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LNSLNS Mit Caspar Kulenkampff ist nicht nur der vielleicht bedeutendste, sicher einflussreichste und erfolgreichste Vorkämpfer im 20. Jahrhundert für eine verbesserte Versorgung psychisch Kranker von uns gegangen, wie Heinz Häfner ihn zutreffend schildert . . . Doch ich finde, und habe mit Fachkollegen gesprochen, die meine Meinung teilten, dass Heinz Häfner in dem Nachruf Kulenkampffs bedeutende Rolle im Bereich der anthropologischen Psychiatrie nicht würdigt, was vielleicht mit dem Geburtsjahrgang zu erklären ist.
1952 wechselte Caspar Kulenkampff von Heidelberg an die Psychiatrische Klinik der Universität Frankfurt am Main, die sein Stiefvater Jürg Zutt leitete, einer der bedeutendsten Vertreter der den Lehren des Philosophen Martin Heidegger und auch des Psychoanalytikers Viktor Emil von Gebsattel eng verbundenen Anthropologischen Psychiatrie. Durch Jürg Zutt wurde er in dieses Gebiet eingeführt, und unteerarbeitete er seine Habilitationsschrift.
Wie intensiv Kulenkampff sich mit diesem Gebiet auch später noch beschäftigt hat, lässt sein Beitrag „Das paranoide Syndrom, anthropologisch verstanden“ zu einem unter dem gleichen Titel von Zutt organisierten Symposion auf dem II. Weltkongress für Psychiatrie 1957 in Zürich erkennen . . . „Das durch die klinische Empirie tausendfältig bestätigte Zusammenvorkommen paranoider Symptome im jeweils verschieden variierten paranoiden Syndrom kann nicht als etwas Zufälliges einfach hingenommen werden, (sondern). . . weist auf eine innere Zusammengehörigkeit und diese wiederum auf eine grundlegende anthropologische Struktur, welche die Zusammengehörigkeit und das faktische Zusammenvorkommen fundiert und bedingt.“
Das Symposion hat mich damals ungemein beeindruckt. Die Bewunderung stellte sich beim Nachlesen der Veröffentlichung (Zutt, 1958) wieder ein. Der Einleitung von Zutt und dem Hauptreferat von Caspar Kulenkampff folgten Diskussionsbeiträge von zwölf der diese Richtung damals vertretenden Gelehrten, auch Fachkollegen in anderen Ländern haben diesen Wandel mitgemacht und betrieben, Medard Boss aus der Schweiz, F. Basaglia aus Italien, van der Horst aus Holland . . . Vielleicht beeinflusst von den in England häufiger als bei uns oft sehr persönlich gehaltenen „Orbituaries“ im Psychiatric Bulletin des Royal College of Psychiatrists, dem als Fellow anzugehören ich die Ehre habe, drängt es mich, meine Ergänzung mit ein paar persönlichen Erinnerungen an den Menschen Caspar Kulenkampff zu schließen.
Ich bin ihm seit 1937 über die Jahrzehnte hindurch immer wieder begegnet, ihm, den wir damals „Cassy“ nannten, wie ihn seine Freunde noch heute nennen, wenn sie über seine Belesenheit, seine Klugheit und alle die anderen herausragenden Gaben sprechen, die auch Häfner in seinem Nachruf schilderte. Ich traf ihn beim Studium, bei der Famulatur in Potsdam zusammen mit Hoimar von Ditfurth, der auch Psychiater, später ein begnadeter Wissenschaftsjournalist wurde.
Das letzte Mal begegneten wir uns im Hause des mit uns beiden befreundeten Fachkollegen Horst Dilling, anlässlich dessen Emeritierung, in der Zeit, als Caspar Kulenkampff einige Jahre in Lübeck lebte. Eine Hansestadt musste es wohl sein. Die Familie seines Vaters, des in den Zwanziger- und Dreißigerjahren weltberühmten Geigers Georg Kulenkampff, stammte aus Bremen. Nach vielen Jahren, die Kulenkampff in Süddeutschland und am Rhein lebte, wählte er als Ruhesitz zuerst Lübeck, bis er in das größere Hamburg zog, wo er am 29. März 2002, gestorben ist.
Literatur beim Verfasser
Dr. med. Alexander Boroffka, Segeberger Landstraße 17, 24145 Kiel
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