ArchivDeutsches Ärzteblatt26/2002Akutes Koronarsyndrom: Langzeit-Mortalität hat sich halbiert

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Akutes Koronarsyndrom: Langzeit-Mortalität hat sich halbiert

Dtsch Arztebl 2002; 99(26): A-1845 / B-1585 / C-1469

Fath, Roland

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LNSLNS Bewegung kommt in die Sekundärprävention nach akutem Myokardinfarkt. Nach Daten des Infarktregisters MITRA hat sich die Langzeit-Mortalität der Patienten von etwa zehn Prozent in den Jahren 1995/96 auf unter fünf Prozent im Jahr 1999 etwa halbiert. Einher gehen diese Veränderungen mit vermehrten Verordnungen von Statinen, ASS, Betablockern und ACE-Hemmern. In den Jahren 1995/96 haben weniger als 20 Prozent der Infarkt-Patienten Statine erhalten, heute sind es über 75 Prozent, nannte Prof. Gerald Klose (Bremen) als möglichen Grund für die positive Entwicklung.
Außerdem sei die Zahl der Medikamente, die zur Sekundärprävention eingesetzt werden, von durchschnittlich 2,4 auf 3,5 gestiegen. Folgende Medikamentengruppen nehmen in der Sekundärprävention den Hauptanteil ein: Statine, ASS, Betablocker und ACE-Hemmer. „Man kann Statine aus meiner Sicht Patienten mit akutem Koronorsyndrom nicht mehr vorenthalten“, sagte Prof. Michael Böhm (Homburg) beim Pressegespräch „Fünf Jahre Atorvastatin – Zwischenbilanz und Ausblick“ der Firma Pfizer in Wiesbaden.
In der MIRACL-Studie (Myocardial Ischemia Reduction with Aggressive Cholesterol Lowering) wurde durch eine viermonatige Therapie mit Atorvastatin, die bereits im Schnitt 63 Stunden nach Aufnahme der Patienten in die Klinik begonnen worden war, die Rate kardiovaskulärer Komplikationen im Vergleich zur Placebogruppe um 16 Prozent gesenkt. Nach den Daten eines Infarktregisters in Schweden wird die Sterblichkeit der Patienten im Verlauf eines Jahres durch eine Statintherapie in Kombination mit der Revaskularisation halbiert.
Die Therapie mit einem Statin sollte nach Angaben von Böhm beim akuten Koronarsyndrom (ACS) langfristig erfolgen und vor allem in der frühen Phase nicht abrupt abgesetzt werden. In der PRISM-Studie traten bei Patienten mit instabiler Angina, denen das Statin plötzlich entzogen wurde, doppelt so häufig Komplikationen auf wie bei Patienten, die nie ein Statin bekommen hatten.
Die protektiven Effekte der Statine beim ACS beruhen nicht nur auf der Senkung der LDL-Spiegel, sondern werden vor allem auf antientzündliche und Plaque-stabilisierende Effekte zurückgeführt. Statine hemmen Metalloproteinasen, die die Kappe von Plaques abbauen und damit die Rupturgefahr erhöhen, sagte Böhm. Zudem verbessern die Substanzen die Endothelfunktion, indem sie die endotheliale NO-Produktion erhöhen und die vaskuläre Produktion von Radikalen hemmen, ergänzte Prof. Helmut Drexler (Hannover).
Die antiinflammatorische Wirkung der Statine zeigt sich an einer Abnahme der Plasmaspiegel von C-reaktivem Protein (CRP), einer der besten Marker des Entzündungsprozesses mit hoher prognostischer Bedeutung. Es besteht nach Angaben von Drexler eine lockere Assoziation zwischen der Höhe der Spiegel von LDL-Cholesterin und CRP. Aber viele Patienten hätten bei normalen LDL-Cholesterinspiegeln bereits hohe CRP-Spiegel. Zu erwägen sei, diese Patienten künftig bereits in der Primärprävention mit Statinen zu behandeln, sagte Drexler. Roland Fath
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