ArchivDeutsches Ärzteblatt23/2002Arzt-Beruf: „Systemagenten“
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LNSLNS Die Musterberufsordnung für deutsche Ärzte schreibt in § 1: „Der ärztliche Beruf ist kein Gewerbe. Er ist seiner Natur nach ein freier Beruf.“ Dieses „frei“ kann für Ärztinnen und Ärzte, die ihren Lebensunterhalt durch eine Berufsausübung innerhalb des Systems der GKV sichern, schon lange nicht mehr gelten – wenn es denn je gegolten hat. Die Gesetzliche Kran­ken­ver­siche­rung, wie sie im SGB V und den korrespondierenden Rechtsvorschriften kodifiziert ist, ist eine „Sozialleistung“ des Sozialstaates. Insofern sind die Ärztinnen und Ärzte, die ihren Beruf innerhalb des Systems ausüben, allesamt auch „Systemagenten“ und in ihrem Handeln den Zwängen dieses Systems unterworfen.
Mit Blick auf dieses „frei“ müssten sich also auch diese Ärztinnen und Ärzte als Medizinerinnen und Mediziner bezeichnen (lassen) – eine Bezeichnung, die ja in Abgrenzung zu Ärztinnen und Ärzten für den Kollegen aus der „freien“ Wirtschaft beziehungsweise der Unternehmensberatung stehen soll.
Im Übrigen ist es gar nicht Aufgabe des Systems der Gesetzlichen Kran­ken­ver­siche­rung, Patientinnen und Patienten optimal zu behandeln. Die Behandlung muss zweckmäßig, wirtschaftlich und ausreichend sein. Auf optimale Versorgung jedenfalls haben „Kassen-Patientinnen und Patienten“ keinen Anspruch.
Thomas Wagner, Solvay Arzneimittel GmbH, Hans-Böckler-Allee 20, 30175 Hannover
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