tre­ter­ver­samm­lung der Kassenärztlichen Vereinigung Hessen gewählt.
Georg Holfelder hat sich durch seinen engagierten unermüdlichen Einsatz und seine vorbildliche Haltung als Arzt, als gewählter Repräsentant in ärztlichen Organisationen, Verbänden und Körperschaften, durch sein langjähriges Mitwirken in der ärztlichen Berufs- und Gesundheitspolitik und insbesondere seinen Einsatz bei der Weiterentwicklung des Gesundheitswesens sowie durch seine Pflichterfüllung als Arzt und als Berufspolitiker ebenso wie als Staatsbürger um die ärztliche Versorgung der Patienten, die Ärzteschaft und die ärztliche Selbstverwaltung in der Bundesrepublik Deutschland in hervorragender Weise verdient gemacht.

Anschrift
Am Kirchberg 29
60431 Frankfurt/Main
Foto: privat
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Prof. Dr. med. Dr. med. h. c. Wildor Hollmann
Die deutschen Ärztinnen und Ärzte ehren in Wildor Hollmann einen Arzt, der sich als akademischer Lehrer, Wissenschaftler, Forscher, Berater, Berufspolitiker und durch sein lange währendes ehrenamtliches Engagement im Dienste der Ärzteschaft, der Wissenschaft, der Sportmedizin und in den Selbstverwaltungsgremien in hervorragender Weise um die ärztliche Versorgung der Patienten, die sportmedizinische Forschung und Lehre, das Gesundheitswesen, die ärztliche Selbstverwaltung und um das Gemeinwohl in der Bundesrepublik Deutschland verdient gemacht hat.
Wildor Hollmann, am 30. Januar 1925 in Menden/Sauerland geboren, verbrachte in seinem Geburtsort seine Kindheitsjahre und die Schulzeit. Nach dem Abitur am 5. März 1943 am Realgymnasium in Menden wurde er zur Luftwaffe eingezogen und erhielt eine fliegerische Ausbildung. Im Februar 1945 geriet er in kanadische Kriegsgefangenschaft, wurde nach England gebracht und im März 1947 entlassen.
Von 1947 bis 1952 studierte Wildor Hollmann Medizin an der Universität zu Köln; 1953 legte er dort das medizinische Staatsexamen ab. 1949 hatte er mit seiner experimentell fundierten Doktorarbeit begonnen und wurde 1954 zum Dr. med. promoviert. Thema der Dissertation: „Herzleistungsquotient und Wirkungsgrad sowie die Lungenvolumina bei Sportlern unter 35 Jahren“ (Doktorvater: Prof. Dr. med. Dr. rer. nat. h. c. Hugo Wilhelm Knipping). Von 1953 an arbeitete er in der Medizinischen Universitätsklinik Köln, erwarb 1961 die Anerkennung als Facharzt für Innere Medizin und habilitierte sich im selben Jahr für das Fach Sportmedizin an der Medizinischen Fakultät der Universität zu Köln mit der Arbeit: „Höchst- und Dauerleistungsfähigkeit des Sportlers“. 1964 erhielt er einen Ruf für den Lehrstuhl für Kardiologie und Sportmedizin der Deutschen Sporthochschule Köln, den er 1965 übernahm. Trotz mehrerer in- und ausländischer Forschungsangebote – unter anderem 1970 eines Rufs für den Lehrstuhl für Sportmedizin der Universität Hamburg – blieb er bis zu seiner Emeritierung (1990) seiner Kölner Tätigkeit treu. 1968 wurde ihm eine zweite Professur an der Universität zu Köln verliehen.
Im Jahr 1958 gründete Wildor Hollmann das Institut für Kreislaufforschung und Sportmedizin in Köln (Deutsche Sporthochschule Köln in Zusammenarbeit mit der Medizinischen Universitätsklinik Köln). Das zunächst private Ein-Mann-Institut bestritt seine wissenschaftliche Tätigkeit zu Beginn mit Gastärzten der Medizinischen Universitätsklinik. 1962 wurde das Institut vom Land Nordrhein-Westfalen übernommen; 1965 wurde mit der Eingliederung des Lehrstuhls für Kardiologie und Sportmedizin diese Entwicklung als akademisches Institut abgeschlossen. Bis heute gingen 15 Habilitationen, neun C-4-Lehrstuhlprofessuren und drei C-3-Professuren aus der Institutsarbeit hervor.
Von 1965 bis 1967 war Wildor Hollmann erster gewählter Prorektor der Deutschen Sporthochschule Köln, von 1969 bis 1971 Rektor dieser Hochschule. In dieser Zeit erreichte er die Anerkennung der Deutschen Sporthochschule Köln als selbstständige wissenschaftliche Hochschule mit eigenem Promotions- und Habilitationsrecht sowie einen großzügigen Ausbau der Sporthochschule mit einem Institutsgebäude und der damals technisch modernsten Leichtathletikhalle. Gleichzeitig richtete er das Institut für Biochemie ein – heute international für seine Anti-Doping-Forschung bekannt – und ein Institut für funktionelle Anatomie und Morphologie. Weitere zehn Jahre lang war er Prorektor und Dekan der Deutschen Sporthochschule Köln.
