ArchivDeutsches Ärzteblatt22/2002Medizinstudium: Positives Beispiel
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LNSLNS . . Seit 1977 habe ich als Rechtsmediziner im eigenen Unterricht zur ärztlichen Rechts- und Standeskunde, zunächst in Köln und später in Berlin (FU), stets eine Stunde in jedem Semester der Thematik Medizin im Nationalsozialismus gewidmet. Seit 1989 teile ich mir in Göttingen mit Herrn Kollegen Prof. Doench stets zwei Stunden pro Semester, die erste über Medizin im Nationalsozialismus und die zweite über KZ-Versuche. In diesen beiden Stunden werden die Diskussionen von studentischer Seite sehr engagiert geführt. Und so verwundert es auch nicht, dass wir in der schriftlichen, anonymen Beurteilung (Evaluation) am Ende des Semesters zu diesen beiden Lehrveranstaltungen recht positive Rückmeldungen erhalten. Begleitend zu den beiden Stunden wird in einer Vitrine vor dem Hörsaal spezielle Literatur ausgestellt, wobei wir durch die wissenschaftlichen Aktivitäten des Göttinger Instituts für Ethik und Geschichte der Medizin (Direktorin Frau Prof. C. Wiesemann) die Möglichkeit der Querverweise nutzen können. Seit zwei Semestern überreiche ich zudem den Studierenden als Belohnung für eine fehlerfreie Abschlussklausur im Fach Rechtsmedizin mit einer Widmung zu der guten Leistung die Dokumente des Nürnberger Ärzteprozesses (TB), also den von Mitscherlich und Mielke herausgegebenen Bericht „Medizin ohne Menschlichkeit“.
So wichtig aus meiner Sicht aber für die Studierenden der Medizin die Auseinandersetzung mit dieser dunklen deutschen Vergangenheit ist, so wenig hilfreich würde ich es im Sinne einer inneren Auseinandersetzung auch für uns, die nachfolgenden Generationen, finden, Prüfungsfragen stellen und Wissens- oder Einstellungsfragen zu dieser Thematik beantworten zu müssen.
Prof. Dr. med. K.-S. Saternus, Institut für Rechtsmedizin der Georg-August-Universität, Windausweg 2, 37073 Göttingen
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