ArchivDeutsches Ärzteblatt25/2002Medizinstudium: Eigenverantwortung übernehmen
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LNSLNS . . . Ziel einer wirklich effektiven, durchgreifenden (!) Reform des Medizinstudiums im Sinne eines Problem- oder Case-Based-Learnings (PBL, CBL) mit Qualitätsansprüchen a` la Harvard und Hamilton (die inzwischen bereits in Südafrika und Saudi- Arabien erreicht werden!) kann ausschließlich sein:
den Studierenden zu einem eigenverantwortlichen Arzt zu erziehen, der jederzeit in der Lage ist, sich selbstständig für die kompetente Betreuung seines Patienten den aktuellen Wissensstand zu erarbeiten, auch bei in der Praxis seltener anzutreffenden Fragestellungen. Zweck darf eben nicht sein, wie bisher im öden deutschen Medizinstudium (eines der schlechtesten auf der Welt!), ein rasch veraltendes enzyklopädisches Wissen zu vermitteln; ebenso hilflos sind die bisherigen Versuche, zwischen die trockenen Vorlesungen hastig interdisziplinäre Vorführungen am Krankenbett (exemplarisch, aber nicht systematisch!) einzuschieben.
Dies erfordert, dass das gesamte Medizinstudium umgestellt wird auf:
- Vermittlung der Fähigkeit zur selbstständigen Erarbeitung von Wissen, statt Vortrag von Inhalten, das heißt Training im Umgang mit multimodalen Lehr- und Informationsmethoden unter Schulung der verantwortlichen Wissenserarbeitung.
- Lehre an konkreten Patienten in Form eines durchsystematisierten Netzwerks mit einem Querschnitt aller Erkrankungen, an denen der Student gleichzeitig den praktischen Umgang mit Patienten und Symptomen sowie die Erarbeitung des dazugehörigen aktuellen Wissens lernt.
Dies wird im Ausland längst erfolgreich vorgemacht, es werden Kurse angeboten wie in McMaster, Hamilton, mit denen dies an landesspezifische gesetzliche Grundlagen angepasst werden kann. Leider ist im Vergleich zu deutschen Universitäten der Vatikan ausgesprochen reformfreudig – ein weiteres, in Anbetracht des Selbstbewusstseins deutscher Universitäts-professoren besonders peinliches Beispiel des unbeweglichen und veralteten Standortes Deutschland. (Die deutsche Universität gleicht mehr einer geschützten Werkstatt als einem von der Öffentlichkeit erwarteten intellektuellen Leistungszentrum.) . . .
Prof. Dr. med. M. R. Gaab, Klinik und Poliklinik für Neurochirurgie, Ernst-Moritz-Arndt-Universität Greifswald, Sauerbruchstraße, 17487 Greifswald
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