ArchivDeutsches Ärzteblatt28-29/2002Gesundheitstage: Endlich wieder behandeln

POLITIK

Gesundheitstage: Endlich wieder behandeln

Spielberg, Petra

Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...
LNSLNS Oft gehen die Diskussionen der Experten am Publikum vorbei.
Die Veranstalter der 6. Wiesbadener Gesundheitstage hatten keine Mühen gescheut, namhafte Repräsentanten der Szene „zu verpflichten“, die sich den Fragen interessierter Bürger stellen sollten. Auf dem Podium äußerten sich neben dem Präsidenten der Bundes­ärzte­kammer, Professor Dr. Jörg-Dietrich Hoppe, weitere weitgehend bekannte Akteure der Gesundheitspolitik wie Herbert Rebscher, Vorsitzender des Verbandes der Angestellten- und Ersatzkrankenkassen, Professor Rolf Rosenbrock, Mitglied des Sachverständigenrates für die Konzertierte Aktion im Gesundheitswesen, Andreas Storm von der CDU/CSU-Bundestagsfraktion und Dr. Edwin Smigielski, Leiter der Abteilung Gesundheitsversorgung und Kran­ken­ver­siche­rung im Bundesministerium für Gesundheit. Einzige weibliche Teilnehmerin der Runde war Cornelia Yzer, Hauptgeschäftsführerin des Verbandes der Forschenden Arzneimittelhersteller.
Das Thema – wie sollte es drei Monate vor der Bundestagswahl auch anders sein – lautete: „Welche Einschnitte bringt uns die nächste Gesundheitsreform?“ Wer von den überwiegend älteren und zum Teil unübersehbar kranken oder gebrechlichen Zuhörern jedoch geglaubt hatte, er erführe jetzt endlich, welche Leistungen zu welcher Qualität ihm künftig zustehen und wie diese finanziert werden sollen, sah sich – wie bei vielen solcher Veranstaltungen – enttäuscht.
Die einen (Yzer und Storm) forderten eine grundlegende Reform mit mehr Wettbewerb, mehr Transparenz und mehr Mitverantwortung der Versicherten bei gleichzeitiger Abschaffung der sektoralen Budgets, die anderen (Smigielski und Rebscher, unterstützt von Rosenbrock) sahen die Budgets zwar auch als gescheitert an, drängten aber auf Beibehaltung des Solidarprinzips unter Ausnutzung von (vermeintlichen) Wirtschaftlichkeitsreserven.
Natürlich dürfe die Qualität der Versorgung – egal welche Einschnitte eine Gesundheitsreform mit sich bringen wird – nicht leiden, versprachen die Diskutanten den Zuhörern (sprich den Wählern und Versicherten) einmütig. Welche Opfer eine solche Zusage der Gesellschaft und jedem Einzelnen abverlangt, darüber ließen sich die Podiumsteilnehmer nur vage aus. Vokabeln wie „Beitragssätze von ,historischem Rekordwert‘“, „Risiko­struk­tur­aus­gleich“, „gescheiterte Kostendämpfungsideologie“ und „Selbstbehalt“ schwirrten durch den Raum, verloren sich aber eher in der barocken Kulisse des Kurhaussaals, als dass sie zur Erhellung beitrugen.
Auch dem thematisch stellenweise sichtlich überforderten Moderator Dieter Kürten – inzwischen pensionierter ZDF-Sportchef – gelang es nicht, die Podiumskombattanten zu konkreteren Aussagen zu bewegen. Einzig Hoppe distanzierte sich von dem Wahlkampf-Getümmel und erklärte klipp und klar und allgemeinverständlich: „Wir Ärzte wünschen uns nur eins: Wir wollen endlich wieder in Ruhe Patienten behandeln!“ Petra Spielberg
Anzeige

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Fachgebiet

Zum Artikel

Anzeige

Alle Leserbriefe zum Thema