Wichtige Station seiner forscherischen Tätigkeit war 1954 die Einführung der fahrradergometrischen Spiroergometrie als Routine-Untersuchungsmethode in der Medizinischen Universitätsklinik Köln – mit anschließend weltweiter Ausbreitung. Es folgte 1955 die Einführung der Ergometrie-Blutdruck-Messung mit der ersten halbautomatischen Apparatur mit Mikrophon in der Ellenbeuge sowie optischer und akustischer Blutdruckregistrierung (mit Sander). Gleichzeitig propagierte er die Blutdruck-Selbstmessung durch den Patienten; er ließ dazu die Firma Elag in Köln erste Geräte für diesen Zweck konstruieren.
Von 1957 bis 1959 arbeitete Wildor Hollmann an der Entwicklung eines submaximalen spiroergometrischen Untersuchungsverfahrens zur Ermittlung der kardiopulmonalen Leistungsfähigkeit für Gesunde und Kranke anstelle der bisher registrierten maximalen Sauerstoffaufnahme. Das Ergebnis war 1959 die Erstbeschreibung eines ventilatorischen, aerob-anaeroben Übergangs (Laktat), später als „Schwelle“ bezeichnet, heute das meist eingesetzte Kriterium in der internationalen Leistungsdiagnostik. In der Vorbereitung der Spitzensportler auf die Olympischen Spiele 1968 in Mexiko City entwickelte er ein Hypoxietraining im Labor. Es folgte 1967 die Einführung eines Hyperoxietrainings im Labor, das andere Forscher zu Therapiemaßnahmen inspirierte. 1965 stellte er Minimal-Trainings-Programme vor, die präventiven kardiologischen Zwecken dienen sollten, damals wissenschaftlich sehr umstritten, heute eine selbstverständlich gewordene Methodik in der Prävention, Bewegungstherapie und Rehabilitation mittels körperlichen Trainings.
Voraussetzung zur Anwendung von körperlichen Trainingsmaßnahmen war die Differenzierung der motorischen Beanspruchungsformen hinsichtlich ihrer unterschiedlichen akuten und chronischen Adaptationseffekte im Organismus, die Wildor Hollmann 1967 beschrieb. 1974 wurde zusammen mit Prof. Dr. med. Heinz Liesen, heute Inhaber eines Lehrstuhls für Sportmedizin an der Universität Paderborn, das weltweit erste voll elektronisierte und computerisierte Fahrradergometer vorgestellt („Dynavit“). In Verbindung mit dem Max-Planck-Institut für Hirnforschung in Köln (Heiss, Herholz et al.) erfolgte 1987 die Erstbeschreibung der regionalen Gehirndurchblutung bei dosierter Fahrradergometerarbeit – in Verbindung mit dem Forschungszentrum Jülich (Feinendegen, Herzog et al.) 1992 die Erstbeschreibung des regionalen Glukosestoffwechsels des Gehirns bei dosierter Fahrradergometerarbeit.
Die Forschungstätigkeit von Wildor Hollmann fand ihren Niederschlag in mehreren Hundert Publikationen sowie als Präsident, Moderator und Referent einer großen Zahl von Fach- und interdisziplinären Veranstaltungen des In- und Auslands. Sein wissenschaftliches Lebenswerk ist das mit Theodor Hettinger verfasste, kürzlich in der vierten Auflage erschienene Buch „Sportmedizin – Grundlagen für Arbeit, Training und Präventivmedizin“, das oftmals als „Bibel der Sportmedizin“ bezeichnet wird.
Vielseitig war das berufspolitische Engagement von Wildor Hollmann: Von 1955 bis 1989 war er Mitglied der Wissenschaftlichen Kommission der Kassenärztlichen Bundesvereinigung, Köln, von 1969 bis 1994 Mitglied des Wissenschaftlichen Beirates der Bundes­ärzte­kammer, Köln, von 1971 bis 1995 Mitglied des Wissenschaftlichen Beirates des Bundesministeriums der Verteidigung, 1973 bis 1976 Mitglied der Bundeskommission für medizinische Prüfungsfragen, von 1959 bis 1998 Chefredakteur der „Deutschen Zeitschrift für Sportmedizin“, von 1969 bis 1991 Mitglied der medizinisch-wissenschaftlichen Redaktion des Deutschen Ärzteblattes. Präsident des Deutschen Sportärztebundes e.V. war er von 1984 bis 1998, erster und einziger deutscher Nachkriegspräsident des Weltverbandes für Sportmedizin von 1986 bis 1994. Beide Institutionen ernannten ihn zum Ehrenpräsidenten. Der Deutschen Olympischen Gesellschaft e.V. stand er von 1994 bis 1997 als Präsident vor.
