ArchivDeutsches Ärzteblatt24/2002DMP: Konflikt-Management

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DMP: Konflikt-Management

Dtsch Arztebl 2002; 99(24): A-1621 / B-1369 / C-1277

Maus, Josef

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LNSLNS Wenn in den nächsten Tagen nicht noch eine überraschende Wende eintritt, dürfte sich die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) von der Mitwirkung an den Disease-Management-Programmen (DMP) verabschieden. In der umstrittenen Frage der Datenübermittlung an die Krankenkassen hat die Ver­tre­ter­ver­samm­lung der KBV Ende Mai in Rostock eine Grenze gezogen, die kaum noch Verhandlungsspielraum erkennen lässt. Die Krankenkassen sollen lediglich die Stammdaten der Versicherten erhalten, die an den Programmen teilnehmen. Mehr braucht nach Auffassung der Ver­tre­ter­ver­samm­lung das Bundesversicherungsamt nicht, um überprüfen zu können, wieviel Geld den jeweiligen Krankenkassen aus dem Risiko­struk­tur­aus­gleich für ihre Chronikerprogramme zusteht. Mehr könne auch den Ärzten nicht abverlangt werden, wenn ihr Vertrauensverhältnis zum Patienten nicht nachhaltig gestört werden solle.
Die Ärzte wollen nicht zu Denunzianten an ihren Patienten werden, indem sie beispielsweise die Krankenkassen wissen lassen, ob und wie „brav“ die DMP-Versicherten an den einzelnen Maßnahmen teilgenommen haben. Für die Ärzte wiegen solche ethischen Bedenken ungleich schwerer als mögliche Abrechnungsprobleme innerhalb des Risiko­struk­tur­aus­gleichs.
Wer letztlich welche Daten bekommt, muss die Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­terin mit einer Rechtsverordnung klären. Sie muss dies jetzt unter demselben Zeitdruck tun, den sie zuvor Krankenkassen und Ärzten im Koordinierungsausschuss bei der Erarbeitung der DMP zugemutet hat. Bereits am 1. Juli soll die Rechtsverordnung für das erste DMP (Diabetes) vorliegen.
Die Ärzte sind für ein medizinisch vernünftiges Disease Management, aber gegen dessen Verquickung mit dem Risiko­struk­tur­aus­gleich. Sie sind für eine bessere Versorgung von chronisch Kranken, aber gegen eine Übermittlung sensibler Patientendaten. Diesen Konflikt muss Ulla Schmidt auflösen, um DMP auf den Weg zu bringen.
Gelingt das Konflikt-Management nicht und steigen die KBV und die KVen aus, helfen auch „Einkaufsmodelle“ der Kassen nicht weiter. Denn auch die „eingekauften“ Ärzte oder Arztgruppen stünden vor demselben Dilemma. Josef Maus
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