ArchivDeutsches Ärzteblatt27/2002DMP-Rechtsverordnung: KBV macht nicht mehr mit

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DMP-Rechtsverordnung: KBV macht nicht mehr mit

Dtsch Arztebl 2002; 99(27): A-1853 / B-1565 / C-1461

Gerst, Thomas

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LNSLNS Nach monatelangen Verhandlungen mit den Krankenkassen und dem Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­ter­ium (BMG) hat die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) kurz vor InKraft-Treten der Rechtsverordnung über Disease-Management-Programme (DMP) zum 1. Juli die Reißleine gezogen und eine Mitwirkung an den Programmen verweigert. Bundesmantelverträge zu den bestehenden und noch geplanten Programmen wird es mit der KBV nicht geben.
Das Votum der KBV-Ver­tre­ter­ver­samm­lung in Rostock in Bezug auf Dokumentationspflicht und Datenfluss hatte den Verhandlungsspielraum des KBV-Vorstands sehr eingeengt. Eine Einigung wäre nur noch möglich gewesen, wenn die Krankenkassen weitestgehend auf Einwirkungsmöglichkeiten in Form von Case-Management bei Patienten mit einer chronischen Erkrankung verzichtet hätten – was wiederum mit deren Grundverständnis von Disease Management nicht in Übereinstimmung zu bringen ist. Auch wenn noch einige KBV-Forderungen in letzter Minute berücksichtigt wurden, war ein Kompromiss für die KBV nicht mehr möglich. Der Datenhunger der Krankenkassen – so der KBV-Vorsitzende, Dr. med. Manfred Richter-Reichhelm – habe deutlich gemacht, dass diese sehr wohl den Behandlungsprozess an den Ärzten vorbei steuern wollen. Bis zum Schluss hätten sich die Krankenkassen geweigert, auf die elementaren Bedenken der Ärzteschaft einzugehen. Die KBV betont, dass sie grundsätzlich die Einführung von DMP begrüße. Allerdings wird die Durchführung in Verbindung mit dem Risiko­struk­tur­aus­gleich (RSA) als sehr fragwürdig angesehen. Denn für die Krankenkassen stehe wegen dieser Verquickung weniger das Wohl der Patienten als ihr finanzielles Interesse an den Ausgleichszahlungen im Vordergrund.
Mit Spannung darf man erwarten, wie weit das Rostocker Treuegelöbnis, bei einer Nichteinigung in Sachen DMP die ärztliche Phalanx geschlossen zu halten und keine separaten DMP-Verträge mit den Krankenkassen abzuschließen, tragen wird. Wenn sich einzelne Verbände oder KVen zu DMP-Verträgen mit den Krankenkassen bereit finden, wird in der Öffentlichkeit kaum der Eindruck zu vermeiden sein, dass bei ausreichendem Eigennutz ethische Erwägungen der Ärzte in den Hintergrund treten. Thomas Gerst
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