ArchivDeutsches Ärzteblatt23/2002Interventionelle Kardiologie: Sirolimus-Stent vermeidet Restenosen

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Interventionelle Kardiologie: Sirolimus-Stent vermeidet Restenosen

Dtsch Arztebl 2002; 99(23): A-1612 / B-1383 / C-1286

Volkert, Ramona

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Abbildung: Cordis
Abbildung: Cordis
Restenosen sind die Achillesferse der Stents. Ein neuer, mit dem Immunsuppressivum Sirolimus beschichteter Stent könnte dieses Problem lösen. Der Cypher®-Stent (Cordis GmbH) scheint Koronargefäße dauerhafter offen zu halten als herkömmliche Stents. Bis zu 30 Prozent der Patienten entwickeln nach Stent-Implantation eine Restenose. Ursache ist eine reaktive Proliferation der Intima mit vermehrter Bildung von extrazellulärer Matrix. Eine Beschichtung des Stents mit dem Immunsuppressivum Sirolimus (Rapamycin) scheint solche Restenosen zu verhindern.
Die ersten Sirolimus-Stents wurden vor zwei Jahren in Brasilien und Holland eingesetzt. Bei den 45 Patienten der First-in-Man-Studie (FIM) wurden bis heute keine relevanten Restenosen oder Stent-assoziierte Nebenwirkungen beobachtet. Auch die Ergebnisse des ersten größeren Vergleichs von Sirolimus-Stents mit herkömmlichen Stents an 238 Patienten sind vielversprechend. In der RAVEL-Studie (Randomized Study with the Sirolimuseluting Velocity Balloon Expandable Stent) kam es nach einem Jahr bei herkömmlichen Stents in 26 Prozent der Fälle zur Restenose. Bei 23 Prozent dieser Patienten musste die Läsion erneut revaskularisiert werden, bei zwei Drittel der Patienten wegen klinischer Beschwerden. In der Sirolimus-Gruppe wurde dagegen keine Restenose beobachtet. „Auch Restenosen im Randbereich des Stents, wie sie nach Brachytherapie häufig auftreten, fanden sich nicht“, sagt Prof. Gerd Schuler (Leipzig). Sogar bei Diabetikern, die häufig Restenosen entwickeln, wurden beim Sirolimus-Stent keine Restenosen beobachtet, bei herkömmlichen Stents dagegen in 42 Prozent der Fälle. In beiden Gruppen starben jeweils zwei Patienten. Die Todesfälle standen jedoch nicht mit der Revaskularisation in Zusammenhang.
Theoretisch sind ernste Nebenwirkungen (Koronarrupturen) zwar nicht auszuschließen, die bisherigen Studien geben allerdings keinen Hinweis auf eine solche Gefahr, so Schuler. Ein Register, in dem die Daten aller Patienten, die außerhalb von Studien behandelt werden, ist geplant.
Sollten sich die Daten der RAVEL-Studie in weiteren Untersuchungen bestätigen, steht nach Aussage von Prof. Hans Gert Richardt (Lübeck) eine neue Epoche der interventionellen Kardiologie bevor. Der Sirolimus-Stent ist dabei erst der Anfang. Zahlreiche andere Beschichtungen werden zurzeit geprüft. Dabei hat sich jedoch gezeigt, dass nicht jedes Medikament hilfreich ist und dass Dosierung, Pharmakokinetik und das Wirkstoff-abgebende System eine wichtige Rolle spielen.
Heparin freisetzende Systeme waren herkömmlichen Stents nicht überlegen, und mit den Krebsmitteln Paclitaxel beziehungsweise Actinomycin D beschichtete Stents führten in einigen Studien sogar zu einer erhöhten Komplikationsrate. Die Entwicklung von Actinomycin D wurde daraufhin gestoppt, während low-dose slow-release Paclitaxel-Systeme derzeit noch untersucht werden.
Dr. med. Ramona Volkert
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