ArchivDeutsches Ärzteblatt22/2002Der Heiler. Tuberkuloseforscher Friedrich F. Friedmann

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Der Heiler. Tuberkuloseforscher Friedrich F. Friedmann

Dtsch Arztebl 2002; 99(22): A-1509 / B-1285 / C-1205

Werner, Petra

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Medizingeschichte
Spannend rekonstruiert
Petra Werner: Der Heiler. Tuberkuloseforscher Friedrich F. Friedmann. Koehler & Amelang Verlagsgesellschaft, München, Berlin, 2002, 298 Seiten, gebunden, mit Schutzumschlag, 19,90 A
Einen „Napoleon der Medizin“, so nannte ihn die „Washington Post“ 1913. Heute ist der Tuberkuloseforscher Friedrich F. Friedmann (1876 bis 1953) fast gänzlich in Vergessenheit geraten. Dabei war er eine der schillerndsten Forscherpersönlichkeiten in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Mit einem Serum, das er aus lebenden Keimen infizierter Schildkröten herstellte, hoffte er, Menschen von der Tuberkulose heilen zu können. Die Idee war genial, doch wissen wir heute, dass eine unspezifische Immunantwort allein gegen den Tbc-Erreger nur wenig ausrichten kann.
Friedmann war ein ehrgeiziger Forscher, der bis zu seinem Lebensende von der Idee besessen war, die Menschheit von einer ihrer schlimmsten Geißeln zu befreien. Als er 1912 sein neues Therapieverfahren auf einem Ärztekongress vorstellte, konnte er nicht ahnen, wie diese Entdeckung sein Leben radikal verändern würde. Er wurde massiv angefeindet. Falsche Freunde und Plagiatoren machten ihm das Leben schwer. Er hatte zudem das Pech, dass der Tuberkulin-Skandal der Öffentlichkeit noch in frischer Erinnerung war. Dennoch gab es einige Kollegen, die Friedmann wohlgesonnen waren und ihn gegen die Angriffe seiner Gegner (darunter fast die gesamte Berliner medizinische Fakultät) verteidigten. Man warf ihm unter anderem vor, dass er ein Scharlatan und Geschäftemacher sei. Lediglich Patienten, einige wenige Praktiker und staatliche Stellen waren von der therapeutischen Wirkung überzeugt. Friedmanns tiefer Fall begann schon lange, bevor die Nationalsozialisten an die Macht kamen und ihn zur Emigration zwangen. Er starb einsam und verbittert in Monaco.
Petra Werner, einer Berliner Wissenschaftshistorikerin, gebührt das Verdienst, diese tragische Lebensgeschichte vor dem Vergessen bewahrt und spannend rekonstruiert zu haben. Robert Jütte
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