ArchivDeutsches Ärzteblatt27/2002Arzt und Geschäft: Glückwunsch

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Arzt und Geschäft: Glückwunsch

Dtsch Arztebl 2002; 99(27): A-1883 / B-1590 / C-1485

Schumann, Claudia

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LNSLNS Ich erlebe wie Sie, wie wir Ärzte und Ärztinnen – und da liegt meine Fachgruppe Frauenheilkunde weit vorne! – unseren Vertrauensvorschuss bei den Patienten und Patientinnen verspielen.
Wenn wir so tun, als ob die Vorsorge „plus“, mit zusätzlichem Ultraschall gegen Cash, sicherer sei als die gängige Tastuntersuchung – obwohl es keinerlei Beweise dafür gibt, dass ein solches Screening bei beschwerdefreien Frauen ihnen irgendeinen Vorteil bringt. Denn leider ist das weder für das Ovarial- noch für das Korpuskarzinom eine sinnvolle Methode der Früherkennung. Noch schlimmer ist es, wenn mit dem Argument „mehr Sicherheit für Ihr Kind“ zusätzliche Ultraschalluntersuchungen in der Schwangerschaft gegen Bezahlung angeboten werden. Auch das ist in Studien längst belegt, dass dadurch das fetal outcome sich nicht bessern lässt! Mehr Ultraschall vermehrt zwar das ärztliche Einkommen – aber eben auch die Unsicherheit der Schwangeren, die so lernt, mehr auf das äußere Bild statt auf ihr Gefühl für den wachsenden Bauch zu vertrauen.
Wir setzen unsere Glaubwürdigkeit als Ärzte/Ärztinnen aufs Spiel, wenn wir den „Megatrend lifestyle“ mitmachen! Das Berufsbild „Arzt“ erweitert sich so ungeniert in eine pseudo-medizinische Dienstleistungszone, in der es um nachfrageorientiertes Angebot geht, um Gewinn ohne Rücksicht auf den Inhalt der Leistung. Wenn Frauenärzte anfangen, Gesundheit stückweise als Konsumgut wie jedes andere auch zu vermarkten, verspielen sie das Vertrauen auf primär uneigennütziges ärztliches Handeln. Es droht ein prinzipielles Misstrauen der Frauen gegenüber jeglichem Angebot des Arztes – ähnlich wie gegenüber dem des Autoverkäufers. Langfristig kann aus dem schnellen Gewinn mit Lifestyle eine entscheidende Schädigung unseres Berufsbildes werden, mit bedrohlichen Folgen für alle Frauenärzte.
Der AKF hat vor kurzem ein Faltblatt für Frauen herausgebracht zu diesem Thema: „Aus eigener Tasche?“ Wahlleistungen in der gynäkologischen Praxis. Es soll Frauen befähigen, kritisch mit den Angeboten umzugehen beziehungsweise sie abzulehnen. (Der Flyer ist auch von der Homepage des AKF herunterzuladen: www.akf-info.de)
Dr. med. Claudia Schumann, Arbeitskreis Frauengesundheit e.V., Knochenhauerstraße 20–25,
28195 Bremen
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