ArchivDeutsches Ärzteblatt25/2002zu Finanzprodukten: Freche Lockvögel (II)

VARIA: Schlusspunkt

zu Finanzprodukten: Freche Lockvögel (II)

Dtsch Arztebl 2002; 99(25): [92]

Rombach, Reinhold

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LNSLNS In der letzten Ausgabe habe ich mich mit dem Anlagevorschlag „Park & Ride“ der Direktanlagebank München beschäftigt. Zur Erinnerung: Die DAB bank AG bietet tolle sechs Prozent Zinsen für einen bestimmten Geldbetrag, das aber nur dann, wenn die Hälfte der Summe in einen (von vier möglichen) Fonds investiert wird. Letzten Endes subventioniert sich der Anleger also aus der eigenen Tasche.
Die Ausführlichkeit der Beschreibung indiziert aber keineswegs die Einmaligkeit des Produktes von „Park & Ride“, auch wenn im Prospekt so getan wird, als hätte einer gerade eben das Rad neu erfunden. „Mit Park & Ride warten Sie gelassen auf den Börsenaufschwung“, diese Formulierung grenzt für meinen Geschmack nahe am Größenwahn, zumal das Superfestgeldangebot nach dem 15. November 2002 nicht mehr gilt, der Anleger die Fonds aber immer noch an der Backe hat, egal wie die Börse dann steht. Gelassen weiter warten ist dann wohl die Devise?
Nein, diese Art der Kombiprodukte wird – wen wundert’s – auch von anderen Banken feilgehalten. Das hat seinen guten fundamentalen Grund, weil die Börsenbaisse viele Investmentfonds tief getroffen hat und unzählige Anleger immense Anteile zurückgegeben haben. Die Leute bei Laune zu halten, wird also im Fondsmarketing als Folge des Mittelabflusses als beste Ration angesehen.
Kurioserweise ist das Park & Ride-Angebot der DAB bank noch das, wo die Anleger vergleichsweise am wenigsten geschröpft werden. Dort wird wenigstens die Hälfte des üblichen Ausgabeaufschlags gefordert und auch die Auswahl aus den möglichen Fonds ist mit maximal vier relativ groß.
Bei der Stadtsparkasse München hat man sich beispielsweise „Combiflex Invest“ einfallen lassen, wo nur aus zwei Fonds ausgewählt werden kann, ähnlich ist es bei der Frankfurter Sparda-Bank mit dem „Sparda Power Mix“. Bei der Postbank und „Kapital Invest“ ist immerhin die Auswahl aus drei Investmentfonds möglich. Weiterer Nachteil: Es werden nur hauseigene Fonds angeboten und das auch noch mit einem happigen Ausgabeaufschlag von rund fünf Prozent.
Also: Kombiprodukte sind trotz klingender Namen und toller Werbeaussagen auf gar keinen Fall attraktive Geldanlageprodukte und meines Erachtens bestens geeignet, dem Anleger mehr Geld aus der Tasche zu ziehen, als der Bank qua Dienstleistung zusteht. Wer schon nicht auf Fonds verzichten will, sollte tunlichst sein Kapital selber trennen und auf Tagesgeld anlegen. Das bringt die wahre Gelassenheit.
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