ArchivDeutsches Ärzteblatt27/2002Arzt und Geschäft: Unverschämtheit
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LNSLNS Es ist schon eine gehörige Unverschämtheit, einer (glücklicherweise) wachsenden Gruppe von Ärzten, die sich Tag für Tag darum bemüht, Qualität in der Medizin zu erhalten und zu fördern, pauschal niedere Motive zu unterstellen. Für solche Plattheiten brauchen wir keinen Chefredakteur wie Herrn Jachertz zu bezahlen, das erledigen die Herren Ahrens, Rebscher und Co. sehr viel professioneller.
Keine Frage, dass wir nichts mit Firmen zu tun haben wollen, die uns vor ihren Karren spannen wollen. Welcher Kollege verkauft denn wirklich nebenbei Versicherungsprodukte? Nun bleiben Sie mal auf dem Teppich, Herr Jachertz!
Medizinische Notwendigkeiten und klar definierte Präventivprogramme sind Kassenmedizin. Jeder Arzt hat die Pflicht, diese Grundsätze zu beachten. Individuelle Wünsche nach weiteren medizinischen Leistungen sind immer klar von der Kassenmedizin abzugrenzen. Dies stößt keineswegs an berufsethische Grenzen.
Konform mit unserem Berufsethos ist auch dies:
« Alle Patienten, wie auch immer versichert, haben das Recht, über Möglichkeiten moderner Gesundheitsprävention und Therapien informiert zu werden. Dies ist unser Beitrag gegen die viel besprochene Zweiklassenmedizin.
¬ Alle unsere Zusatzangebote sind qualitätsgeprüfte, unumstrittene Verfahren. Dubiöse Angebote sind indiskutabel.
­ Informationen und Angebote verpflichten unsere Patienten zu nichts.
® Sie werden niemals und von niemandem in ihrer freien Entscheidung manipuliert.
¯ Die Abgrenzung zur medizinischen Notwendigkeit muss immer klar sein. Sie ist allein Aufgabe des Arztes.
° Nicht notwendige Leistung muss/kann nicht gratis geleistet werden.
± Missachtung betriebswirtschaftlicher Grundsätze führen eine Praxis ins Aus.
Dies umzusetzen fällt vielen Kollegen schwer, weil eine solchermaßen strenge Abgrenzung nicht immer praktiziert werden musste. Heute muss sie sein. Alles andere wäre Selbstbetrug. Wer heute mit seinen Patienten nicht über Geld sprechen kann, der spricht auch nicht über Qualitätsmedizin, ja, der spricht überhaupt nicht viel mit seinen Patienten.
Weder Sie, Herr Jachertz, noch die oben genannten Herren oder die verantwortlichen Politiker werden uns das Fürchten lehren. Die individuellen Wünsche unserer Patienten werden das Maß unseres ärztlichen Handelns bestimmen. Vertrauensverlust gibt es nur bei Vertrauensmissbrauch, und deshalb fürchten wir ihn nicht. Die Basis des Arztberufs ist nicht bedroht, nur Ihre Position, Herr Jachertz!
Franzjoseph Esser, Am Alten Steinhaus 4, 40878 Ratingen
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