ArchivDeutsches Ärzteblatt23/2002Arzt-Beruf: Zu viel Kapitäne und zu wenig Ruderer

BRIEFE

Arzt-Beruf: Zu viel Kapitäne und zu wenig Ruderer

Dtsch Arztebl 2002; 99(23): A-1602 / B-1374 / C-1276

Ronneberger, Klaus-A.

Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...
LNSLNS Ich danke Ihnen für die „Glosse“ über das Selbstverständnis Arzt oder Mediziner. Die DDR hatte ja den Arzt abgeschafft und durch den Diplom-Mediziner ersetzt. Warum wohl? Als Glosse sollte ich Ihren Artikel für ein bisschen komisch mit ernstem Hintergrund sehen. Ich sehe leider keine Komik, nur Hybris. Nur weil Sie im Maßanzug zur Sitzung gehen können, was wohl Ihre Dienstkleidung ist, muss der Kittel des armen Krankenhausdoktors natürlich angegraut sein. (Halte ich, wenn er zu den Leitenden gehört, für ziemlich unwahrscheinlich. Die kriegen auch heute noch täglich frische Wäsche.) Aber die Situation ist ziemlich typisch, ich habe solche Sitzungen mit Consultings auch schon erlebt. Die Klinikmitarbeiter müssen zu solchen Sitzungen von ihrer laufenden Arbeit weg und hinterher wieder hin. Die dargestellte Materie ist ihnen fremd, sie wissen nicht im Voraus, was sie erwartet. Da fällt es einem Consulting leicht, selbst mächtige Chefärzte wie Idioten vorzuführen. Solche Berater sind schlechte Berater, sie motivieren nicht zur Mitarbeit. Nach solchen Sitzungen sind die Betroffenen nicht klüger, sondern sauer!
Froh bin ich, dass das Hauptproblem in unserem kranken Gesundheitswesen in Ihrem Artikel einen Namen bekommen hat: NPC gleich Non Patient Care.
Immer mehr Leute im NPC-Sektor verbrauchen immer mehr Ressourcen. Sie bauen Stellen im Produktivbereich ab, vermehren stattdessen die Verwaltung. Das funktioniert nur so lange, wie sie die produzierende Belegschaft bei der Stange halten können, zu unhaltbaren Arbeitsbedingungen weiter zu arbeiten, nicht in die Industrie oder ins Ausland zu gehen.
Wenn wir nicht endlich die Stellen im NPC-Bereich bei Krankenkassen, Consultingfirmen, in Krankenhäusern und Parteien massiv streichen, geht unser Gesundheitswesen unter – zu viel Kapitäne und zu wenig Ruderer!
Klaus-A. Ronneberger, Bahnhofstraße 25, 24211 Preetz
Anzeige

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Fachgebiet

Zum Artikel

Anzeige