ArchivDeutsches Ärzteblatt23/2002Arzneimittelmüll: Hauptlast trägt Duales System

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Arzneimittelmüll: Hauptlast trägt Duales System

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Mehr als eine Milliarde Arzneimittelverpackungen landeten beim Dualen System. Foto: AOK-Mediendienst
Mehr als eine Milliarde Arzneimittelverpackungen landeten beim Dualen System. Foto: AOK-Mediendienst
Gutachten spricht von finanzieller Unausgewogenheit bei Entsorgung.
Mit mehr als einer Milliarde Arzneimittelverpakkungen aus Privathaushalten, Apotheken, Krankenhäusern und Arztpraxen erfasste das Duale System im Jahr 2000 fünfmal mehr Verpackungen als der Wettbewerber Vfw-Remedica, der 198 Millionen Verpackungen in Apotheken und Krankenhäusern einsammelte. Bei der Entsorgung von Arzneimittelverpackungen steht das Sammelsystem des Grünen Punktes damit an erster Stelle. Das geht aus einem Gutachten des Studiengangs Verpackungstechnik der Technischen Fachhochschule Berlin unter Leitung von Prof. Dieter Berndt hervor.
Danach hat die auf den ersten Blick positive Sammelbilanz des Dualen Systems aber auch eine Schattenseite. Denn nur 724 Millionen Verpackungen sind mit dem Grünen Punkt lizenziert. Das Duale System erfasst mithin mehrere Hundert Millionen Arzneimittelverpackungen, die nicht über den Grünen Punkt finanziert sind, aber letztlich von den Lizenznehmern mitbezahlt werden müssen. Anders bei Vfw-Remedica: Dort werden laut Gutachten etwa 881 Millionen Verpackungen lizenziert, von denen aber nur 22 Prozent verwertet werden. Damit unterschreite Vfw-Remedica die gesetzlich vorgeschriebenen Verwertungsquoten.
Das Missverhältnis zwischen finanzierter und tatsächlicher Rücknahme werde durch die Vertriebswege der rund 1,8 Milliarden Arzneimittelpackungen begünstigt. 85 Prozent werden über die Apotheken vertrieben und damit über die Privathaushalte entsorgt, die bundesweit an das Duale System angeschlossen sind. Lediglich 13 Prozent der Arzneimittelpackungen werden in Krankenhäusern verbraucht, zwei Prozent durch niedergelassene Ärzte abgegeben.
Was viele Verbraucher nicht wissen: Die Apotheken, die sich Vfw-Remedica angeschlossen haben, müssen ihre Arzneimittelverpackungen zurücknehmen. Das beschränkt sich nicht auf die Verpackungen mit Restmedikamenten, sondern gilt für alle leeren Verpackungen, die bei Vfw-Remedica lizenziert sind. Darüber müssten die Verbraucher besser aufgeklärt werden. Zudem hätten 95 Prozent der 21 500 Apotheken in ihren Verkaufsräumen keine Sammelbehälter aufgestellt.

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