ArchivDeutsches Ärzteblatt25/2002Blitzkrieg gegen den Krebs

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Blitzkrieg gegen den Krebs

Dtsch Arztebl 2002; 99(25): A-1747 / B-1480 / C-1378

Proctor, Robert N.

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LNSLNS Medizingeschichte
Führend in der Krebsforschung
Robert N. Proctor: Blitzkrieg gegen den Krebs. Gesundheit und Propaganda im Dritten Reich. Klett-Cotta/J. G. Cotta’sche Buchhandlung Nachfolger GmbH, Stuttgart, 2002, 448 Seiten, gebunden, mit Schutzumschlag, 25,50 €
Nach Proctors Forschungen kann kein Zweifel daran bestehen, dass das Deutsche Reich zwischen 1933 und 1945 in der Krebsforschung führend war. In Deutschland entstand 1937 das erste zentral geführte Krebsregister auf Länderebene (Mecklenburg). Deutsche Forscher wiesen bereits 1939 nach, dass Rauchen Lungenkrebs verursacht – eine Entdeckung, die anglo-amerikanische Wissenschaftler in Unkenntnis der einschlägigen Arbeiten in den 1950er-Jahren für sich reklamierten. Führend war das Dritte Reich auch in Hinblick auf die Krebsprävention. In den meisten Städten gab es bereits in den 1930er-Jahren Krebsberatungsstellen. Auch versuchten die Nationalsozialisten, die wichtigsten Ursachen für den Ausbruch einer Krebserkrankung zu beseitigen oder zumindest zu bekämpfen. Dazu gehörten etwa die Aufklärung über die Gefahren des Rauchens, das Verbot krebserregender Substanzen in Nahrungsmitteln (Buttergelb) und Maßnahmen am Arbeitsplatz zum Schutz gegen Lungenkrebs durch Asbeststaub. Nicht zuletzt machten sich nationalsozialistische Gesundheitsexperten für eine gesunde, krebsvorbeugende Ernährung (Vollkornbrot!) stark. Proctors Stärke ist, dass er ein differenziertes Bild von der nationalsozialistischen Medizin und Gesundheitspolitik zeichnet, die durch zwei Pole gekennzeichnet ist: Die eine Seite der Medaille sind Prävention und bahnbrechende Leistungen in der Krebsforschung, die andere sind die verbrecherischen Menschenversuche und Maßnahmen zur „Vernichtung unwerten Lebens“ (Aktion T4). Robert Jütte
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