ArchivDeutsches Ärzteblatt25/2002100 Jahre Deutsche Apotheker- und Ärztebank: Insgesamt eine Erfolgsgeschichte

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100 Jahre Deutsche Apotheker- und Ärztebank: Insgesamt eine Erfolgsgeschichte

Dtsch Arztebl 2002; 99(25): A-1725 / B-1458 / C-1358

Clade, Harald

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LNSLNS In einem schwierigen Bankenjahr hat sich die Standesbank der Heilberufe
gut geschlagen. Sie geht mit Elan in die neue Geschäftsperiode.

Festakt der Deutschen Apotheker- und Ärztebank in der Deutschen Oper am Rhein in Düsseldorf. Fotos: Heike Herbertz
Festakt der Deutschen Apotheker- und Ärztebank in der Deutschen Oper am Rhein in Düsseldorf. Fotos: Heike Herbertz
Was vor hundert Jahren als ein Akt der genossenschaftlichen Selbsthilfe und als Verein zur „Vergabe günstiger Kredite an die Mitglieder“ nach den Ideen des Gründers des gewerblichen Genossenschaftswesens, Hermann Schulze-Delitzsch, in Danzig begann, ist inzwischen zu einer erfolgreichen Standesbank aller akademischen Heilberufe gewachsen: Die Deutsche Apotheker- und Ärztebank eG, Düsseldorf, kurz APO-Bank genannt, konnte anlässlich der Ver­tre­ter­ver­samm­lung am 14. Juni in Neuss und am 15. Juni im Rahmen eines Festaktes in Düsseldorf vor 1 100 Gästen den 100. Geburtstag begehen.
Im Jahr 1902 legte der Danziger Apotheker Richard Oskar Mattern mit 17 weiteren Kollegen den Grundstein für den „Kredit-Verein Deutscher Apotheker e.G.m.b.H“ (K.R.E.D.A.), die inzwischen nach wechselvoller Geschichte zur größten Primär-Genossenschaftsbank in Deutschland gewachsen ist.
Bereits im Jahre 1904 eröffnete der Kreda seine erste Zweigniederlassung in Berlin, 1907 zählte die Genossenschaft 1 000 Mitglieder und deckte bereits die meisten Bankgeschäftsbereiche ab. 1920 wurde der Geschäftssitz nach Berlin verlegt, und 1938 wurde aus der kleinen Gebietsbank der deutschen Apotheker die Deutsche Apothekerbank eGmbH, die bereits ein Jahr später mit dem „Spar- und Kreditverein Deutscher Apotheker mbH (SPARDA) fusionierte.
1945 wurde die Bank aufgrund alliierten Rechts geschlossen. Die damalige Bilanzsumme betrug rund 30 Millionen Reichs-Mark; Mitgliederbestand: 2 800 Genossen.
Ehemaliges Domizil des Kreda in Leipzig. Quelle: APO-Bank
Ehemaliges Domizil des Kreda in Leipzig. Quelle: APO-Bank
Nach Gründung der Bundesrepublik Deutschland wurde ein Neuanfang durch die Gründung der „Westdeutschen Apothekerbank eGmbH“ in Düsseldorf gewagt. Die amtliche Zulassung der Bank erfolgte durch die Staatsaufsicht 1949 – gegen Zahlung einer Lizenzgebühr in Höhe von 200 DM. Der Kundenkreis wurde auf alle Heilberufsangehörige ausgedehnt, und ab 1950 titulierte die Standesbank mit dem Zusatz „Bank für das Gesundheitswesen“. Mit einem Mitgliederstand von mehr als 1 000 im Jahr 1952 und einer Belegschaft von 23 Bankangestellten wurde eine Bilanzsumme von 4,8 Millionen DM erreicht.
Zum hundertsten Bestehen der Bank präsentierte der Vorstandssprecher der APO-Bank, Werner Wimmer, ein „zufriedenstellendes, achtbares Ergebnis“. Die Bilanzsumme per Ultimo 2001 übersteigt 40 Milliarden DM. Die Standesbank betreut rund 235 700 Kunden; der Mitgliederstand (Genossen) lag Ende vergangen Jahres bei 90 579. Die Deutsche Apotheker- und Ärztebank unterhält bundesweit und flächendeckend 48 Geschäftsstellen.
Um die Bankgeschäfte, die immer weiter differenzierten Dienstleistungen bis hin zur Erstausstattungs- und Investitionsberatung niederlassungswilliger Heilberufler kümmern sich mehr als 1 800 Mitarbeiter. Trotz ungünstiger konjunktureller Rahmenbedingungen und der mit der Note „ausreichend“ zu versehenden gesamtwirtschaftlichen Bilanz für die deutsche Wirtschaft im Jahr 2001 hat die Standesbank der akademischen Heilberufe den ersten Rang unter den genossenschaftlichen Primär-Kreditinstituten verteidigt. Die APO-Bank ist mit weitem Abstand wie bisher das größte genossenschaftliche Primär-Kreditinstitut in Deutschland.
