ArchivDeutsches Ärzteblatt25/2002Publikationen: Vielfach „geschönt“

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Publikationen: Vielfach „geschönt“

Dtsch Arztebl 2002; 99(25): A-1709 / B-1449 / C-1349

Meyer, Rüdiger

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LNSLNS Viele Autoren stellen die Ergebnisse randomisierter klinischer Studien in ihren Publikationen einseitig dar. Dies zeigt eine Analyse im amerikanischen Ärzteblatt (JAMA 2002; 287: 2813– 2814). Noch vorsichtiger sollte man bei der Lektüre von Pressemitteilungen sein, die in einer anderen Studie unter die Lupe genommen wurden (JAMA 2002; 287: 2856–2858). Seit Mitte der 90er-Jahre versuchen Kliniker, Statistiker und Herausgeber von Fachzeitschriften, das Niveau der Publikationen zu heben. Das Ergebnis war das „Consolidated Standards of Reporting Trials (CONSORT)-Statement“. Im letzten Jahr haben JAMA, Lancet und die Annals of Internal Medicine ein überarbeitetes Dokument veröffentlicht. Ein Kernpunkt ist die Forderung, in den Publikationen die „absolute Risikominderung“ der „relativen Risikominderung“ vorzuziehen. Wenn etwa eine Behandlung dazu führt, dass statt vier Prozent nur noch zwei Prozent der Patienten sterben, ist dies eine absolute Risikominderung um zwei Prozent, aber eine relative Risikominderung um 50 Prozent.

Jim Nuovo von der Universität von Kalifornien hat 359 Publikationen zu randomisierten kontrollierten Studien ausgewertet. Sie waren zwischen 1989 und 1998 in den international führenden Journals erschienen: Annals of Internal Medicine, British Medical Journal, Journal of American Medical Association, The Lancet und das New England Journal of Medicine. Nur 18 Autoren gaben in ihren Publikationen explizit die absolute Risikominderung an. Zehn dieser Studien stammten jedoch aus dem Jahr 1998, was möglicherweise andeutet, dass das CONSORT-Statement seine Früchte trägt. Die zweite Kernforderung von CONSORT ist die Angabe der Zahl der Patienten, die behandelt werden müssen, um ein Ereignis, beispielsweise einen Todesfall, zu verhindern.
Diese „number needed to treat“ wurden nur in acht Artikeln genannt, davon wurden sechs 1998 publiziert – auch dies zeigt, dass die CONSORT-Kriterien langsam umgesetzt werden. Eine Reihe von Journals haben in den letzten Jahren begonnen, Pressemitteilungen zu versenden. Dies machen regelmäßig die Annals of Internal Medicine, British Medical Journal, Circulation, JAMA, Journal of the National Cancer Institute, Lancet und Pediatrics. Steven Woloshin von der Dartmouth Medical School (New Hampshire) und seine Kollegin Lisa Schwartz werteten 127 Pressemitteilungen dieser Journals aus. Ihr Ergebnis: Die „Press-Releases“ sind häufig lückenhaft. Zwar werden in den meisten Fällen die Ergebnisse in Zahlen wiedergegeben, es fehlt jedoch oft die differenzierte Betrachtung, die etwa die Angabe der Einschränkungen (Limitationen) einschließt. Solche fanden die Autoren nur in 23 Prozent der Mitteilungen. Nur 22 Prozent nannten die Sponsoren der Studien. Rüdiger Meyer
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