ArchivDeutsches Ärzteblatt27/2002Fortgeschrittene extrakranielle Hämangiome und vaskuläre Malformationen: Gegebenenfalls Radiotherapie
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LNSLNS Der Artikel zeigt wichtige Behandlungsverfahren von fortgeschrittenen extrakraniellen Hämangiomen und vaskulären Malformationen auf und betont die Wichtigkeit einer engen interdisziplinären Kooperation. Ergänzend zu den beschriebenen Behandlungsverfahren (Lasertherapie, Chirurgie, Sklerosierung, Steroide, Interferon alpha-2a) sollte erwähnt werden, dass die strahlentherapeutische Therapie bei fortgeschrittenen Hämangiomen unter bestimmten Umständen eine sinnvolle und etablierte Ergänzung der beschriebenen Therapieoptionen darstellt. 10 bis 20 Prozent aller Hämangiompatienten haben eine starke Funktionsbeeinträchtigung aufgrund von Kompression oder Verlagerung
angrenzender Organe. Zudem können Hämangiome aufgrund von Herzversagen, akuter Atemnot oder Verbrauchskoagulopathie (Kasabach-Merritt-Syndrom) lebensbedrohliche Zustände verursachen. Hier ist eine unverzügliche Therapie erforderlich. Falls durch eine medikamentöse Therapie (Steroide, Interferon alpha) kein sichtbarer Erfolg eintritt, alternative Methoden (Operation, Lasertherapie, Sklerosierung) ausscheiden und sich der Zustand des Patienten weiter verschlechtert, sollte eine Strahlentherapie, trotz der Möglichkeit einer Tumorinduktion, nicht unnötig verzögert werden. Aus der eigenen klinischen Erfahrung (2) und den zur Verfügung stehenden Literaturdaten lässt sich in vielen Fällen eine deutliche Besserung der klinischen Situation schon während der Bestrahlungsserie erreichen (1, 2, 4). Hierbei sollte die gewählte Strahlendosis möglichst gering sein, gleichzeitig aber eine Kontrolle der Symptome gewährleisten. Eine Gesamtdosis von 10 Gy HD in 5 bis 10 Fraktionen (2, 4) oder eine Einzeldosis von 4 Gy HD (3) ist möglicherweise ausreichend, obwohl die genaue Festlegung eines Fraktionierungsschemas oder eine eindeutige Dosisempfehlung anhand der zur Verfügung stehenden Literatur schwierig erscheint.

Literatur
1. El-Dessouky M, Azmy AF, Raine PA, Young DG: Kasa
bach-Merritt Syndrome. J Pediatr Surg 1988; 23: 109–111.
2. Hesselmann S, Micke O, Marquardt T et al.: Kasabach-Merritt syndrome: A review of the therapeutic options and a case report of successful treatment with radiotherapy and interferon alpha. Br J Radiol 2002; 75: 180–184.
3. Miller JG, Orton CI: Long term follow-up of a case of Kasabach-Merritt syndrome successfully treated with radiotherapy and corticosteroids. Br J Plast Surg 1992; 45: 559–561.
4. Ogino I, Torikai K, Kobayasi S et a.: Radiation therapy
for life- or function-threating infant hemangioma.
Radiology 2001; 218: 834–839.

Dr. med. Stefan Hesselmann
Dr. med. Oliver Micke
Dr. med. Ulrich Schäfer
Prof. Dr. med. Normann Willich
Klinik und Poliklinik für Strahlentherapie
Radioonkologie
Universitätsklinikum Münster
Albert-Schweitzer-Straße 33, 48129 Münster

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