ArchivDeutsches Ärzteblatt25/2002Allgemeinmedizin: Professionalisierung nach kanadischem Vorbild

THEMEN DER ZEIT

Allgemeinmedizin: Professionalisierung nach kanadischem Vorbild

Dtsch Arztebl 2002; 99(25): A-1733 / B-1466 / C-1366

Romberg, Heinz-Peter

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LNSLNS Die Deutsche Gesellschaft für Allgemeinmedizin und
Familienmedizin (DEGAM) bietet spezielle Kurse zur
Fortbildung akademisch interessierter Allgemeinärzte an.

Viele Gesundheitspolitiker, Experten aus Public Health und medizinischen Fakultäten, aber auch niedergelassene Ärzte, plädieren für eine stärkere Position der Allgemeinmedizin schon in der Ausbildung, vor allem aber in der Gesundheitsversorgung. Trotz aller Appelle hat sich die Situation an den deutschen medizinischen Fakultäten in den letzten Jahrzehnten jedoch kaum verbessert. So gibt es nur an sieben von 34 deutschen Universitäten eine Abteilung oder ein Institut für Allgemeinmedizin. Der Rest wird von Lehrbeauftragten bestritten, die in der Regel nur über sehr begrenzte Ressourcen verfügen. Zudem gab es bislang zu wenig Fortbildungsmöglichkeiten für Forschung und Lehre in der Allgemeinmedizin.
Akademischer Nachwuchs
Zur Förderung der Professionalisierung akademisch interessierter Allgemeinmediziner bietet die DEGAM (siehe Kasten) seit drei Jahren einen neuartigen Fortbildungskurs an. Federführend ist hier Professor Dr. med. Heinz-Harald Abholz von der Abteilung Allgemeinmedizin der Universität Düsseldorf. Dieses Programm ergänzt die bereits bestehenden Forschungskurse in Freiburg/Göttingen, Mainz/ Heidelberg und das Seminar „Lehre und Didaktik“ in Köln.
Aufbau und Gestaltung des neuen Kurses wurden angeregt durch ein Programm kanadischer Kollegen, um akademischen Nachwuchs zu fördern. Privatdozent Dr. med. Norbert Donner-Banzhoff, Dr. med. Stefan Wilm und eine Arbeitsgruppe der DEGAM haben dieses Konzept weiterentwickelt. Gemeinsam formulierten sie eine Themenliste für fünf Wochenendtermine an fünf Hochschulorten. Die Kursinhalte werden dabei – und das ist das Neuartige – von den Teilnehmern selbst gestaltet. Auf diese Weise entsteht eine höchstmögliche Übereinstimmung von Lernzielen und tatsächlich Gelerntem. Im Sinne des problemorientierten Lernens gestaltet die Gruppe die Vorbereitung und Umsetzung der Wochenendtreffen nach dem Rotationsprinzip von Lehrenden und Lernenden. Die Gruppe entscheidet auch, für welche Themenbereiche externe Referenten eingeladen werden.
Ein Auswahlgremium der DEGAM hilft sicherzustellen, dass Herkunft und Arbeitsschwerpunkte der Teilnehmer möglichst gleichmäßig vertreten sind. Die Gesamtzahl ist auf 16 Teilnehmer beschränkt, darunter sind wissenschaftliche Mitarbeiter medizinischer Fakultäten und niedergelassene Lehrbeauftragte. Sie finanzieren Referenten und Tagungsmaterialien selbst – ohne Zuwendungen von der DEGAM und
ohne Forschungsmittel oder Sponsoring durch die pharmazeutische Industrie.
Die fünf Themengebiete des „Professionalisierungs-Kurses“ sind:
- Lehre und Kommunikation
- Versorgung in der Praxis
- Qualität
- Forschung
- Gedeihen an der Hochschule
Obligatorisch ist zusätzlich ein „Internationales Praktikum“, vorzugsweise an universitären Einrichtungen in Großbritannien, den Niederlanden, Skandinavien oder Kanada.
Hohe Motivation der Teilnehmer
Der Schlüssel zum Erfolg dieser Kurse liegt in der hohen Motivation der Teilnehmer, die durch die weitgehenden Mitwirkungsmöglichkeiten an der Organisation und der Gestaltung der Fortbildung zusätzlich bestärkt wird. Die DEGAM verspricht sich von dem Konzept, dass die Allgemeinmedizin an den medizinischen Fakultäten künftig stärker wahrgenommen wird. Zudem sollen akademisch interessierte Lehrbeauftragte und wissenschaftliche Mitarbeiter lernen, ihre Stellung deutlicher zu profilieren. Dr. med. Heinz-Peter Romberg
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