ArchivDeutsches Ärzteblatt27/2002Desinfektion: Nutzlose Diskussionen
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LNSLNS Von einer „unverantwortlichen Verschwendung“ ist in der Überschrift zu lesen. Wie groß ist sie wirklich, die Verschwendung?
Für eine Station unserer Pädiatrie, die regelmäßig wischdesinfiziert wird, habe ich einmal nachgerechnet: Zur Desinfektion der neun Patientenzimmer mit insgesamt 498 m2 werden täglich 8 Liter Desinfektionslösung angesetzt. Da mit 0,5 prozentiger Lösung gearbeitet wird, werden pro Tag 40 ml Desinfektionsmittelkonzentrat verbraucht. Bei unseren Einkaufspreisen (72 Euro für 10 Liter Konzentrat) ergeben sich pro Tag 0,29 Euro; macht übers Jahr 105,85 Euro. Allerdings: Dies sind keineswegs ausschließlich desinfektionsmittelbedingte „Zusatzkosten“, denn die Reinigungsmittel würde es ja auch nicht umsonst geben. Die großen Dienstleistungsunternehmen kalkulieren generell, dass 95 bis 98 Prozent der Kosten für die Aufbereitung der Fußböden und sonstigen Oberflächen im Krankenhaus auf Personal, Organisation und Verwaltung fallen. Materialkosten für Reinigungs- und Desinfektionsmittel machen maximal 4 Prozent aus.
Die angemahnte „Verschwendung“ liegt also weniger bei den Finanzmitteln als bei der Zeit, die mit der Diskussion um die Flächendesinfektion vergeudet wird.
Dr. med. Frank-Albert Pitten, Institut für Hygiene und Umweltmedizin, Ernst-Moritz-Arndt-Universität Greifswald, Hainstraße 26,
17487 Greifswald-Eldena
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