ArchivDeutsches Ärzteblatt26/2002Arzt und Geschäft: Ist die Basis des Arztberufs nicht schon lange dahin?

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Arzt und Geschäft: Ist die Basis des Arztberufs nicht schon lange dahin?

Dtsch Arztebl 2002; 99(26): A-1812 / B-1535 / C-1431

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LNSLNS Wir sollten uns doch nichts vormachen. 1968 musste fraglich indizierte „Technik“ durchgeführt werden, wenn man Beratung und Untersuchung ordentlich bezahlt bekommen wollte. 1980 wurde beim KV-Kurs geraten, dass sich der Patient Beschwerden und/oder der Arzt eine Diagnose einfallen lassen muss, wenn ein „Check up“ auf Krankenkassenkosten abgerechnet werden soll. Ich war gelernter Kaufmann und wollte das nicht mitmachen. Etwa 1990 veranlasste mich die Flut schlimmer Diagnosen auf einer Privatrechnung, einem Beamten mit „Augenzwinkern“ zu einem Schwerbehindertenantrag zu raten. Der Arzt hat keine Befunde liefern können. Wenn man weiß, dass Beihilfestellen nicht immer „dicht“ sind, eigentlich unverantwortlich. Im Jahr 2000 meinte „mein“ Gastroenterologe, dass nach vollständiger Entfernung sämtlicher Polypen nach mehreren Koloskopien eine Kontrollkoloskopie spätestens in einem Jahr erfolgen sollte. Begründung nach Hinweis auf die Leitlinien: Chefärzte machen das schon nach einem halben Jahr, und: Sonst geht ja unser Gesundheitssystem zugrunde. 2001/2002 stellte ich fest, dass eine Koloskopie nach Ziffer 760/768 mit einem Klysma als ausreichend vorbereitet gilt und die Ziffern 760/768 mit 1 520 Punkten im Gegensatz zur durchgeführten Rekto-Sigmoidoskopie nach Ziffer 755 mit 350 Punkten nicht budgetiert sind. Im letzten Fall hat der Arzt keine Koloskopie nach ausreichender Vorbereitung angeschlossen und der Patient wurde sieben Monate später an einem metastasierenden Kolonkarzinom operiert. Die Schuld liegt eindeutig beim Patienten: Er ist zur ersten Untersuchung nicht richtig vorbereitet gekommen. Noch hält der Patient das für einen Einzelfall.
Ich habe mir den „Gesundheitsladen“ als Betriebsarzt lieber von außen angesehen und habe oft genug für einzelne Mitarbeiter „gegensteuern“ können. Ich hätte zu viel „Innere Medizin“, wie ich sie an einer Universitätsklinik gelernt hatte, aufgeben müssen, wenn ich im „Geschäft“ geblieben wäre. Ist die „Basis des Arztberufes“ nicht schon lange „dahin“?
Name ist der Redaktion bekannt.
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