ArchivDeutsches Ärzteblatt23/2002Britische Leben: Risiko und Chance

Versicherungen

Britische Leben: Risiko und Chance

Combach, Rolf

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LNSLNS Seit der Deregulierung des europäischen Versicherungsmarktes am 1. Juli 1994 dürfen auch in Deutschland englische Lebens- und Rentenversicherungen angeboten werden. Englische Lebensversicherungen haben eine Besonderheit: Sie sind bei der Wahl ihrer Kapitalanlagen freier als ihre deutschen Mitbewerber. Sie investieren beispielsweise rund 80 Prozent der Versichertengelder in Aktienanlagen. Die deutschen Lebensversicherer hingegen legen nur 20 Prozent in Aktien an. Damit erzielten in den letzten Jahren die englischen Lebensversicherer in Relation zum Aktienindex bis zu 12 Prozent an Rendite – bei gleichen steuerlichen Vorteilen wie deutsche Policen.
Das unerfreuliche Umfeld am Aktienmarkt und das unter dem langfristigen Durch-schnitt liegende Zinsniveau bei den festverzinslichen Wertpapieren führte bei den deutschen Lebensversicherern zu einer Senkungsrunde bei den Überschussbeteiligungen um rund 0,7 Prozent.
In der Regel garantieren die britischen Versicherer bei Ablauf der Verträge die Rückzahlung des Kapitals. Dieses Versprechen wird meist durch ein bestes Rating ( AAA) der Versicherungsgesellschaft und das britische Aufsichtsrecht untermauert. „Das dortige Aufsichtssystem ist sehr streng und war der EU-Kommission Vorbild für die Gestaltung des europäischen Aufsichtsrechts“, sagt Torsten Schreiber von der Hamburger Privatbank Berenberg.
Eine vorab ausgesprochene Garantieverzinsung wie bei den deutschen Lebensversicherungen von zurzeit 3,25 Prozent kennen die Briten nicht. Sie schreiben den Policen jedes Jahr einen (dann garantierten) Teil der Verzinsung gut, die sich an dem Kapitalanlageergebnis des vergangenen Jahres orientiert. Diese garantierte „Jahresdividende“ betrug in den letzten Jahren rund 4 Prozent. Darüber hinaus erzielte Erträge werden den Versicherten „geglättet“ gutgeschrieben. In den Jahren mit hohen Renditen werden Reserven gebildet, die in den Jahren mit geringeren Anlageerfolgen abgebaut werden. Diesen Risikoausgleich nennen die Engländer „Smoothing“.
Obwohl in Großbritannien weiterhin das englische Pfund Zahlungsmittel ist, besteht beim Abschluss einer britischen Kapital bildenden Versicherung nur ein geringes Währungsrisiko. Bei den neuen in Deutschland angebotenen Policen erfolgen die Zahlungen zwischen Kunde und Versicherung in Euro. Auch die Kapitalanlage ist mit Schwerpunkt in Europa ausgerichtet. Ein professioneller Portfolio-Manager kann es sich heute nicht mehr leisten, sich auf einen nationalen Markt zu beschränken.
Die Versicherungsbedingungen sollten dahingehend geprüft werden, welches Recht anwendbar und wo der Gerichtsstand ist. In der Regel sind die Policen verbraucherfreundlich. Streitfälle werden nach deutschem Recht ausgetragen – auch wenn die Police mit einem ausländischen Versicherer abgeschlossen wurde. Die Verträge können analog den deutschen Versicherungen gestaltet werden, sodass eine einkommensteuerfreie Vereinnahmung der Kapitalabfindung am Ende der Laufzeit möglich ist.
Fazit: Eine britische Versicherung bietet höhere Chancen, aber geringere Renditegarantien als eine klassische deutsche Lebens- oder Rentenversicherung. Rolf Combach
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