ArchivDeutsches Ärzteblatt26/2002Arzt und Geschäft: Selbsterhaltungstrieb
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LNSLNS Im Kern ist die Aussage des Artikels die, dass der Arzt sich gefälligst aus der Marktwirtschaft heraushalten solle und dazu aufgefordert sei, seine wirtschaftlichen Interessen zu ignorieren und dem Primat des ärztlichen Berufsethos unterstellen solle. Diese Auffassung mag im Kern richtig und auch wünschenswert sein. Aber: die Todsünde, das marktwirtschaftliche Element in das Gesundheitswesen zu tragen und zum alles beherrschenden Prinzip zu erklären, ist eine Todsünde, die durch die Politiker begangen wurde,
. . . Alle Beteiligten haben hier auch ihren Anteil: Kassen, Verwaltungsdirektoren usw. (schauen Sie sich mal deren Gehälter an). Die Entscheidungskompetenzen wurden längst den Ärzten weggenommen und in die Hände rücksichtloser „Manchester-Kapitalisten“ gegeben. Man denke hier nur an die gnadenlose, jahrzehntelange, rüchsichtslose Ausbeutung junger Arztkollegen in den Krankenhäusern. Mittlerweile verstößt dies sogar gegen geltendes Recht, und Gesellschaft, die Politik, alle Entscheidungsträger einschließlich der Staatsanwälte schauen (genüsslich?) zu. Schließlich hat man ja jahrzehntelang aus immanentem Neidkomplex in den Medien die Ärzte verteufelt . . . Jetzt sollen solche Artikel, wie der geschriebene Artikel, den Ärzten auch noch den Selbsterhaltungstrieb streitig machen, indem man sie mit der Berufsehre zu ködern versucht. Die Ärzte waren dumm genug, sich die Entscheidungskompetenzen nehmen zu lassen, sind sie aber auch dumm genug, finanziellen Selbstmord zu begehen? Nein, ich denke, die, die solche Artikel lancieren, täuschen sich. Es werden neue Ärzte kommen, die sich von derartigen Scheinargumenten nicht mehr täuschen lassen. In einer Zeit, wo alles um uns herum teurer wird, sollen Kassenbeiträge stabil sein, am besten noch sinken. Ständig werden Auseinandersetzungen in anderen Branchen um Gehaltserhöhungen bekannt. Nur die Ärzte sollen permanente finanzielle Einbußen stillschweigend hinnehmen. Nein, solche Artikel, wie der geschriebene, sind völlig unsinnig, insbesondere auch in einer Ärztezeitung. Wenn man böswillig wäre, müsste man fragen, von wem der Autor finanziert wird (von den Kassen, von den Politikern?). Frage an den Autor: „Cui bono?“ Sicherlich nicht von Ärzten oder Patienten. Patienten sind an anständiger Diagnostik und Therapie zu ihrem Wohle interessiert. Patienten sind nicht daran interessiert, dass ihre Ärzte verarmen. Das Meinungsbild des Autors ist ein dummes, gefährliches Auslaufmodell . . .
Dr. med. G. Walter, Radiologische Gemeinschaftspraxis im Kreiskrankenhaus Roth, Weinbergweg 14, 91154 Roth
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