ArchivDeutsches Ärzteblatt25/2002Forschung und Industrie: Auf einer Wellenlänge

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Forschung und Industrie: Auf einer Wellenlänge

Dtsch Arztebl 2002; 99(25): A-1732 / B-1465 / C-1365

Richter, Eva A.

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LNSLNS Die Deutsche Forschungsgemeinschaft und der Bundesverband der Deutschen Industrie veranstalteten das erste gemeinsame Forschungssymposium auf dem Gebiet der Medizin.

Zwischen uns passt kein Stück Papier“, sagte Dr. Stefan Marcinowski, Mitglied des Ausschusses für Forschungs- und Technologiepolitik des Bundesverbandes der Deutschen Industrie und Vorstandsmitglied der BASF AG in Ludwigshafen. Auch Prof. Dr. Ernst-Ludwig Winnacker, Präsident der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG), betonte den Konsens mit Marcinowski. Gemeinsam leiteten sie das deutsche Forschungssymposium „Besser, gesünder, länger leben – auf dem Weg zu einer vitalen Gesellschaft“ am 3. und 4. Juni in Berlin.
Interessiert an einer Kooperation sind sowohl Wissenschaft als auch Industrie. Angesichts der knappen Mittel für Forschung und Entwicklung wollen die Spitzenorganisationen ihre Zusammenarbeit vertiefen und Handlungsempfehlungen an die Politik geben, heißt es. Die Forschung ist auf das Geld der Industrie angewiesen. Zwar will die Politik bis 2009 die Forschungsausgaben auf vier Milliarden Euro erhöhen; von derzeit 2,4 Prozent des Bruttoinlandsprodukts auf drei Prozent. Doch: „Zwei Drittel dieser Mittel stammen von der Industrie, nur ein Drittel von Bund und Ländern“, erklärte Winnacker. „Die DFG wird für nationale Projekte niemals allein verantwortlich sein und diese finanzieren können.“ Sie wolle vielmehr die Beteiligten zusammenführen. Seit 1996 fördert die DFG etwa 30 Transferbereiche, die Kooperationen zwischen Forschungsinstitutionen und Anwendern unterstützen.
Davon profitiert die Industrie: Die Wissenschaft könne Mittel zielgerichteter, planmäßiger und damit auch sparsamer einsetzen, betonte Marcinowski. Viele Unternehmen hätten bisher die Bedeutung der Biotechnologie und der Genomforschung noch nicht erkannt. Die DFG soll ihren Finger auf noch weiße Flecken in der Forschungslandschaft richten. Gemeinsam diskutierten Wissenschaft und Industrie deshalb über Forschungsstrategien, Empfehlungen für die zukünftige Forschungsförderung und Wege zur schnelleren Verbreitung von Innovationen.
Künftig sollen die epidemiologische Forschung, die Ernährungs- und die Alternsforschung verstärkt gefördert werden. Ferner müsse die Forschung über die molekularen Zusammenhänge des pflanzlichen Stoffwechsels forciert werden, forderten die Kooperationspartner. Zur Bekämpfung von Massen- und Zivilisationserkrankungen seien ebenfalls weitere Forschungsanstrengungen notwendig. Die Genomforschung biete sowohl für die Wirkstoffsuche und die Optimierung der Krankheitsbekämpfung als auch für die Aufklärung der Entstehungsmechanismen dieser Krankheiten ein großes Potenzial.
Grundlagenforschung:
industrieunabhängig
Die DFG betonte, dass anwendungsorientierte Forschung nur dann effektiv sei, wenn sie auf eine starke und
industrieunabhängige Grundlagenforschung zurückgreifen könne. Dann könne eine sehr sinnvolle Kooperation einsetzen, zumal Industrieunternehmen oder auch industrienahe Forschungseinrichtungen häufig eine bessere Infrastruktur und Geräteausstattung besäßen.
Die Ergebnisse des Symposiums werden in einem Positionspapier von Wissenschaft und Industrie in den nächsten Wochen veröffentlicht. Das Symposium war Teil des Dialogs, den die Spitzenorganisationen von Wissenschaft und Industrie in einer gemeinsamen Erklärung am 6. April 2000 vereinbart hatten und nach Veranstaltungen zum Energiebedarf und zur Internet-Gesellschaft das erste auf medizinischen Sektor.
Dr. med. Eva A. Richter
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