ArchivDeutsches Ärzteblatt23/2002PID: Alte Argumente wiederholt

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PID: Alte Argumente wiederholt

Dtsch Arztebl 2002; 99(23): A-1602 / B-1374 / C-1276

Wunder, Michael

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LNSLNS Es ist schon erstaunlich, wie wenig sich die Befürworter der PID, wie Prof. Klaus Dietrich und Prof. Richard Schröder, von den internationalen Zahlen und Entwicklungen beeindrucken lassen. Sie wiederholen die alten Argumente: Es ginge nur um etwa 100 Paare im Jahr, um wenige Indikationen, und man könne sowieso nur auf eine bestimmte Krankheit hin untersuchen.
Tatsache ist aber mittlerweile, dass in den Ländern, in denen PID erlaubt ist, ständige Ausweitungen zu beobachten sind:
!Aus den Zahlen der European Society of Human Reproduction (ESHRE) geht hervor, dass bereits heute in der Mehrzahl der PID-Durchführungen ein Screening nach numerischen Chromosomenabweichungen durchgeführt wird. Wenn schon PID, dann möchte man mehr sehen als nur das angefragte Merkmal. Auch synchrone Untersuchungen auf monogenetische Merkmale sind technisch nicht ausgeschlossen.
! Geschlechtswahl mit der Begründung des „family
balancing“ wird bereits in drei Zentren der USA angeboten und – wie die Zahlen von ESHRE nahe legen – in Europa bereits in Einzelfällen praktiziert.
!Seit August 2001 ist in Großbritannien sogar die zweckbestimmte Auswahl eines Embryos als Blut- und Gewebespender für ein erkranktes Geschwisterkind erlaubt, nachdem dies im Jahre 2000 erstmals in den USA praktiziert worden war.
Vor diesem Hintergrund weiterhin für eine Legalisierung der PID mit der Beteuerung der Einhaltbarkeit strenger Restriktionen einzutreten, halte ich für wenig überzeugend. Umgekehrt wird ein Schuh daraus: Wer heute für die Erlaubnis der PID eintritt, muss wissen, dass sich international bisher keine Restriktion als stabil erwiesen hat.
Nachzulesen ist dies auch in dem am 14. Mai der Öffentlichkeit übergebenen Bericht der Enquete-Kommission „Recht und Ethik der modernen Medizin“, in dem unter anderem deshalb dem Bundestag mit 16 zu 3 Stimmen empfohlen wird, das Verbot der PID in einem zukünftigen Fortpflanzungsmedizingesetz festzuschreiben.
Dr. Michael Wunder, Mitglied der Enquete-Kommission Recht und Ethik der modernen Medizin des Deutschen Bundestages, Himmelstraße 26, 22299 Hamburg
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