ArchivDeutsches Ärzteblatt22/2002Arzteinkommen: PG und GP bieten keine Anreize
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LNSLNS Der Vorsitzende der KBV rät den Kollegen als eine der Lösungen: „Schließt Euch zusammen . . .“
Gestatten Sie mir dazu folgende Anmerkungen:
Die Möglichkeiten für Vertragsärzte, sich zusammenzuschließen, bestehen im Wesentlichen in der Praxisform der GP und PG. Diese beiden Formen der kassenärztlichen Kooperation sind kein Anreiz mehr für Kollegen, die Kooperation unter einem Dach zu wagen:
« In der Gemeinschaftspraxis bestehen vor allem durch die Komplexabrechnungsziffern (zum Beispiel bei Hausärzten) Honorarnachteile, die die Einsparungsmöglichkeiten durch Synergieeffekte nicht ausgleichen (siehe Berechnung in Homepage www.idgp.de).
¬ Die gegenseitige Haftung von Kollegen in der GP erscheint juristisch bindender als im Eherecht. Für Ehepaare oder verwandte Kolleginnen und Kollegen mag diese enge rechtliche Form der Kooperation unter einem Dach noch passen. Als Anachronismus wird die GP jedoch gerade von jungen Kollegen gesehen: Dies wird ihnen durch zahlreiche „Scheidungsgeschichten“ von Gemeinschaftspraxen mit großen Folgeproblemen belegt!
­ Die Vorteile von Kooperation (Vertretung, inhaltliche Ergänzung und die Bewältigung neuer Aufgaben etc.) wiegen die Probleme der möglichen Praxiskooperationsformen nicht auf! Beispiel: Es ist ökonomischer,
seine Praxis im Urlaub zu schließen und sich von der Nachbarpraxis vertreten zu lassen als vom eventuellen GP-Partner. Letzteres wird nicht nur nicht honoriert, sondern dazu auch noch durch eher erreichte Budgetgrenzen und Regresse bedroht.
® Der Nachwuchs (zum Beispiel im hausärztlichen Bereich) fehlt nicht nur, weil die Relation von Aufwand und Ertrag hinkt, sondern weil durch mangelnde Möglichkeit zur Kooperation der Faktor Lebensqualität zu klein ausfällt. Wenn die Attraktivität von Zusammenarbeit und dem inhaltlichen kollegialen Austausch durch juristische (Berufsordnung) und abrechnungstechnische Fußangeln (EBM) torpediert wird, müssen Ratschläge wie der von Dr. Richter-Reichhelm als Hohn erscheinen.
¯ Die Praxisform der PG kann so lange nicht als Lösung für Kooperation dienen, als es keine klaren Bestimmungen dafür gibt. In Hinblick auf die Abrechnungsmodalitäten ist Rechtssicherheit für die Kollegen, die das – auch menschliche – Wagnis der Praxiskooperation eingehen möchten, eine Mindestbedingung. Dazu ist vonseiten der KBV bis dato keine Bereitschaft zu erkennen!
Um den Rahmen nicht zu sprengen, seien hier nur die wichtigsten Punkte dieser Diskussion angesprochen, die damit nicht erschöpft sind. Die Folgerung: Solange weder Honorargerechtigkeit in der GP noch Rechtssicherheit in der PG besteht, ist keinem der Kollegen zu raten: „Schließt Euch zusammen!“
Dr. med. Wolfgang Krombholz, Sankt-Zeno-Platz 4, 84424 Isen
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