ArchivDeutsches Ärzteblatt27/2002Flüchten, Mitmachen, Vergessen. Chemiker und Biochemiker in der NS-Zeit

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Flüchten, Mitmachen, Vergessen. Chemiker und Biochemiker in der NS-Zeit

Deichmann, Ute

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Wissenschaftsgeschichte
Aufarbeitung
Ute Deichmann: Flüchten, Mitmachen, Vergessen. Chemiker und Biochemiker in der NS-Zeit. Wiley-VCH Verlag, Weinheim, 2001, 596 Seiten, 34,90 €

Nach ihrem Standardwerk „Biologen unter Hitler“ (1992) beschäftigt sich die Autorin, Privatdozentin am Institut für Genetik zu Köln und Gastdozentin an der Ben-Gurion University for the Negev in Beer Sheva, Israel, nunmehr mit den Chemikern und Biochemikern in der NS-Zeit. Ihre Aufmerksamkeit gilt der Vertreibung der jüdischen Wissenschaftler, dem Verhalten der nichtjüdischen Kollegen und den Auswirkungen des Nationalsozialismus auf die Forschung.
In einem Kapitel beschreibt Deichmann die Kontaktversuche der emigrierten jüdischen Wissenschaftler mit so geachteten Forschern wie Otto Hahn oder Max von Laue. Diese verharrten jedoch in Abwehr und Selbstverteidigung. Ihre Unfähigkeit, die Demütigung der Verfolgten zu begreifen, ging so weit, dass Laue dem Emigranten Otto Meyerhof (dessen Freunde und Verwandte im KZ gestorben waren) schreiben konnte, unter der amerikanischen Besatzung seien die entlassenen Wissenschaftler der Münchener Universität schlimmer dran „als die von Hitler Hinausgeworfenen“.
Dank gebührt Deichmann für ihr Kapitel über Primor Levi. Der italienische Chemiker hatte das KZ Auschwitz-Monowitz der IG Farben überlebt und in seinem Buch „Das periodische System“ den Leiter des Labors in
Monowitz als menschlich beschrieben. 1967 nahm Levi mit dem Mann, nun im Hauptlaboratorium der BASF in Ludwigshafen beschäftigt, Kontakt auf. Der Chemiker Ferdinand Meyer antwortete Levi: „Was die
IG anbelangt, so möchte ich annehmen, dass das Werk Auschwitz, das zwei Jahre nach dem Vernichtungslager errichtet wurde, eher den Sinn hatte, den Juden zu helfen und diese über die schreckliche Zeit hinüberzuretten.“
Ute Deichmann hat die NS-Vergangenheit der Biologen wie der Chemiker aufgearbeitet. Eine Ausnahme in der mitunter noch immer üblichen Rechtfertigungsliteratur. Ernst Klee
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