ArchivDeutsches Ärzteblatt23/2002Phytopharmaka: Besonders für Kinder geeignet

VARIA

Phytopharmaka: Besonders für Kinder geeignet

Dtsch Arztebl 2002; 99(23): A-1614 / B-1260 / C-1121

Hoc, Siegfried

Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...
LNSLNS Phytotherapeutika sind heute auch ein Teil der Schulmedizin. Es sind industriell hergestellte pflanzliche Arzneimittel verfügbar, deren therapeutischer Effekt erwiesen und deren Unbedenklichkeit belegt sind. Diese Phytopharmaka sind wegen ihrer guten bis sehr guten Verträglichkeit für Kinder und Jugendliche besonders gut geeignete Medikamente. Ihre Wirksamkeit ist für viele Indikationen durch Studien und Anwendungsbeobachtungen belegt.
Diese umfassen Erkältungskrankheiten, fieberhafte „Infekte“, Bronchitis, Einschlafschwierigkeiten, depressive und psychovegetative Störungen sowie dyspeptische Beschwerden bei funktionellen und motilitätsbedingten Magen- und Darmproblemen. So das Ergebnis der Vorträge bei einer Veranstaltung vom Komitee Forschung Naturmedizin e.V. in München.
Ärzte stützen sich auf Anwendungsbeobachtungen
Angaben zur Dosierung pflanzlicher Zubereitungen bei Kindern fehlten aber sowohl in den Monographien der Kommission E als auch in
den meisten Lehrbüchern, bemängelte Prof. Hilke Winterhoff (Münster). Solange aber die Unbedenklichkeit solcher Präparate bei Kindern nicht durch Daten belegt ist, steht in den Fach- und Ge-
brauchsinformationen weiterhin der Hinweis: „Nicht anwenden bei Kindern unter zwölf Jahren“ – auch wenn Wirksamkeit und Unbedenklichkeit bei Erwachsenen abgesichert sind und die Präparate seit langem Kindern verabreicht werden. Im Praxisalltag stützt der Arzt sich
daher auf Ergebnisse von Anwendungsbeobachtungen und eigene Erfahrungen. Winterhoff berichtete über drei Anwendungsbeobachtungen, die mit Phytopharmaka gegen Erkältungskrankheiten durch-
geführt wurden. In der einen wurden 1 054 Kinder mit akuter Bronchitis mit Bronchipret®-Saft behandelt, der Thymian plus Efeu enthält. Er wirkt ebenso expektoratorisch wie die chemischsynthetischen Substanzen N-Azetylcystein oder Ambroxol. Die Unbedenklichkeit der pflanzlichen Zubereitung wurde bestätigt.
Das gilt auch für Phytobronchin®, das Extrakte aus Primel-Wurzel und Thymian enthält und ebenfalls gegen Erkältungskrankheiten mit Beteiligung der oberen Luftwege erfolgreich eingesetzt wird. Die Therapie von 3 963 Kindern wurde überwiegend sehr gut bis gut bewertet. Die Medikation hat sich als sehr gut verträglich erwiesen.
Ebenfalls bei Kindern unterschiedlichen Alters mit fieberhaften grippalen Infekten wurde der Erfolg einer siebentägigen Behandlung mit dem homöopathischen Komplex-Arzneimittel Contramutan® (enthält Sonnenhut, Eisenhut, Tollkirsche, Roten Wasserhanf) dokumentiert. Bei den 3 751 Kindern wurde ein schnelles Abklingen der Symptome Halsschmerzen, Schnupfen und Fieber erreicht.
Eine sehr umfangreiche Dokumentation an 40 961 Kindern mit dyspeptischen Beschwerden wurde zur Wirksamkeit und Unbedenklichkeit von Iberogast® vorgelegt. Diese Tinktur aus Bitterer Schleifenblume, Angelikawurzel, Schöllkraut und Süßholzwurzel wirkte bei 42 Prozent der Kinder sehr gut, bei 45 Prozent gut. Über unerwünschte Arzneimitteleffekte konnte nicht berichtet werden.
Wie Erwachsene, so leiden auch Kinder und Jugendliche immer häufiger an psychischen Störungen, die vielfach nicht erkannt werden. „In der Praxis von Kinder- und Hausärzten sind leichte Störungen, die als Verhaltensauffälligkeiten und Einschlaf- oder Durchschlafprobleme imponieren, alltäglich“, bestätigte Pädiater Dr. Dietrich Schultz (Wolfratshausen). Bei Verhaltensauffälligkeiten hat sich das Hypericum-Präparat Jarsin® und bei Schlafstörungen das Baldrian-Präparat Sedonium® bewährt. Siegfried Hoc
Anzeige

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Fachgebiet

Zum Artikel

Anzeige

Alle Leserbriefe zum Thema