ArchivDeutsches Ärzteblatt24/2002Krebsrisiko von Geschwistern krebskranker Kinder

MEDIZIN: Referiert

Krebsrisiko von Geschwistern krebskranker Kinder

Dtsch Arztebl 2002; 99(24): A-1686 / B-1427 / C-1333

goa

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LNSLNS Eine Krebserkrankung im Kindesalter bedeutet, mit Ausnahme einiger Syndrome, kein erhöhtes Krebsrisiko für die Geschwisterkinder.
Das Wissen um den autosomal dominanten Erbgang bestimmter familiär auftretender Neoplasien, wie zum Beispiel dem Hippel-Lindau-Syndrom oder der Neurofibromatose 1 und 2, ist für die Familienberatung betroffener Familien enorm wichtig. Um abschätzen zu können, ob auch rezessive Gene, einzelne dominante Gen-Mutationen von geringer Penetranz oder die Interaktion verschiedener Gene ein erhöhtes Krebsrisiko bei Geschwisterkindern verursachen, untersuchten dänische Forscher die Daten von 42 277 Geschwistern von 25 605 an Krebs erkrankten Kindern aus dem gesamten skandinavischen Raum.
Am meisten gefährdet waren die Geschwisterkinder in der ersten Lebensdekade: Das Erkrankungsrisiko war zwei- bis dreifach höher als das der Kinder der entsprechenden Altersgruppe in der Allgemeinbevölkerung. Im 10. bis 29. Lebensjahr verringerte sich dieses vergrößerte Risiko auf 20 bis 30 Prozent und war nach dem 30. Lebensjahr nicht mehr nachweisbar. 40 Prozent der in der ersten Lebensdekade beobachteten Krebserkrankungen waren eindeutig familiären Syndromen zuzuordnen. Die Interpretation der verbleibenden 60 Prozent schließt familiäre genetische Faktoren nicht aus – es wären zum Beispiel Polymorphismen denkbar, die das Risiko nur leicht erhöhen und insgesamt häufiger in der Allgemeinbevölkerung zu finden sind. Die Autoren weisen jedoch darauf hin, dass nur zusätzliche längerfristige und molekular-epidemiologische Studien das Zusammenspiel zwischen genetischer Disposition und Umweltfaktoren bei der Entstehung von Krebsleiden in Familien, auch bei Personen im höheren Alter, erhellen können. goa

Falck Winther J et al.: Cancer in siblings of children with cancer in the Nordic countries. Lancet 2001; 358: 711–717.

Jeanette Falck Winther, Institute of Cancer Epidemiology, Danish Cancer Society, Kopenhagen, Dänemark.

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