ArchivDeutsches Ärzteblatt25/2002Traumaopfer: Keine Lobby für Stasi-Verfolgte

BRIEFE

Traumaopfer: Keine Lobby für Stasi-Verfolgte

Dtsch Arztebl 2002; 99(25): A-1744 / B-1477 / C-1376

Geißler, Dürthen

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LNSLNS Ich freue mich, dass in der letzten Zeit im DÄ viele Artikel erscheinen zum Thema „Posttraumatische Belastungsstörung (PTBS = PTSD)“. Auffallend ist jedoch, dass in diesen Arbeiten nie eine große Gruppe betroffener Menschen erwähnt wird, nämlich Stasi-Verfolgte (mit und ohne politische Inhaftierung) und deren Familienangehörige. Wie der „Gauck-Behörde“ und auch dem Berliner Landesbeauftragten für die Stasi-Unterlagen bekannt ist, wurde bisher von den Versorgungsämtern eine erhebliche Anzahl von Anträgen zur Anerkennung verfolgungsbedingter Gesundheitsschäden abgelehnt, teils auch durch mangelnde Diagnostizierung einer posttraumatischen Belastungsstörung. Auch nach einer 1999 von der Bundesregierung vorgeschlagenen erneuten Überprüfung der abgelehnten Anträge wurden keine nennenswerten Veränderungen in der ärztlichen Begutachtung vorgenommen. Ist dies nur ein Spiegelbild zur Vernachlässigung der Diagnose Posttraumatische Belastungsstörung durch Ärzte im Generellen? Die entsprechenden Verfolgtenverbände (HELP; BSV) versuchen, die Menschen mit ihren Schicksalen und ihrem Leiden zu beraten, stoßen aber auch gegen die Mauern der Institutionen . . .
Erschreckend finde ich die Parallele zur Postnazi-Ära, als auch das Leiden von NS-Verfolgten und KZ-Überlebenden nicht anerkannt wurde. Erst politisch-wirtschaftlicher Druck der USA bewirkte seinerzeit eine Änderung in der ärztlichen Begutachtungsweise. Solche Lobby haben Stasi-Verfolgte nicht.
Dr. med. Dürthen Geißler, Schönhauser Straße 16, 12169 Berlin
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