Angesichts der zunehmenden Globalisierung der Märkte und der vor zwei Jahren einsetzenden, zum Teil spektaktulären Bankenfusionen sowie die Übernahme durch Versicherungen stellte der Vorstandsvorsitzende Wimmer fest: „Die Wettbewerbsfähigkeit einer Bank zeigt sich nicht allein in der Betriebsgröße, sondern in der Effizienz der Leistungserstellungsprozesse, in der Solidität, im Service und vor allem in der Kundennähe sowie im Sachverstand im Hinblick auf die spezifischen Probleme der Heilberufe.“ Wimmer sagte vor der Ver­tre­ter­ver­samm­lung und den aufsichtsführenden Gremien: „Das Institut ist vielleicht eine in mancher Hinsicht ungewöhnliche Bank, aber es ist sicherlich eine im positiven Sinne außergewöhnliche Bank, und zudem ein grundsolider und in den Heilberufen fest verwurzelter Partner, der auch in Zukunft Vertrauen verdient.“
Die Jubiläumsveranstaltung und der Bericht zur Lage vor der Ver­tre­ter­ver­samm­lung, dem höchsten Entscheidungsgremium der Bank, gerieten zwar nicht zu einer überschwenglichen Jubelveranstaltung, dennoch blieb die APO-Bank weitgehend von der typischen Strukturkrise und bisher nicht gekannten Einbrüchen der Kreditwirtschaft verschont. Die allgemeine Verschlechterung der deutschen Wirtschaft und insbesondere auch des Bankensektors haben freilich Spuren bei den Ergebnissen und der Bankbilanz hinterlassen. Das relativ gute Abschneiden der Bank im vergangenen Jahr veranlasste den Vorstand zur Versicherung, das neue Jahrhundert mit ebenso viel Tatendrang wie in der Vergangenheit anzugehen, Ideenvielfalt und Gestaltungsfreude, vor allem den Kundenservice weiter zu intensivieren.
Das Ergebnis des Jahres 2001 wurde wesentlich geprägt durch den Zugang von rund 9 100 neuen Kunden (2000: 9 200) auf jetzt 235 700 – rund 25 Prozent mehr als im Jahr 1995. Der Bankvorstand führt diesen Aufschwung vor allem darauf zurück, dass die Geschäftspolitik bereits 1996 dazu überging, den Kunden im Rahmen einer „Multi-Canal-Strategie“ die Wahl des Zugangs zur Bank freizustellen. Zugute kam der Standesbank in einer Phase wirtschaftlich schwieriger werdenden Zeiten die besondere Kundennähe in fünf Niederlassungen, 43 Filialen sowie acht regionalen Kreditsekretariaten. Ihr großes Plus und die langjährigen betriebswirtschaftlichen Erfahrungen, die die Bankberater und Fachmitarbeiter im Hinblick auf das Finanzierungsmanagement von Praxen und Apotheken tagtäglich tatkräftig einsetzen. Vor allem kommt dies bei Existenzneugründungen den Kunden zugute. Mehr als jede zweite Neugründung und Übernahme wurde durch die APO-Bank finanziert. Die finanzielle Basis der Bank konnte erneut mit eigenen Mitteln gestärkt werden. Das haftende Eigenkapital liegt aktuell bei 3,034 Milliarden DM (rund 1,55 Milliarden Euro; 2000: 2,74 Milliarden DM). Der Jahresüberschuss (Bilanzgewinn) lag 2001 bei 110 994 927 DM (2000: 100,35 Millionen DM). Mit 60 Millionen DM des Bilanzgewinns wird der größte Teil wie bisher in den Vorjahren den Rücklagen zugeführt: 30 Millionen gehen in die gesetzlichen Rücklagen, weitere 30 Millionen DM in andere Rücklagen. Einstimmig beschlossen die Vertreter, an die Kapitaleigner eine Netto-Dividende von sechs Prozent, zuzüglich eines einprozentigen Jubiläumsbonus auszuschütten. Die Dividenden-Ausschüttung entspricht rund 51 Millionen DM (Vorjahr: 40,34 Millionen DM). Eine bittere Pille: Am Betriebsergebnis in Höhe von 206 Millionen DM partizipierte der Fiskus mit 95 Millionen DM.
Wie bisher ist das Kreditgeschäft der wesentliche Motor des Wachstums der Bank. Die Kundenkredite erhöhten sich um 9,7 Prozent auf 26,43 Milliarden DM. Das gesamte Kreditvolumen einschließlich Bürgschaften stieg auf 26,83 Milliarden DM. Der Schwerpunkt der Ausleihungen liegt mit 1,8 Milliarden DM wie bisher im Darlehensbereich – Mittel, die vorwiegend für Immobilien- und Existenzgründungsfinanzierungen eingesetzt werden. „Erfreulich“ stieg der Zinsüberschuss um rund 71 Millionen DM auf jetzt fast 680 Millionen DM an. Dagegen ist der Provisionsüberschuss von 192 Millionen DM auf 151 Millionen DM (- 41 Millionen DM) zurückgegangen. Zuwächse wurden bei der Vermittlung von Immobilien- und Leasingsfonds sowie von Lebensversicherungen erzielt. Dagegen wurden im Bereich „Wertpapiere“ weniger Provisionsüberschüsse erwirtschaftet. Der Verwaltungsaufwand stieg um 35 Millionen DM auf 501 Millionen DM.
Der Vorstand prognostizierte, dass das Betriebsergebnis im Jahr 2002 wieder steigen wird. Die Geschäftsguthaben der Anteilseigner in Höhe von 746 Millionen DM und ein Haftungskapital von mehr als drei Milliarden DM werten Vorstand und Aufsichtsrat als eine der wichtigsten Voraussetzungen für die Stabilität und Prosperität der Bank
Dr. rer. pol. Harald Clade
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