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Dtsch Arztebl 2002; 99(25): A-1742 / B-1475 / C-1374

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Dr. med. Klaus Walter, Vorsitzender des Bundesverbands der Ärzte des Öffentlichen Gesundheitsdienstes e.V.
Dr. med. Klaus Walter, Vorsitzender des Bundesverbands der Ärzte des Öffentlichen Gesundheitsdienstes e.V.
DÄ: Unter dem Motto „Gesundheitsziele – eine Herausforderung für den ÖGD“ fand Ende Mai in Halle der 52. wissenschaftliche Kongress der Verbände der Ärzte und Zahnärzte des ÖGD statt. Welchen konkreten Handlungsbedarf sehen Sie hinsichtlich der künftigen Aufgabenschwerpunkte des ÖGD?
Walter: Die Gesundheitsämter müssen auf Qualität setzen. Die Bandbreite der anstehenden Fragen ist groß. Neben den gutachterlichen Aufgaben muss ein Gesundheitsamt kompetent Stellung nehmen zu ansteckenden Krankheiten, Trink- und Badewasser, umweltmedizinischen Fragen, Jugendgesundheit und vielem mehr. Gesund­heits­förder­ung und präventive Angebote auf der Basis einer lokalen Gesundheitsberichterstattung sind weitere Arbeitsschwerpunkte.
Gute fachliche Ausbildung ist der Schlüssel für erfolgreiche Arbeit der Gesundheitsämter in der Zukunft. Die Weiterbildung zum Arzt für öffentliches Gesundheitswesen deckt all dies ab. In einem Gesundheitsamt sollten alle oder zumindest mehrere Kollegen diese Qualifikation haben. Weiterbildung kostet Geld, aber Qualität ist nirgends, auch nicht im ÖGD, zum Nulltarif zu haben. Die Städte und Kreise müssen sich hier über ihre Verantwortung gegenüber der Gesundheit der Öffentlichkeit bewusst werden und entsprechend handeln.

DÄ: Kann der ÖGD angesichts der desolaten Haushaltslage von Ländern und Kommunen seinen Aufgaben überhaupt noch nachkommen?
Walter: Es wird immer schwieriger, Fantasie ist gefragt. Am Beispiel Impfen möchte ich deutlich machen, dass der Öffentliche Gesundheitsdienst neue Wege gehen muss und neue Formen der Zusammenarbeit einfordern muss. Die Politik muss die Voraussetzungen schaffen. Unser Verband fordert, dass das Impfen bei den Gesundheitszielen für Deutschland an vorderster Stelle steht.
Es gibt beim Impfen Modelle erfolgreicher Zusammenarbeit zwischen niedergelassenen Ärzten, Krankenkassen und ÖGD. Sie müssten aber in allen Bundesländern umgesetzt werden. Ein ausreichender Impfschutz der Bevölkerung ist nur durch gemeinsame Anstrengungen aller Beteiligten, zusammen mit dem Öffentlichen Gesundheitsdienst zu erreichen. Die niedergelassenen Ärzte sind wichtige „Impfer“, aber der ÖGD erreicht durch seine Arbeit in den Kindergärten und Schulen Kinder, die nicht zum Arzt gehen. Diese Kinder muss der ÖGD impfen, und diese Impfungen müssen – wie sonstige Impfungen auch – von den Krankenkassen bezahlt werden.

DÄ: Zurzeit wird intensiv über den zu erwartenden Ärztemangel diskutiert. Wie schätzen Sie die Situation im ÖGD dazu ein?
Walter: Der zu erwartende Ärztemangel wurde von den rund 500 Teilnehmern des ÖGD-Kongresses in Halle (Saale) deutlich thematisiert. Zusätzlich steht vor allem in den neuen Bundesländern ein Generationswechsel an, der zusätzlichen Bedarf ergibt. Erschwerend kommt die immer noch unterschiedliche Bezahlung in den neuen und den alten Bundesländern dazu.
Trotzdem bin ich persönlich zuversichtlich, dass wir neue Kolleginnen und Kollegen für den Öffentlichen Gesundheitsdienst gewinnen werden, weil die ärztliche Arbeit im ÖGD vielschichtig und interessant ist (Kontaktadressen unter: www.aerzte.dbb.de).
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