1967 entwickelte Wildor Hollmann – zusammen mit dem Hauptgeschäftsführer der Bundes­ärzte­kammer, Prof. Dr. med. Josef Stockhausen, Köln – die Zusatzbezeichnung „Sportmedizin“, ein erheblicher Fortschritt gegenüber dem bisher nur von der sportärztlichen Organisation vergebenen Sportarzt-Diplom. 1971 prägte er den akademischen Grad „Doktor der Sportwissenschaften (Dr. Sportwiss.)“, der heute von der Deutschen Sporthochschule Köln und sportwissenschaftlichen Fakultäten anderer deutscher Hochschulen vergeben wird. 1994 inaugurierte Wildor Hollmann die erste offizielle Veranstaltung der Welt­gesund­heits­organi­sation (WHO) in Verbindung mit dem Weltverband für Sportmedizin in Deutschland.
Gastvorlesungen und Gastvorträge hielt Wildor Hollmann in allen fünf Kontinenten, unter anderem in Australien, USA, Kanada, Mexiko, Venezuela, Argentinien, Uruguay, Brasilien, Chile, Südafrika, Tunesien, Marokko, Ghana, Senegal, Japan, China, Hongkong, in der ehemaligen Sowjetunion und fast allen europäischen Ländern. Im Auftrag der Bundesregierung war er am Aufbau einer Reihe von Forschungseinrichtungen in Ghana, Argentinien, Brasilien, Venezuela und Iran beteiligt.
Wildor Hollmann war von 1958 bis 1978 internistischer Betreuer der deutschen Fußball-Nationalmannschaft, von 1959 bis 1963 war er Betreuer der deutschen Golf-Nationalmannschaft und von 1964 bis 1971 der deutschen Hockey-Nationalmannschaft.
Wildor Hollmann wurde in Würdigung seiner wissenschaftlichen Verdienste mit renommierten Preisen ausgezeichnet: dem Carl-Diem-Preis für sportwissenschaftliche Forschung (1961), dem Hufeland-Preis für Präventivmedizin (1964), dem Max-Bürger-Preis für Gerontologie (1969), dem Sir-Philip-Noel-Baker-Forschungspreis der UNESCO (1976). Im Jahr 1976 verlieh ihm die Bundes­ärzte­kammer die Ernst-von-Bergmann-Plakette in Würdigung seiner Verdienste um die ärztliche Fortbildung. Außerdem erhielt er Ehrenplaketten für sportmedizinische Forschung in Südafrika, China, der Sportakademie der USA, die Goldmedaille der Gesellschaft für orthopädische und traumatologische Sportmedizin (1988), den Reys-Forschungspreis der Niederlande (1990) und die Goldmedaille des Weltverbandes für Sportmedizin.
Die Freie Universität Brüssel verlieh ihm 1986 die Ehrendoktorwürde, die Universität von Thessaloniki 1995 eine Ehrenprofessur, und im selben Jahr ernannte ihn die Deutsche Sporthochschule Köln zu ihrem Ehrenbürger.
Wildor Hollmann, der heute in Brüggen/Niederrhein lebt und dort Ehrenbürger wurde, erhielt 1990 das Große Verdienstkreuz mit Stern des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland, 1993 den Verdienstorden des Landes Nordrhein-Westfalen und 2000 das Große Bundesverdienstkreuz mit Stern und Schulterband.
Zahlreiche Fernseh- und Rundfunksendungen vergrößerten Wildor Hollmanns Bekanntheitsgrad auch außerhalb der Medizin. Unabhängig von Rang und sozialem Status behandelte er alle seine Patienten mit gleichem ärztlichen Respekt und menschlicher Liebenswürdigkeit.
Auch nach seiner Emeritierung (1990) blieb Wildor Hollmann der Forschung und Lehre treu, sodass sich heute noch eine beträchtliche Zahl von Doktoranden und Diplomanden um ihn schart. Sein Hauptinteresse gilt den Fragen von Gehirn, Geist, Psyche und körperlicher Aktivität. Für dieses medizinische Forschungsfeld prägte er die Bezeichnung „Bewegungs-Neurowissenschaft (Exercise Neuroscience)“. Zahlreiche Publikationen kennzeichnen seine fruchtbare Arbeit auch auf diesem Gebiet.
Wildor Hollmann hat sich durch seinen lange währenden engagierten Einsatz und seine vorbildliche Haltung als Arzt, Wissenschaftler, Forscher, Akademischer Lehrer und als Pionier der deutschen Sportmedizin sowie als Gesundheits- und Berufspolitiker sowie als wissenschaftlicher Berater, als aktiver Mitarbeiter in Gremien der Ärzteschaft sowie als Staatsbürger um die ärztliche Versorgung der Patienten, die Wissenschaft, die Forschung und die ärztliche Selbstverwaltung in der Bundesrepublik Deutschland in hervorragender Weise verdient gemacht.

Anschrift
Roermonder Straße 31
41379 Brüggen
Prof. Dr. med. Dr. med. h. c.
Dr. med. vet. h. c.
Hanns Gotthard Lasch
Foto: privat
Foto: privat
Die deutschen Ärztinnen und Ärzte ehren in Hanns Gotthard Lasch einen Arzt, der sich als akademischer Lehrer, Wissenschaftler, Forscher, Gutachter und Politikberater, durch sein ehrenamtliches Engagement im Dienste wissenschaftlicher Gesellschaften und der Ärzteschaft sowie in Selbstverwaltungsgremien in hervorragender Weise um die ärztliche Versorgung der Patienten, die Forschung und Lehre, das Gesundheitswesen, die ärztliche Selbstverwaltung und um das Gemeinwohl in der Bundesrepublik Deutschland verdient gemacht hat.
