ArchivDeutsches Ärzteblatt27/2002Impressionen eines Arbeitsplatzwechsels: Es gibt ein Leben nach der Uniklinik!

STATUS

Impressionen eines Arbeitsplatzwechsels: Es gibt ein Leben nach der Uniklinik!

Flintrop, Jens

Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...
LNSLNS
Illustration: Ralf Brunner
Illustration: Ralf Brunner
Die Entscheidung fiel nicht leicht: Nach einigen Jahren in der Frauenklinik eines großen Universitätsklinikums beschlossen Dimitrios Xafis und Andreas Lorenz, der renommierten Klinik den Rücken zu kehren, um an der Frauenklinik des Klinikums Suhl in Thüringen ihre Weiterbildung zum Gynäkologen fortzusetzen. „Wenn man erkennt, dass die Weiterbildung nicht optimal läuft, dann muss man eben auch einen Arbeitsplatzwechsel wagen und wie wir auf die Vorzüge der Großstadt verzichten“, meinten die beiden jungen Ärzte.
Viele Kollegen hätten allerdings nicht verstehen können, warum sie freiwillig auf die „aufregende Medizin“ eines überregionalen Zentrums zugunsten des klinischen Alltags in einem kleinen peripheren Krankenhaus verzichten wollten. Gut ein halbes Jahr nach ihrem Umzug sind Dimitrios Xafis und Andreas Lorenz aber sicher, das Richtige getan zu haben: „Wir haben den Schritt nicht einmal bereut.“ Als erstes fiel den beiden Assistenzärzten das angenehme Klima an ihrer neuen Arbeitsstätte auf. An den Leistungsdruck und die Ellbogenkonkurrenz in einer Uniklinik gewöhnt, überraschte sie die freundliche Aufnahme durch die Kollegen und vor allem auch seitens der Schwestern im Klinikum Suhl.
„Wir wollen gute Frauenärzte werden und sind bereit, auch mal mehr als acht Stunden zu arbeiten“, sagen die Ärzte. Aber dann müsse auch das Klima in der Abteilung, die Anleitung zum Handeln und das zielgerichtete berufliche Training stimmen. Kaum vier Wochen in der Frauenklinik Suhl, durften jeder von beiden unter Assistenz des Chefarztes Prof. Dr. Ulrich Retzke bereits eine vaginale Hysterektomie ausführen. „Das wäre bei unserem damaligen Ausbildungsstand in der vorherigen Klinik undenkbar gewesen“, sind sich die beiden jungen Ärzte sicher. Inzwischen sind Andreas Lorenz und Dimitrios Xafis nach eigener Überzeugung geburtsmedizinisch so angeleitet, gefordert und gefördert worden, dass sie den ärztlichen Bereitschaftsdienst „ohne Zittern und Zagen“ übernehmen können: „Wenn eine Zangenentbindung nötig wird, können wir sie unter Oberarztassistenz durchführen; von den Amniozentesen und Kaiserschnitten ganz zu schweigen.“
Besonders gefällt den angehenden Frauenärzten, dass das Klinikum in Suhl so straff durchorganisiert ist. Jeder operiere nach dem gleichen Konzept und Ablaufplan. Da gebe es keine Unterschiede zwischen den einzelnen Oberärzten. Gleiches gelte für die konservative und operative Geburtsmedizin. Überhaupt hätten sie erfahren, dass eine hoch qualitative Medizin auch außerhalb der Universität möglich ist. Allerdings sei im Klinikum Suhl teilweise die Meinung verbreitet, dass internationale Standards nicht zu erreichen sind, wenn man nicht aktiv am akademischen Leben teilnimmt. Das sehen die beiden Ärzte anders. JF
Anzeige

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.