ArchivDeutsches Ärzteblatt28-29/2002Medizinischer Dienst: In den Startlöchern

SEITE EINS

Medizinischer Dienst: In den Startlöchern

Clade, Harald

Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...
LNSLNS Noch sind die DRGs keine Realität, schon steht der Medizinische Dienst der Krankenkassen (MDK) in den Startlöchern. Unter Rückgriff auf die im Fallpauschalengesetz verankerten erweiterten Kompetenzen des MDK reklamiert der Medizinische Dienst der Spitzenverbände der Krankenkassen (MDS) eine zentrale Rolle bei der DRG-Umsetzung. Unterstützt wird er durch die Verbände der Ersatzkassen. Die Kassen – dies wurde bei einem Expertenforum am 6. Juni in Berlin deutlich – legen größten Wert darauf, dass auch mithilfe der Kontroll- und Aufsichtsfunktion der MDK-Ärzte den Krankenhäusern mehr Wirtschaftlichkeit eingeimpft wird. Wenn schon durch Öffnungsklauseln und Zuschlagsregelungen im Fallpauschalengesetz aus der Sicht der Kassen zum Teil auch unwirtschaftliche Strukturen konserviert werden, müsse der MDK von Anfang an Fehlanreizen entgegenwirken und darauf achten, dass das Fallpauschalensystem Ausgaben dämpft.
Durch externe Kontrollen sollen über „zentrale Aufgreifkriterien“ Sanktionen bei klinikbedingten Fehlleistungen verhängt werden können – zum Beispiel bei künstlichen Fallzahlsteigerungen, etwa über das Fallsplitting oder über die Abrechnung höher dotierter Kodierschlüssel („Upgrading“). In der Tat ist es dem MDK künftig erlaubt, auch ohne konkrete Verdachtsmomente aus abgeschlossenen stationären Behandlungsfällen in einer Stichprobe zu prüfen, ob die stationäre Aufnahme und Behandlung überhaupt erforderlich waren, ob sie nicht unangemessen verkürzt und/oder ob die DRG-relevante Kodierung auch medizinisch richtig war. Wie der leitende Arzt des MDS, Prof. Dr. med. Martin L. Hansis, berichtete, zeigen die ausländischen Erfahrungen mit pauschalierenden Klinikvergütungssystemen, dass es in bis zu
20 Prozent der Fälle zu Fehlkodierungen kommt. Damit könnten Fehlsteuerungen und ausgabentreibende Ressourcenverschwendungen verbunden sein, befürchten die Kassen.
Andererseits muss auch mithilfe des MDK vermieden werden, dass es zu „englischen (‚blutigen‘) Entlassungen“ kommt. Schon befürchten die Kassen, dass dadurch ein „Drehtür-Effekt“ eintreten könnte, das heißt, ein- und derselbe Patient wird nach kurzer Behandlung wegen der gleichen Krankheit erneut stationär eingewiesen.
Dr. rer. pol. Harald Clade
Anzeige

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Fachgebiet

Zum Artikel

Anzeige

Alle Leserbriefe zum Thema