ArchivDeutsches Ärzteblatt24/2002Pulmonale Hypertonie: Bosentan blockiert zwei Endothelin-Rezeptoren

VARIA: Wirtschaft - Aus Unternehmen

Pulmonale Hypertonie: Bosentan blockiert zwei Endothelin-Rezeptoren

Dtsch Arztebl 2002; 99(24): A-1698 / B-1434 / C-1336

EB

Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...
LNSLNS Die pulmonale Hypertonie (PH) wird häufig spät erkannt, da die Symptome zunächst uncharakteristisch sind. Bei den Betroffenen nimmt die körperliche Belastbarkeit kontinuierlich ab, und ihre Lebenserwartung ist erheblich eingeschränkt. Die seltene primäre PH beginnt zwischen dem 20. und 40. Lebensjahr. Häufiger ist die sekundäre Form, die sich auf dem Boden von Grunderkrankungen wie Sklerodermie, Lupus erythematodes, HIV-Infektion oder angeborenen Herzfehlern ausbildet. In Deutschland leiden mindestens 8 000 Menschen an sekundärer PH.
Bisher gibt es keine befriedigenden Möglichkeiten, bei der PH den erhöhten Druck zu senken und die Gefäßveränderungen zu verhindern oder aufzuhalten. Eine allgemeine Maßnahme ist die Langzeit-Sauerstoffgabe. Als gefäßerweiternde Mittel werden Prostazyklin und seine Derivate eingesetzt, die als intravenöse Dauerinfusion oder mehrmalige tägliche Inhalation appliziert werden. Wie Dr. Marius Höper (Medizinische Hochschule Hannover) bei einem Presseseminar des Unternehmens Actelion in Berlin ausführte, sind operative Verfahren wie Atrioseptostomie, Thrombendarteriektomie oder Herz-Lungen-Transplantation die ultima ratio.
Den Ansatz für ein neues Wirkprinzip lieferten die wissenschaftlichen Erkenntnisse über das Endothel und seine Funktionen bei der Regulierung des Gefäßtonus. Es produziert und sezerniert vasodilatatorische Mediatoren und Endothelin-1 (ET-1), eine hochwirksame vasokonstriktorische Substanz. Erhöhte Konzentrationen von ET-1, die man bei Patienten mit pulmonal-arterieller Hypertonie findet, bewirken eine anhaltende Konstriktion der Lungengefäße sowie eine chronische Entzündungsreaktion mit bindegewebigem Umbau der Gefäßwand (Remodelling). Vermittelt werden die Wirkungen des Endothelins über die Endothelin-Rezeptoren ETA und ETB.
Als erster dualer Endothelin-Rezeptor-Antagonist blokkiert Bosentan (Tracleer®) beide Rezeptoren und hemmt die pathophysiologischen Wirkungen von Endothelin an den Blutgefäßen. Wie Studien zeigen, senkt die Therapie mit Bosentan den pulmonal-arteriellen Druck und führt zur Entlastung des rechten Herzens. Somit bessert sich die Belastbarkeit der PH-Patienten deutlich, und der Schweregrad der Erkrankung geht zurück. Ein besonderer Vorteil der neuen Substanz liegt in der oralen Applikation.
Das Therapieprinzip der Endothelin-Blockade wird durch eine klinische Studie mit Bosentan bestätigt: In der BREATHE-1-Studie (Bosentan Randomized Trial of Endothelin Rezeptor Antagonist Therapy for Pulmonary Hypertension) mit 213 Patienten wurden die Wirksamkeit und Verträglichkeit von zwei Bosentan-Dosierungen (zweimal täglich 125 mg und zweimal täglich 250 mg) versus Placebo untersucht.
Der primäre Endpunkt der Studie war die Verbesserung der körperlichen Belastbarkeit: Im Vergleich zu Placebo erreichten die mit Bosentan behandelten Patienten nach 16 Wochen – gemessen im Sechsminutengehtest – eine Verbesserung um 44 Meter, das bedeutet eine etwa 20-prozentige Steigerung. Dieser Behandlungseffekt war für beide Bosentan-Gruppen statistisch signifikant. Positive Wirkungen wurden auch in sekundären Endpunkten festgestellt: Bosentan konnte den Zeitpunkt bis zur klinischen Verschlechterung der PAH signifikant verzögern, und der Schweregrad der Erkrankung ging deutlich zurück.
Das Arzneimittel war gut verträglich. Da etwa elf Prozent der mit Bosentan behandelten Patienten reversible Erhöhungen der Leberenzymwerte aufwiesen, ist nach Firmenangabe eine monatliche Kontrolle der Leberwerte wichtig. Wegen des Risikos von Fehlbildungen dürfen Schwangere oder Frauen, die eine Schwangerschaft planen, Bosentan nicht einnehmen. Das Arzneimittel ist bereits zugelassen. EB
Anzeige

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Fachgebiet

Zum Artikel

Anzeige

Alle Leserbriefe zum Thema