ArchivDeutsches Ärzteblatt23/2002Schizophrenie: Ziprasidon erweitert das Therapiespektrum

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Schizophrenie: Ziprasidon erweitert das Therapiespektrum

Dtsch Arztebl 2002; 99(23): A-1613 / B-1368 / C-1226

Blaeser-Kiel, Gabriele

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LNSLNS Trotz der inzwischen großen Auswahl an Neuroleptika bestehe noch immer Bedarf an neuen Alternativen zur Behandlung von Schizophreniekranken, begrüßte Prof. Hans-Jürgen Möller (München) die Erweiterung des Spektrums durch Ziprasidon (Zeldox®) bei der Einführungspressekonferenz in Rottach-Egern. Zum einen könne mit der vorhandenen Palette noch immer nicht allen Patienten suffizient geholfen werden – die Responderraten lägen zwischen 50 und 70 Prozent. Zum anderen gebe es nach wie vor Verträglichkeitsprobleme. Ziprasidon scheine in beiderlei Hinsicht aufgrund seines besonderen pharmakologischen Profils Vorteile zu haben.
Die Erkenntnisse zur Wirksamkeit und Verträglichkeit von Ziprasidon stammen aus kontrollierten Studien mit mehr als 5 000 Patienten.
Dazu kommen klinische Erfahrungen an rund 170 000 Schizophreniekranken, die bisher weltweit (Zulassung in 31 Ländern) mit dem neuen Antipsychotikum behandelt wurden. Im Placebovergleich ergab sich bereits am Ende der ersten Behandlungswoche ein deutlicher Therapieeffekt, sowohl auf die Positiv- als auch auf die Negativsymptomatik.
Psychosemerkmale
Außerdem wurde ein signifikanter Rückgang von depressiven Verstimmungen und eine Verbesserung der kognitiven Leistungsfähigkeit beobachtet. Versus Haloperidol, an dem sich alle „Newcomer“ messen lassen müssen, erwies sich Ziprasidon bei den typischen Psychosemerkmalen wie Wahn und Halluzinationen als ebenbürtig, aber als signifikant überlegen bei der ebenso charakteristischen „stillen Seite“ der Schizophrenie mit unter anderem Affektverflachung und Antriebsmangel. Signifikant seltener waren zu-dem die gefürchteten extrapyramidal-motorischen Neuroleptikanebenwirkungen.
Auch in anderer Hinsicht zeichnete sich Ziprasidon durch eine gute Verträglichkeit aus. Häufiger als unter Placebo traten in den klinischen Studien – schwach ausgeprägt und vorübergehend – Somnolenz und Nausea auf. Im Gegensatz zu manchen anderen innovativen Neuroleptika kommt es unter Ziprasidon nicht zu einer nennenswerten Gewichtszunahme.
Die Therapie führt auch nicht zur Erhöhung von Cholesterin, Triglyzeriden oder einer Verschlechterung der Glucosetoleranz und bewirkt nur selten eine anhaltende Prolaktinstörung. Deshalb ist auch nicht mit sexuellen Dysfunktionen zu rechnen. Das Management mit Ziprasidon ist unkompliziert. Es ist keine einschleichende Dosierung notwendig. Die vielfach bereits ausreichende Standarddosis beträgt 80 mg/Tag und kann bei Bedarf bis auf 160 mg/Tag gesteigert werden.
Zur Krisenintervention bei hochpsychotischen, uneinsichtigen Schizophreniepatienten steht auch eine parenterale Darreichungsform zur Verfügung. Der signifikante Effekt auf die Agitiertheit setzt innerhalb von dreißig Minuten nach intramuskulärer Injektion ein. Bei Bedarf kann der Einsatz über drei Tage ein- bis viermal täglich wiederholt werden. In den meisten Fällen haben in den Studien aber ein bis zwei Injektionen ausgereicht und konnte dann die Umstellung auf die orale Weiterbehandlung erfolgen. Gabriele Blaeser-Kiel
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