Hanns Gotthard Lasch wurde am 29. September 1925 in Liegnitz/Schlesien als Sohn des Juristen Gotthard Lasch geboren. Seine Schulzeit verbrachte er in Löwenberg/Schlesien, Osterode/Ostpreußen, in Augsburg und Breslau, wo er das Abitur ablegte. Sein Medizinstudium begann er an der Universität Breslau. Dieses wurde durch Arbeitsdienst, Wehrdienst und Gefangenschaft (Verwundung) unterbrochen. Das Medizinstudium nahm er erneut an der Universität Erlangen auf, wo er 1951 das medizinische Staatsexamen absolvierte. Nach seiner Medizinalassistentenzeit in Erlangen ging er zunächst für ein Jahr an das Physiologisch-Chemische Institut der Universität Frankfurt am Main unter Leitung von Prof. Dr. med. Kurt Felix, Arbeitsgruppe Prof. Dr. med. Ladislaus Róka. Danach kehrte er zu seinem akademischen Lehrer Prof. Dr. med. Karl Matthes an die Ludolf-Krehl-Klinik der Universität Heidelberg zurück. Dort war Hanns Gotthard Lasch zunächst Stationsarzt, später Oberarzt. Er wurde mit dem Thema „Acc. Globulin und Prothromin als Leberfunktionsprobe“ 1951 zum Dr. med. promoviert (Doktorvater: Prof. Dr. med. Adolf Linke). Er habilitierte sich 1959 an der Medizinischen Fakultät der Ruprecht-Karl-Universität in Heidelberg mit dem Thema „Latente Gerinnung in der Blutbahn“. Seine Weiterbildung zum Internisten absolvierte er in Heidelberg; die Anerkennung als Facharzt für Innere Medizin erhielt er im Jahr 1965.
Nach dem frühen Tod von Prof. Dr. med. Karl Matthes war Hanns Gotthard Lasch kurze Zeit Oberarzt bei dessen Nachfolger, Prof. Dr. med. Dr. med. mult. Gotthard Schettler, an der Universität Heidelberg. 1965 ist Hanns Gotthard Lasch im Alter von 39 Jahren auf einen Lehrstuhl für Innere Medizin an der Universität Gießen berufen worden. Dort wurde er 1965 zum Leiter der I. Medizinischen Klinik ernannt. Er blieb dort bis zu seiner Emeritierung im Jahr 1993. Ehrenvolle Rufe an die Universitäten Freiburg (1968) und Bonn (1972) lehnte er ab.
Zusammen mit den Direktoren der anderen Kliniken der Gießener Universität, Prof. Dr. med. Hans Adolf Kühn und Prof. Dr. med. Dr. med. h. c. Thure von Uexküll, baute er eine moderne medizinische Klinik auf. Als Direktor der Medizinischen Klinik war Hanns Gotthard Lasch für die Versorgung der Patienten aus dem gesamten Gebiet der Inneren Medizin verantwortlich.
Die wesentlichen und bevorzugten Forschungs- und Arbeitsgebiete von Hanns Gotthard Lasch waren: Blutgerinnung, Herz- und Kreislaufversagen, Sepsis, Multiorganversagen, Intensivmedizin und Ethische Probleme in der Medizin und im Gesundheitswesen. Bereits in seiner Heidelberger Tätigkeit gelang es Hanns Gotthard Lasch, im tierexperimentellen Ansatz den pathophysiologischen Mechanismus eines bis dahin noch nicht bekannten Krankheitsbildes aufzuklären, das er „Verbrauchskoagulopathie“ nannte. Fast zeitgleich haben Donald McKay in den USA das gleiche Syndrom mit „Disseminierter intravasaler Gerinnung“ und Hans Selje in Toronto mit „Thrombohaemorrhagischem Syndrom“ beschrieben.
Mit der Übertragung der tierexperimentellen Ergebnisse in die Klinik ergaben sich neue Aspekte und Aufschlüsse hinsichtlich der Pathogenese, Diagnose und Therapie von akuten Krankheitszuständen, wie beispielsweise Schock, Multiorganversagen, Sepsis, die über die engeren Grenzen der Inneren Medizin hinaus in der Chirurgie und in der Gynäkologie breite therapeutische Ansätze im Gefolge hatten. Es ließ sich durch die Forschungs- und Entwicklungsarbeiten von Hanns Gotthard Lasch zeigen, dass das Syndrom „Verbrauchskoagulopathie“ ein allgemeiner, pathogenetischer Mechanismus der Blutbahn ist. Mikrothrombose auf der einen, konsekutive hämorrhagische Diathese durch Zusammenbruch und Verbrauch der Gerinnungsfaktoren auf der anderen Seite sind die Folgen. Hanns Gotthard Lasch konnte zeigen, dass die sich aufgrund der intravasalen Gerinnung und in Abhängigkeit vom Endothel ergebenden Mikrozirkulationsstörungen eine entscheidende Rolle in der Endstrecke der Kreislaufregulation spielen, sowohl in der Physiologie als auch in der Pathophysiologie. Die Verbrauchskoagulopathie, die Hanns Gotthard Lasch im Laufe seiner beruflich-wissenschaftlichen Karriere weiterentwickelte, wird heute als eigenes Kapitel in den Lehrbüchern abgehandelt. Synonym wird häufig für den erstmals von Hanns Gotthard Lasch beschriebenen Mechanismus der Ausdruck von McKay „Disseminierte intravaskuläre Gerinnung“ verwendet.
