ArchivDeutsches Ärzteblatt27/2002Desinfektion: Wirklich verschwendet?
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LNSLNS Als Hygiene-Praktiker muss ich diesen Artikel relativieren: Mit einer Reinigung wird Keimreduktion um den Faktor 102 erreicht, durch Desinfektion 104–105. Bei Keimzahlen von 108 pro ml Speichel und 1 012/g Stuhl ist es bei Infizierten und mit multiresistenten Erregern Besiedelten sinnvoll, eine möglichst große Keimreduktion anzustreben. Der Autor verschweigt, dass zum Beispiel Spanien, Frankreich, Italien und die USA (!) erheblich höhere Raten (bis 30 Prozent) an multiresistenten Erregern haben. Dies ist allerdings nicht nur auf das jeweilige Hygieneregime zurückzuführen. Auch in Amerika wird die Flächendesinfektion wieder zunehmend propagiert, wenn man aktuelle Literatur anschaut. (Survival of enterococci and staphylococci on hospital fabrics and plastics, Neely A.N., Maley, M.P., J. Clin. Microbiol. 38, 2000: 724–726). Das Fehlen von validen Untersuchungen für den Desinfektionserfolg erlaubt nicht den Schluss, keine Desinfektion sei besser. Sich Gedanken über Umwelt und Allergiepotenzial zu machen ist wichtig. Aber nur sorgfältig erhobene und seriös präsentierte Daten, frei von persönlichen Animositäten, überzeugen.
Priv.-Doz. Dr. med. A. Schwarzkopf, Mangelsfeld 4, 97708 Bad Bocklet

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