ArchivDeutsches Ärzteblatt27/2002Die Orfèvrerie Morand: Tradition in Silber

VARIA: Feuilleton

Die Orfèvrerie Morand: Tradition in Silber

Gold, Dagmar

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In Paris wird die Silberschmiedekunst auf hohem Niveau gepflegt.

Die Pariser Orfèvrerie Morand ist ein typisch französisches Unternehmen. Hier wird seit rund neunzig Jahren die Tradition der Silberschmiedekunst auf hohem Niveau gepflegt. Der Sohn des Gründers und heutige Inhaber, André Morand, hat berühmte Kreationen entwickelt, die Qualität und Sorgfalt im Detail vereinen. Morand ist spezialisiert auf Silberguss und getriebene Silberarbeiten, meist Nachbildungen antiker Stücke für den französischen Geschmack im Stil Ludwigs XV. bis Art Déco.
Eule: circa 6 cm x 2,5 cm, 410 €
Eule: circa
6 cm x 2,5 cm, 410 €
Morand beliefert Luxusgeschäfte mit Auftragsarbeiten, darunter das Nobelgeschäft Puiforcat in der prestigeträchtigen Rue Matignon. Auch Inhaber von Herrenhäusern und Schlössern zählen zu den Kunden. Im Rokoko-Stil der Zeit Ludwigs XV. wurden für einen Auftraggeber massive, reich verzierte Silberkandelaber gefertigt, jeder über einen halben Meter groß, zehn Kilo schwer und ungefähr 40 000 Euro wert.
Morand ist eine gute Adresse, die diskret weitergereicht wird. Werbung macht man nicht. Das Traditionsunternehmen wird von dem heute 82-jährigen Patriarchen geleitet. Von seinen zwölf Kindern sind neun im Familienunternehmen beschäftigt, das in Paris und Madrid tätig ist.
Wir sprechen mit Pierre Morand, dem jüngsten Sohn des Inhabers. Er führt uns durch die Werkstätten, die in einem schlichten Neubau im Pariser Nobelvorort Neuilly untergebracht sind. Understatement gehört zur Firmenphilosophie. Innen gibt es kostbare Silberware, wohin man blickt: als Rohware, als unbehandelter Guss oder nachbearbeitet und poliert. Auf einfachen Holzregalen steht ein Vermögen.
Nashorn: circa 12,5 cm x 5 cm, 0,75 kg, 1.150 €
Nashorn: circa 12,5 cm x 5 cm, 0,75 kg, 1.150 €
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Der Silberguss funktioniert im Prinzip wie der Bronzeguss. Im Wachsausschmelzungsverfahren werden die Silberrohlinge in einer Form aus weichem Kunststoff gegossen, in die das flüssige, heiße Silber geleitet wird. Nach Erkalten bricht man die Form in zwei Teile. Bei der Nachbearbeitung werden die Gussnähte geglättet, Einzelteile hervorgehoben, Ziselierungen ausgeführt und Vertiefungen behutsam dunkel patiniert, um dem Gegenstand Plastizität zu verleihen. Die außerordentlich schwierige Detailarbeit, bei massivem Silber übrigens viel komplizierter als bei Bronze, wird von erfahreren Silberschmiedemeistern ausgeführt.
Elefant: circa 12 cm x 8 cm, 0,75 kg, 1.150 €
Elefant: circa 12 cm x 8 cm, 0,75 kg, 1.150 €
Der junge Pierre Morand erklärt die einzelnen Arbeitsschritte und erzählt dabei über die Geschichte der Orfèvrerie. Der Junior hat viele Ideen, will das Unternehmen auch im europäischen Ausland bekannt machen, den Markt nach Asien erweitern oder die Silbergießerei für neue Vertriebswege öffnen. Aber in einem Traditionsunternehmen geht man neue Projekte behutsam an.
Ein Novum ist eine kostbare, limitierte Edition von Tierskulpturen, die auf Vorbildern aus dem 18. und 19. Jahrhundert beruhen. Über Jahre hinweg haben André und Pierre Morand antike Tierfiguren auf französischen Auktionen erworben, die vom Adel und wohlhabenden Bürgertum als Andenken an die Jagd, Safaris und Expeditionen verschenkt oder selbst gesammelt wurden. Ungefähr zweihundert Tiere haben sie jetzt beisammen. Einige von ihnen sind nun in einer Exklusiv-Edition erschienen. Die Skulpturen bestehen aus massivem Sterling-Silber (925), gegossen in einer Auflage von 200 Exemplaren. Nach Fertigstellung wird jede einzelne Silberskulptur vom französischen Staatsbüro „Paris Garantie“ auf die Silberqualität geprüft und dort mit der staatlichen Garantiepunze versehen. Mit einer Lupe erkennt man auf der Unterseite den Kopf der Minerva, der Schutzpatronin der Musen. Dagmar Gold

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