Darüber hinaus galten die Untersuchungen von Hanns Gotthard Lasch schon frühzeitig der „latenten Gerinnung“, also dem Vorstadium, dem normalen physiologischen Umsatz der Gerinnungsfaktoren in der Blutbahn.
In der Folgezeit seiner wissenschaftlich-forscherischen Tätigkeit und mit Einbindung der Hämostase in die Funktion des Kreislaufs wandte sich das Interesse von Hanns Gotthard Lasch immer mehr der Intensivmedizin zu – und hier insbesondere der Klinik und Pathogenese der Schocklunge. Ihm gelang es, ein Wissenschaftler- und Ärzteteam aufzubauen, das im Verlauf der letzten Jahre über seine eigenen experimentellen und klinischen Studien hinaus wesentlich zur Aufklärung des Pathomechanismus der intra- und extravasalen Gerinnung und des Multiorganversagens in Lunge und Darm beigetragen hat und darüber hinaus neue therapeutische Ansätze verwirklichte. Die in Heidelberg durchgeführten Untersuchungen haben Prof. Dr. med. Dieter-Ludwig Heene, Prof. Dr. med. Gert Müller-Berghaus und Prof. Dr. med. Werner Seeger als Schüler von Hanns Gotthard Lasch fortgesetzt. Seeger hat über die Strombahn hinaus die Bedeutung der Gerinnung im Extravasalraum der Lunge in den letzten Jahren aufgeklärt.
Hanns Gotthard Lasch und seine von ihm begründete Wissenschaftlerschule haben nicht allein aus Traditionsbewusstsein gegenüber dem Fachgebiet sich immer mit vorbildlichem, persönlichem Engagement für die Ganzheitlichkeit der Inneren Medizin als Disziplin eingesetzt. Trotz der oft aus organisatorischen Gründen und strukturellen Vorgaben in der jüngsten Vergangenheit erfolgten Gewichtung der Teilgebiete der Inneren Medizin hat Hanns Gotthard Lasch an dem Konzept der Einheit des Fachgebietes gerade unter besonderer Betonung der interdisziplinären Aufgaben der Inneren Medizin in Klinik, Krankenversorgung und vor allem in der Forschung unbeirrt festgehalten und die Notwendigkeit der Etablierung der angewandten Grundlagenforschung in der Klinik vehement vertreten und verwirklicht. Die sichtbar gemachten Maßstäbe, erkennbar an der hohen Forschungsproduktivität seiner Klinik, gelten auch für die Zukunft. Insbesondere die heute geforderte Validierung der Effizienz diagnostischer und therapeutischer Verfahren mithilfe der Evaluation durch klinische Studien kommt nicht ohne die von Hanns Gotthard Lasch mitgeschaffenen Forschungsgrundlagen und Erkenntnisse der angewandten Pathophysiologie in der Klinik aus.
Die vielseitigen Interessen und Aktivitäten von Hanns Gotthard Lasch auch auf dem Gebiet der Intensiv- und Notfallmedizin anderer Fachrichtungen, wie beispielsweise der operativen Gebiete, der Anästhesiologie und der Pädiatrie, waren Anlass dazu, die Deutsche Interdisziplinäre Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin e.V. (DIVI) zu gründen. 1977 wurde Hanns Gotthard Lasch zum Gründungspräsidenten gewählt und stand dieser wissenschaftlichen Vereinigung bis 1988 vor. Es gelang ihm, gemeinsam mit seinen Kollegen im Vorstand und den Beiräten, die Interessen in Klinik und Forschung zu koordinieren und der Intensivmedizin ein strukturelles Gepräge zu geben. 1985 richtete Hanns Gotthard Lasch als Präsident den Kongress der Europäischen Gesellschaft für Intensivmedizin in Hamburg aus. Für seinen intensiven Einsatz um die Förderung der Intensivmedizin und seine berufspolitischen Verdienste ist er mit der E. K. Frey-Medaille in Gold geehrt worden. Lasch ist Ehrenmitglied der DIVI und der Österreichischen und Deutschen Gesellschaft für Internistische Intensivmedizin. Außerdem ist er Mitglied der Deutschen Akademie der Naturforscher Leopoldina zu Halle (seit 1972) und der Österreichischen Akademie der Wissenschaften (seit 1979).
Seine besondere wissenschaftliche Wertschätzung kommt in der Verleihung von zwei Ehrendoktorwürden zum Ausdruck, und zwar des Dr. med. vet. h. c. der Veterinärmedizinischen Fakultät der Universität Gießen (1977) und des Dr. med. h. c. der Technischen Universität München (1986).
