ArchivDeutsches Ärzteblatt27/2002Palliativmedizin: Unzureichend finanziert

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Palliativmedizin: Unzureichend finanziert

Klinkhammer, Gisela

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LNSLNS Aktive Sterbehilfe wird von deutschen Ärzten abgelehnt. Die Delegierten des Deutschen Ärztetages jedenfalls übten scharfe Kritik an der belgischen Euthanasiegesetzgebung, die die Tötung von leidenden erwachsenen Menschen auf eigenen Wunsch erlaubt, selbst wenn deren Tod nicht unmittelbar bevorsteht. Das Gesetz schließt auch psychisch Kranke ein. Die Verbindung dieser Regelung mit einem Gesetz zur Palliativmedizin bewerteten die Delegierten als Kosmetik.
Doch auch in Deutschland liegt gerade in der Palliativmedizin noch einiges im Argen. Damit dies nicht so bleibt, hat die 75. Ge­sund­heits­minis­ter­kon­fe­renz (GMK) am 20. und 21. Juni in Düsseldorf jetzt einige Maßnahmen beschlossen. Die Ge­sund­heits­mi­nis­ter halten unter anderem eine „gezielte Berücksichtigung und Normierung von Palliativmedizin, Palliativpflege und Sterbebegleitung in den einschlägigen Vorgaben zur Aus- und Weiterbildung bei Pflege- und Medizinberufen für unverzichtbar“. Grundlage für diese Entschließung war unter anderem eine Stellungnahme der Bundes­ärzte­kammer (BÄK). Sie sieht ebenfalls Handlungsbedarf und kündigte an, dass im Jahr 2003 eine Bereichsbezeichnung „Palliativmedizin“ eingeführt werden soll.
Doch all diese Bemühungen bleiben letztendlich fruchtlos ohne eine ausreichende finanzielle Basis. Die GMK fordert deshalb eine Verbesserung der leistungsrechtlichen Strukturen. Hier scheint sich die Situation allerdings sogar eher zu verschlechtern. So befürchtet die BÄK, dass durch die Umstellung der Krankenhausfinanzierung auf DRG-basierte Fallpauschalsysteme „die indikationsgerechte palliativmedizinische Versorgung und Sterbebegleitung unter erheblichen finanziellen Druck geraten“ könnte. Palliativmedizin und Sterbebegleitung würden nämlich von DRG-Systemen nur unzureichend berücksichtigt. Das hat auch für die ambulante und stationäre Hospizarbeit negative Folgen: Sie wird durch die zu erwartenden Verweildauerverkürzungen in den Krankenhäusern mit einer zunehmenden Anzahl „medizinisch komplexerer Fälle“ konfrontiert, für deren Versorgung sie nicht genügend ausgestattet ist, wie die Bundes­ärzte­kammer zutreffend feststellt.
Gisela Klinkhammer
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