ArchivDeutsches Ärzteblatt26/2002Und wurden zerstreut unter alle Völker . . .

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Und wurden zerstreut unter alle Völker . . .

Dtsch Arztebl 2002; 99(26): [100]

Feld, Martin

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Man will uns in Dänemark, in Norwegen, in England. Man will uns auch wieder hier. Doch was nützt’s? Etliche Assistenzstellen in Deutschland bleiben frei, weil wir sie nicht mehr haben wollen. Und warum nicht? Ich weiß nicht, ob Dänisch gut klingt, aber nachmittags mit der Süßen am Fjord angeln, statt bereits computergedruckte Laborwerte wieder einzeln abzudiktieren, damit sie anschließend von Schreibdamen mit etlichen Rechtschreibfehlern getippt wieder in meinem Fach landen, das klingt zumindest nicht schlecht. Ich weiß auch nicht, ob die lange norwegische Dunkelheit ein Antidepressivum nötig macht, aber dunkler als abends um acht (der normalen „Feierabendzeit“ tausender Kollegen) kann’s kaum sein. Und ich weiß auch nicht, ob ich in London Bier ohne Schaum trinken will, aber Schaum ohne Bier vorm Mund des herrischen Vorgesetzten hier ist noch schlechter.
Es sollte sich bald nicht nur etwas an der Zahl, sondern vor allem an der Attraktivität der klinikärztlichen Arbeitsplätze ändern, denn sonst begehen mehr und mehr teuer ausgebildete Weißkittel Landflucht, und dafür werden
weniger teuer ausgebildete Ärzte aus anderen Ländern hierher kommen. Das ist weder die billigere noch die bessere Lösung. Wir haben sowohl den Herrn Papa als auch den Papa Staat eine beträchtliche Summe Ausbildungsgeld gekostet, das war dann für die deutsche Katz’. Ob die multikulturelle und -linguale Gesellschaft auch am Krankenbett von Opa Schmitz so sinnvoll ist, darf bezweifelt werden. Der wird die Kollegen Matuczek und Raducul aus Lodz und Bukarest genauso schlecht verstehen, wie der Opa Johansson aus Lillehammer mich.
Ich sprech’ lieber Deutsch, geh’ lieber im Hellen nach Hause und trink’ lieber Bier mit Schaum. Aber, wenn es nicht anders geht . . .
Dr. med. Martin Feld
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