Auf dem Boden der fachlichen Verbundenheit und seines breit gefächerten umfangreichen Erfahrungs- und Wissensschatzes wurde Hann Gotthard Lasch vor allem seitens der Chirurgen und Anästhesiologen und anderer Fachgebiete höchste Anerkennung entgegengebracht. Die Deutsche Gesellschaft für Innere Medizin e.V. wählte Hanns Gotthard Lasch 1982 anlässlich des 100-jährigen Bestehens dieser Fachgesellschaft zu deren Präsidenten. Seit 1993 bekleidet er das Amt des Generalsekretärs.
Aufgrund seines persönlichen und fachlichen Engagements und seiner herausragenden Kompetenz war Hanns Gotthard Lasch gesuchter und bewährter Gutachter in den Forschungsgremien in Deutschland ebenso wie im Ausland, so im Senat der Deutschen Forschungsgemeinschaft und des Gesundheitsforschungsrates des Bundesministeriums für Forschung und Technologie. In seiner überzeugenden Art, mit seinem ausgeprägten Augenmaß für Struktur und Originalität sowie der stets konstruktiv geübten Kritik ist es Hanns Gotthard Lasch gelungen, insbesondere als Gutachter der Deutschen Forschungsgemeinschaft maßgeblich in der Auslegung klinisch orientierter Sonderforschungsbereiche und von Schwerpunktprogrammen klinischer Forschergruppen mitzuwirken und diese zu gestalten.
Über das Engagement in wissenschaftlichen und berufspolitischen Gesellschaften seines engeren Fachgebietes hinaus war Hanns Gotthard Lasch unter anderem von 1992 bis 1997 Obmann für Innere Medizin in der Deutschen Akademie der Naturforscher Leopoldina zu Halle, er war von 1965 bis 1970 Mitglied des Internationalen Komitees für Blutgerinnung, Kongresspräsident der Europäischen Gesellschaft für Intensivmedizin (1985), Präsident der Deutschen Interdisziplinären Vereinigung für Intensivmedizin (1977 bis 1988), Vizepräsident der Akademie für ärztliche Fort- und Weiterbildung der Lan­des­ärz­te­kam­mer Hessen in Bad Nauheim und Vorsitzender des Wissenschaftlichen Beirates der Universität Erfurt zur Errichtung eines Forschungszentrums für Vaskuläre Biologie und Medizin in Erfurt.
Hanns Gotthard Lasch wurde in Würdigung seiner Verdienste in Wissenschaft, Forschung und politischer Beratung wiederholt geehrt und hoch ausgezeichnet, so mit der Rudolf-Jürgens-Medaille in Gold, der Ludwig-Heilmeyer-Medaille in Gold (1999), der Gustav-von-Bergmann-Medaille in Gold (2001), dem Hessischen Verdienstorden und dem Großen Verdienstkreuz der Bundesrepublik Deutschland. Er ist Ehrenmitglied zahlreicher Fachgesellschaften im In- und Ausland.
Hanns Gotthard Lasch hat sich durch seinen unermüdlichen engagierten Einsatz und seine vorbildliche Haltung als Arzt, Wissenschaftler, Forscher und Hochschullehrer, als Ärztlicher Direktor, als wissenschaftlicher Autor und als ein Pionier im Gesamtgebiet der Inneren Medizin, als Politikberater und aktiver Berufspolitiker sowie als Staatsbürger um die ärztliche Versorgung der Patienten, die Wissenschaft, die Innere Medizin und die Gesundheitspolitik, die Ärzteschaft und die Selbstverwaltung in der Bundesrepublik Deutschland in hervorragender Weise verdient gemacht.

Anschrift
Aulweg 103
35392 Gießen


Foto: privat
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Priv.-Doz. Dr. med.
Ruprecht Zwirner
Die deutschen Ärztinnen und Ärzte ehren in Ruprecht Zwirner einen Arzt, der sich durch sein Wirken als Krankenhausarzt und Chefarzt einer Chirurgischen Abteilung, als akademischer Lehrer, als Politikberater und durch seinen aktiven Einsatz in der ärztlichen Selbstverwaltung auf Bezirks-, Landes- und Bundesebene um die ärztliche Versorgung der Patienten, die ärztliche Aus-, Weiter- und Fortbildung, die Gesundheits- und Berufspolitik, das Gesundheitswesen und insbesondere um die Krankenhauspolitik sowie um das Gemeinwohl in der Bundesrepublik Deutschland verdient gemacht hat.
Ruprecht Zwirner, am 29. November 1929 als Sohn von Prof. Dr. med. et phil. Eberhard Zwirner und seiner Ehefrau Irmgard Zwirner, geborene Hammerschmidt, in Berlin geboren, verbrachte die Jugend in seiner Geburtsstadt, zog später mit seiner Familie nach Münster/Westfalen und dann nach Braunschweig um, wo er nach dem Besuch der Volksschule und der Oberschule im Frühjahr 1950 an der Gauss-Schule das Abitur ablegte.
