ArchivDeutsches Ärzteblatt22/2002zu Aktien: Lahmende Pferde

VARIA: Schlusspunkt

zu Aktien: Lahmende Pferde

Dtsch Arztebl 2002; 99(22): [100]

Rombach, Reinhold

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LNSLNS Gerüchte, der Heidelberger Finanzdienstleister MLP beweise ein besonderes Geschick in der hohen Kunst der Bilanzkosmetik (Window Dressing), gibt es durchaus schon einige Zeit. Was aber früher durch herzhaftes Auftreten des Managements leicht aus der Welt zu schaffen war, ist spätestens seit Ausbrechen der „Enronitis“ nicht mehr mit leichter Hand lösbar.
Die gefälschten Bilanzen beim US-Energieriesen Enron erhöhten nämlich schlagartig die Empfindsamkeit der Finanzmärkte für Versuche, unsaubere wirtschaftliche Vorgänge mit großer materieller Tragweite außerhalb der offiziellen Rechnungslegung zu parken. So war es denn auch nicht verwunderlich, dass Anfang Mai die Veröffentlichung eines Börsenmagazins trotz eines im Grunde aufgewärmten Themas dem MLP-Aktienkurs so empfindlich zusetzte.
Der harsche Vorwurf lautete, MLP habe außerhalb der Bilanz über Rückversicherungsverpflichtungen einen Schuldenberg von 150 Millionen Euro angehäuft. Bei einem Eigenkapital von knapp 230 Millionen Euro sei hier ein enormes nichtbilanzwirksames Risiko aufgebaut worden.
Aufgebaut oder bloß aufgebauscht, wie auch immer, die Aktie verlor binnen weniger Tage rund ein Drittel ihres Wertes und hat derzeit Proble-
me, ein Kursniveau über 50 Euro überhaupt noch zu halten.
Trotz heftigem Kreuzfeuer der Kritik: Bei genauem Hinsehen lösen sich die immer wieder zu hörenden Vorwürfe einer geschickten Bilanzierung in Luft auf, da die MLP-Praxis, hohe Abschlusskosten durch Rückversicherer vorfinanzieren zu lassen, durchaus branchenüblich ist. Gleichwohl monieren manche Analysten den prinzipiell zu hohen Kurs der Heidelberger. Das gilt auch für mich persönlich.
Im Moment wenigstens würde ich die Aktie als lahmendes Pferd einstufen. Anleger mit Lust auf Risiko könnten aber durchaus gute Tradingchancen (rein bei 45, raus bei 55 Euro) winken. Das Nervenflattern dabei ist ja für den einen oder anderen durchaus reizvoll.
Auch die Altana-Aktie würde ich langsam aus meinem Depot kehren. Der Pharma- und Chemiekonzern aus Bad Homburg entzückte die Börsianer in der Vergangenheit mit prima Kursgewinnen. Aber es könnte durchaus sein, dass die Party langsam zu Ende geht.
Es besteht nämlich die Gefahr, dass der große Erfolg des Präparates Pantoprazol für Altana langfristig zu einem Problem wird. Das Medikament steht für ein Drittel des Gesamtumsatzes. Altana hat in der Tat nach meinem Eindruck nicht genügend neue Ersatzprodukte in der Pipeline, wenn 2005 das Patent für Pantoprazol ausläuft.
Die ganz großen Erfolgsstories sind jedenfalls nicht in Sicht. Altana stelle ich deshalb zum Verkauf. An Gewinnmitnahmen hat sich noch kaum ein Börsianer verschluckt.
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