ArchivDeutsches Ärzteblatt26/2002Der psychisch traumatisierte Patient in der ärztlichen Praxis: Schlusswort

MEDIZIN: Diskussion

Der psychisch traumatisierte Patient in der ärztlichen Praxis: Schlusswort

Dtsch Arztebl 2002; 99(26): A-1841 / B-1582 / C-1467

Seidler, Günter H.

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LNSLNS Die Resonanz auf unseren Artikel, die uns persönlich erreichte und die auch in diesen Leserbriefen zum Ausdruck kommt, hat uns sehr gefreut. Sie stimmt vorsichtig optimistisch bezüglich der weiteren Entwicklung: Offenbar ist es so, dass die Forschungs- und Versorgungslücke, die im Bereich der Psychotraumatologie in Deutschland immer noch besteht, als solche zunehmend wahrgenommen wird, und dass Bereitschaft besteht, diese Lücke langsam zuwachsen zu lassen.
Der in der Antwort von Herr Emrich und Frau Gast geäußerten Kritik, nämlich dass ein „deutliches Wort“ fehlte „zur bislang unbefriedigenden Versorgungssituation, insbesondere für in der Kindheit chronisch und komplex traumatisierten Menschen, die aufgrund fehlender ambulanter psychotherapeutischer Versorgungsstrukturen häufig hospitalisiert werden“, können wir voll zustimmen. Um deren derzeitige Situation zumindest einigermaßen angemessen darstellen zu können, bedürfte es einer weiteren Ausarbeitung. Insbesondere müsste in diesem Rahmen thematisiert werden, dass die Versorgungssituation dieser Patientinnen und Patienten vor allem durch die gerade bei ihnen vorliegenden Komorbiditäten völlig unzulänglich ist, da die Zusammenhänge zu zugrunde liegenden Traumastörungen häufig nicht erkannt werden und so durchaus an der dahinterliegenden Störung vorbeigesehen wird, mit erheblichen Folgekosten für das Gesundheitssystem. Dies betrifft insbesondere die problematische Versorgung im Kinder- und Jugendbereich, aber auch – oft bei den gleichen Patienten – später im Erwachsenenbereich.
Diesen Aspekt hat Frau Schmidt-Riese in ihrem Brief hervorgehoben. Sie hat völlig recht, wenn sie darauf hinweist, dass im kostenüberlasteten Gesundheitssystem an dieser Stelle in der Tat effektiver und kostengünstiger gearbeitet werden könnte. Diese Frage der Kosteneinsparung dürfte für eine Reihe zuständiger Kostenträger interessant sein. Das scheint allerdings von diesen noch nicht in voller Tragweite erkannt worden zu sein, obwohl es auch hier vorsichtig zu
interpretierende Anzeichen für eine Kenntnisnahme derartiger Zusammenhänge gibt.
Wie Herr Melbeck, so halten auch wir einen schulenübergreifenden Ansatz für eine wesentliche Bedingung für den Aufbau eines effizienten Versorgungssystems. Dabei werden in der Tat sicherlich in ihrer Effizienz wissenschaftlich gut belegte Methoden wie das EMDR (Eye Movement Desensitization and Reprocessing) angemessen zu berücksichtigen sein.

Priv.-Doz. Dr. med. Günter H. Seidler
Abteilung Psychosomatik der Psychosomatischen
Universitätsklinik Heidelberg
Thibautstraße 2, 69115 Heidelberg
E-Mail: Guenter-Seidler@med.uni-heidelberg.de

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