Im Wintersemester 1950/51 nahm Ruprecht Zwirner sein Medizinstudium an der Medizinischen Fakultät der Universität Freiburg im Breisgau auf. Nach erfolgreichem Staatsexamen an der Freiburger Universität erhielt er am 3. Juli 1956 die Bestallung als Arzt. Seine Medizinalassistentenzeit absolvierte er am Anatomischen Institut der Universität Freiburg, am Krankenhaus Meßkirch/Baden und in einer Landarztpraxis in Böhl-Iggelheim in der Vorderpfalz. Am 30. September 1958 erhielt Ruprecht Zwirner die Vollapprobation als Arzt. Am 3. März 1958 wurde er zum Dr. med. an der Medizinischen Fakultät der Universität Freiburg promoviert. Thema seiner Dissertation: „Beitrag zur Innervation des Kehlkopfes“ bei Prof. Dr. med. Kurt Goerttler an der Freiburger Anatomie. Am 1. Oktober 1958 nahm er seine Tätigkeit als wissenschaftlicher Assistent am Anatomischen Institut der Universität Freiburg auf, eine Tätigkeit, die er bis zum 30. September 1962 ausübte. Nach dieser Zeit begann er seine Weiterbildung mit dem Schwerpunkt Chirurgie, die er mit der Anerkennung als Arzt für Chirurgie am 18. Dezember 1969 erfolgreich abschloss. Bereits während seiner Freiburger Zeit und seiner Tätigkeit am Anatomischen Institut, die ihn für sein späteres Berufsleben prägten, erhielt er einen Auftrag des Auswärtigen Amtes, im Rahmen der Entwicklungshilfe vom 1. September 1959 bis zum 31. März 1960 an der Medizinischen Hochschule Ahwas/ Iran an der irakischen Grenze und vom 1. September 1961 bis zum 31. August 1962 an der Medizinischen Fakultät der neu gegründeten Universität Hué in Süd-Vietnam einen Lehrauftrag für Anatomie zu übernehmen. Während dieser zweijährigen Auslandstätigkeit engagierte sich Ruprecht Zwirner auch für die Probleme der Bevölkerung in der Dritten Welt und in Katastrophengebieten. Erst die Eskalation des Vietnam-Krieges beendete diesen Abschnitt seiner ärztlichen Tätigkeit.
1962 wieder an die Universität Freiburg zurückgekehrt, setzte er seine chirurgische Facharztweiterbildung unter Prof. Dr. med. Hermann Kraus fort. Zum 1. Januar 1967 folgte er seinem Lehrer und Chef, Prof. Dr. med. Ernst Kern, als Oberarzt an das Städtische Krankenhaus Lörrach/Südbaden. Zum 1. September 1969 wechselte er als Oberarzt zusammen mit Prof. Kern an die Chirurgische Universitätsklinik Würzburg, wo er bis zum 31. Juli 1974 chirurgisch tätig war und als akademischer Lehrer an der Universität wirkte. In diesen Abschnitt der beruflichen Tätigkeit fällt die Habilitation an der Medizinischen Fakultät der Universität Würzburg für das Fach Chirurgie, wo er 1972 zum Privatdozenten ernannt wurde. Die unter Anleitung seines Chefs, Prof. Dr. med. Ernst Kern, verfasste Habilitationsschrift trägt den Titel „Die druckadaptierte Arterialisierung des intrahepatischen Pfortadersystems nach portocavaler Anastomose“.
Am 1. August 1974 kehrte Ruprecht Zwirner in seine südbadische Wahlheimat zurück. Er übernahm die Leitung der Chirurgischen Abteilung des Kreiskrankenhauses Donaueschingen/Akademisches Krankenhaus der Universität Freiburg im Breisgau, die er mehr als 20 Jahre – bis zu seinem Eintritt in den Ruhestand Ende 1994 – mit großem Erfolg und hoher Anerkennung innehatte. Als klinischer und akademischer Lehrer hat er zahlreiche junge Menschen zu Chirurgen und weithin anerkannten Ärzten geformt. Als „Vollblutchirurg“, geprägt von einem Arztbild der Tradition einer noch heilen medizinischen Welt, von Pflichtgefühl, von einer unbändigen Freude am Beruf und der Hinwendung zu kranken Menschen, stellte er stets hohe Ansprüche an die ethische Verantwortung, an das Verantwortungsgefühl gegenüber dem Mitmenschen und dem Kranken sowie dessen Angehörigen. Weithin geachtet war er deshalb auch bei seinen Patienten, seinen Kolleginnen und Kollegen, den Mitarbeitern und den Gremien des Krankenhausträgers. Dabei kamen ihm auch seine hohen menschlichen Qualitäten und sein Organisationstalent zugute.
Nach Übernahme des Amtes als Chefarzt in Donaueschingen engagierte sich Ruprecht Zwirner auch in der ärztlichen Berufspolitik und in der Gesundheitspolitik auf Bezirks-, auf Landes- und auf Bundesebene. Er war überzeugt davon, dass eine erfolgreiche berufliche Tätigkeit und vielfältige berufliche Erfahrungen in die Gremien der ärztlichen Selbstverwaltung und in die Berufspolitik eingebracht werden müssen, um die existenziellen und beruflichen Grundlagen zu sichern und bei der Zukunftsgestaltung des Gesundheitswesens mitzuwirken.
