ArchivDeutsches Ärzteblatt26/2002Morbus Alzheimer: Labortest für frühe Diagnose vorgestellt

AKTUELL: Akut

Morbus Alzheimer: Labortest für frühe Diagnose vorgestellt

Dtsch Arztebl 2002; 99(26): A-1785 / B-1509 / C-1409

Bördlein, Ingeborg

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LNSLNS Eine Frühdiagnose der Alzheimer-Erkrankung ist klinisch bislang nicht möglich. Ein neuer Labortest soll nun die diagnostische Sicherheit in früheren Stadien erhöhen. Der Test-Kit der Heidelberger Firma Abeta GmbH weist selektiv die Alzheimer-typischen Proteine Amyloid-beta-42 und Amyloid-beta-40 (Ab 42 und 40) im Gehirnliquor nach, noch ehe klinische Symptome auftreten. Bekanntlich kommt es bereits in dieser Frühphase der Erkrankung in den Nervenzellen zu einer veränderten Produktion dieser Eiweißbruchstücke. Konzentrationsveränderungen dieser Proteine korrelieren mit unterschiedlichen Stadien der Alzheimer-Erkrankung. Der Test-Kit arbeitet nach dem Elisa-Verfahren, bei dem Antikörper nach dem „Schlüssel-Schloss-Prinzip“ für die Erkennung von Ab eingesetzt werden. Dem Patienten wird aus dem Rückenmark weniger als ein Milliliter Liquor entnommen. Mit dem immunochemischen Test, der jetzt im Handel erhältlich ist, wird das humane Amyloid-b mittels monoklonalen Antikörpern über eine enzymatische Verstärkungsreaktion selektiv im „Picogramm pro Milliliter-Bereich“ nachgewiesen. Anhand einer Eichgeraden wird die genaue Konzentration der Peptide festgestellt.

Der Heidelberger Alzheimer-Forscher und Mitbegründer des Unternehmens Abeta, Prof. Dr. Dr. Konrad Beyreuther, erklärte bei der Vorstellung des Tests in Heidelberg, dass damit Patienten besser identifiziert werden könnten, die sich noch in der präklinischen Phase mit einer milden kognitiven Einschränkung (MCI) befinden. Außerdem sei er als biochemischer Marker dafür geeignet, die schwierige klinische Diagnose abzusichern. Damit, so Beyreuther, werde die Möglichkeit eröffnet, sekundärpräventiv einzugreifen, nämlich den Krankheitsfortschritt mit Medikamenten wie Cholinesterasehemmern zu bremsen. In Deutschland haben einschließlich der milden Form etwa eine Million Menschen eine Alzheimer Demenz. Bei etwa 120 000 Menschen wird die Krankheit jährlich neu diagnostiziert. Nach Angaben von Dr. Tobias Hartmann, Mitbegründer des jungen Biotechunternehmens, ist die präklinische Phase prognostisch von größter Bedeutung, denn circa die Hälfte der Patienten mit leichten geistigen Einschränkungen entwickelten in den folgenden Jahren eine Alzheimer Demenz, innerhalb der ersten drei Jahre seien dies 15 Prozent pro Jahr.

Bei der Firma wird auch an einem Plasmatestverfahren für die Ab-Bestimmung gearbeitet. Damit könnte die aufwendigere Liquorentnahme in der Praxis entfallen. Therapeutisch werden in dem Unternehmen zwei Strategien verfolgt: zum einen den Abbau der Amyloid-Ablagerungen mit einem Impfstoff zu erreichen beziehungsweise die Bildung der „Alzheimer-Proteine“ von vorneherein mit Amyloid-Blockern, etwa spezifischen Antikörpern, zu verhindern. Ingeborg Bördlein
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