ArchivDeutsches Ärzteblatt22/2002Traumaopfer: Drei Fragen

BRIEFE

Traumaopfer: Drei Fragen

Dtsch Arztebl 2002; 99(22): A-1508 / B-1284 / C-1204

Bäßler, Eberhard

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LNSLNS Dem Autor möchte ich meinen Dank aussprechen. Zugleich erlaube ich mir – als während des Zweiten Weltkriegs selbst Betroffener – drei Fragen aufzuwerfen:
« Gibt es wissenschaftlich solide Arbeiten, die sich mit psychischen und psychosozialen Spätfolgen unbehandelter psychischer Traumen während des Zweiten Weltkriegs in Deutschland befassen? Die kriegsbedingten posttraumatischen Belastungssyndrome, denen Massen von Menschen (Soldaten wie Zivilisten) – natürlich nicht nur in Deutschland – ausgesetzt gewesen sind und die nur zu einem ganz kleinen Teil behandelt und betreut werden konnten, sind ja nicht weniger tief greifend gewesen, haben aber oft unvergleichlich mehr Menschen gleichzeitig betroffen (auch wenn sie nach der Meinung vieler von „den Deutschen“ selbst verschuldet waren) als die Traumen nach heutigen Unfällen und Katastrophen in Mitteleuropa. Als zwei Beispiele, die besonders bekannt sind, aber für die ganze Zeit damals stehen sollen, nenne ich nur die Namen Stalingrad und Dresden. Vom Vietnam-Krieg gibt es doch wohl solche Untersuchungen?
¬ Ließe sich nicht aus der Art und Weise, wie die Menschen damals (und heute noch nach großen Naturkatastrophen) unbehandelt und unbetreut diese Traumen verarbeiten mussten (müssen), und das großenteils offenbar auch vermochten, etwas für die Entwicklung therapeutischer Strategien für die durch das CPTB geschädigten Menschen in unserem heutigen Lebenskontext lernen?
­ Existieren Untersuchungen, wie sich die CPTB der Kriegsgeneration sozialpsychologisch auf die Nachkriegsgeneration ausgewirkt hat?
Um nicht missverstanden zu werden: Meine Fragen zielen nicht auf eine Kritik der modernen psychologischen Traumatologie, sondern nur auf den unterschiedlichen psychosozialen Kontext von damals und heute. Diese Fragen zu bedenken könnte vielleicht auch mit zur besseren wissenschaftlich korrekten „Vergangenheitsbewältigung“ beitragen. Nur wer die Vergangenheit gut kennt, kann auch die Gegenwart gut gestalten.
Dr. med. Eberhard Bäßler, Hirschfelder Weg 9, 12679 Berlin
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