1978 wurde Ruprecht Zwirner erstmals in die Ver­tre­ter­ver­samm­lung der Bezirksärztekammer Südbaden, Freiburg im Breisgau, im Wahlkreis Schwarzwald-Baar-Kreis gewählt; bereits vier Jahre später, 1982, wurde er zum Vizepräsidenten dieser Bezirksärztekammer gewählt. In diesem Amt ist er dreimal durch Wiederwahl bestätigt worden (Amtszeit bis 1999). Zugleich war Ruprecht Zwirner Mitglied der Ver­tre­ter­ver­samm­lung der Lan­des­ärz­te­kam­mer und wurde als Vertreter der Bezirksärzte Südbadens zum Deutschen Ärztetag delegiert und in dieser Funktion mehrfach bestätigt. Als Vorstandsmitglied der Lan­des­ärz­te­kam­mer leitete er den Weiterbildungs- und Qualitätssicherungsausschuss in Stuttgart. Sein besonderes Engagement gilt medizin-ethischen Fragen. Bereits seit seinen ersten Lehrveranstaltungen ab 1977 hat sich Ruprecht Zwirner an der Freiburger Universität für dieses Gebiet interessiert und über die Maßen engagiert. Ihm ging der Ruf eines außergewöhnlich human orientierten Chirurgen voraus, dessen Umgang mit infausten Patienten beispielhaft war. Er ist seit 1984 Mitglied und seit 1999 Vorsitzender der Ethik-Kommission bei der Lan­des­ärz­te­kam­mer Baden-Württemberg und hat dort seinen unbestechlichen, auf reicher Erfahrung bestehenden Rat eingebracht. Im Rahmen der Diskussion theoretischer und rechtlicher Fragen von Forschungsvorhaben und Studien war sein Beitrag ebenso pragmatisch wie kenntnisreich. Viele Diskussionen in der Kommission haben von seinen Diskussionsbeiträgen profitiert und zur Entscheidungsfindung beigetragen. Mithin gehört Ruprecht Zwirner – nunmehr seit mehr als einem Vierteljahrhundert – zur ersten Generation einer praxisorientierten klinischen Ethik in Baden-Württemberg. Sein kompromissloses und kluges Eintreten für Wahrhaftigkeit und Gerechtigkeit in der ärztlichen Berufsausübung, in Wissenschaft und Forschung wurde stets anerkannt und hoch geachtet und ist sein bleibendes Verdienst.
Auf Bundesebene wirkte Ruprecht Zwirner in den Ausschüssen und Ständigen Konferenzen der Bundes­ärzte­kammer zu Fragen der Amtlichen Gebührenordnung für Ärzte, im Krankenhausausschuss, im Ausschuss Weiterbildung und Qualitätssicherung mit. Er hat die Bundes­ärzte­kammer wiederholt bei Sachverständigen-Anhörungsverfahren und Beratungen im Bundesministerium für Arbeit und Sozialordnung, später dann im Bundesministerium für Gesundheit – insbesondere zu den neuen Entgeltsystemen im Krankenhaus – vertreten. So war er sachverständiger Vertreter der Bundes­ärzte­kammer im Forschungsprojektbeirat zur Evaluation der Bundespflegesatzverordnung 1995 mit ihren neuen Finanzierungsinstrumenten, den Sonderentgelten und Fallpauschalen. Als Vorsitzender des Arbeitskreises „Weiterentwicklung der GOÄ“ hat er die wesentlichen Vorarbeiten für die Konzepte der Bundes­ärzte­kammer zur Aktualisierung der operativen Kapitel in der GOÄ mit Kompetenz, klinischer und praktischer Erfahrung geprägt.
Daneben engagierte sich Ruprecht Zwirner auch als außerordentliches Mitglied in der Ver­tre­ter­ver­samm­lung der Kassenärztlichen Vereinigung Südbaden. Er vertrat die Lan­des­ärz­te­kam­mer Baden-Württemberg im Landeskrankenhausausschuss beim Sozialministerium des Landes. Auch auf kommunalpolitischer Ebene war er tätig, so als stellvertretender Stadtverbandsvorsitzender der FDP und Berater dieser Partei.
In Würdigung seiner herausragenden Verdienste verlieh ihm die Lan­des­ärz­te­kam­mer Baden-Württemberg 1994 die Albert-Schweitzer-Medaille; die Stadt Donaueschingen ehrte ihn mit dem Silbernen Wappen der Stadt.
Ruprecht Zwirner hat sich durch seinen unermüdlichen engagierten Einsatz, durch seine unbeirrbare Geradlinigkeit, seine Korrektheit und sein unbestechliches Urteil sowie seine vorbildliche Haltung als Arzt, als akademischer Lehrer und als Chefarzt, als Politikberater, als aktiver Berufs- und Krankenhauspolitiker sowie als Staatsbürger um die ärztliche Versorgung der Patienten, die akadamische Lehre, die Gesundheits- und ärztliche Berufspolitik, die Ärzteschaft und die Selbstverwaltung in der Bundesrepublik Deutschland in hervorragender Weise verdient gemacht.

Anschrift
Unterer Rainhof 28
79199 Kirchzarten

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