ArchivDeutsches Ärzteblatt24/2002Gesundheitsinformationen: Im Internet häufig ungenau

AKTUELL: Akut

Gesundheitsinformationen: Im Internet häufig ungenau

Meyer, Rüdiger

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LNSLNS Die Qualität von Gesundheitsinformationen im Internet lässt häufig zu wünschen übrig. Zu dieser Erkenntnis gelangt Gunther Eysenbach von der Universität Heidelberg im amerikanischen Ärzteblatt (JAMA 2002; 287: 2691–2700) auf der Basis einer systematischen Übersicht zu 79 Studien, die Internetseiten unter die Lupe genommen hatten. Danach sind viele Informationen ungenau, unvollständig oder unverständlich. Es gibt Mängel im Internet-Design, viele Sites nennen ihre Urheber nicht, und es fehlen Quellenangaben. Zu diesem Ergebnis kommen in der Tendenz etwa 70 Prozent aller empirischen Studien zur Qualität von Gesundheitsseiten. 22 Prozent der Studien kommen zu einer neutralen Bewertung, während nur neun Prozent die Informationen im Internet positiv beurteilen. Die Qualität variiert je nach angebotenem Thema.

Besonders unzuverlässig sind offenbar Informationen zur Ernährung im Allgemeinen und zum Thema Gewichtsreduktion im Speziellen. Hier fand eine Studie bei 88,9 Prozent aller untersuchten Sites fehlerhafte Informationen. Dagegen scheinen Informationen zu Krebserkrankungen verlässlicher zu sein. Eine Untersuchung fand nur bei vier Prozent der Sites zum Prostatakarzinom Fehler. Die Vergleichbarkeit der Studien ist jedoch beschränkt, und die Übersicht zeigt insbesondere, wie schwierig es ist, die Qualität von Internet-Informationen überhaupt zu beurteilen.

Die mangelnde Ausgewogenheit vieler Sites hat in den USA übrigens schon die Behörden auf den Plan gerufen. Die FDA prüft regelmäßig die Internetseiten von Arzneimittelherstellern, was zu einer steigenden Zahl von Abmahnungen geführt hat. Einen anderen Weg gehen Initiativen, welche die Transparenz von Internet-Sites verbessern wollen. Hierzu zählt etwa das MedCertain-Projekt der EU. Das Ziel solcher Projekte müsse es sein, die Anzahl inadäquater Informationen im Internet zu minimieren und gleichzeitig den Patienten die Möglichkeit zu geben, schlechte Informationen zu erkennen. Ahmad Risk (Brighton/England) und Carolyn Petersen (Mayo Clinic/Rochester) machen im Editorial (JAMA 2002; 287: 2713–2715) darauf aufmerksam, dass gedruckte Aufklärungsmaterialien nicht unbedingt besser sind als Online-Informationen. Eine Analyse von Patienten-Informationen in Allgemeinarztpraxen und Broschüren zur Palliativmedizin aus Kliniken hatte gezeigt, dass die meisten in einem sprachlichen Niveau geschrieben sind, welches sie für die Patienten wertlos macht. Rüdiger Meyer
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