ArchivDeutsches Ärzteblatt28-29/2002Video-Endoskopie: Mit einer Kapsel den Dünndarm inspizieren

POLITIK: Medizinreport

Video-Endoskopie: Mit einer Kapsel den Dünndarm inspizieren

Dtsch Arztebl 2002; 99(28-29): A-1950 / B-1646 / C-1539

EB

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Das Kapsel-Endoskop ist nur etwas größer als eine Antibiotika-Kapsel Foto: Given Imaging
Das Kapsel-Endoskop ist nur etwas größer als eine Antibiotika-Kapsel Foto: Given Imaging
Neue Technologie schließt eine diagnostische Lücke bei Untersuchungen des Duodenums und ist für den Patienten wenig belastend.

Der Dünndarm läßt sich weder endoskopisch noch radiologisch ausreichend darstellen. Konventionelle endoskopische Verfahren erlauben es lediglich, circa 30 Prozent des Dünndarms einzusehen. Folge ist, dass Duodenalerkrankungen – unerkannte Blutungen, Karzinoid-Tumoren im frühen Stadium oder spezielle Formen des Morbus Crohn – übersehen werden können.
Das neue Given® Diagnostic Imaging System bietet durch die M2A®-Kapsel-Endoskopie erstmalig die endoskopische Visualisierung des gesamten Dünndarms, die Darstellung der Darmzotten in hoher Bildqualität, eine sehr hohe Detektionsrate und ein Verfahren, das patientenfreundlich und leicht durchführbar ist. Die M2A-Kapsel-Endoskopie ist nach den vorliegenden klinischen Daten gegenüber der Push-Enteroskopie und der Dünndarmkontrast-Untersuchung signifikant überlegen.
Die Videokapsel mit einem winzigen Mikrokamera-Chip kann problemlos oral eingenommen werden und wird mit der Peristaltik durch den Gastrointestinaltrakt befördert. Die Signale von zwei Bildern pro Sekunde über sechs bis acht Stunden empfängt ein Datenrekorder, der an einem Gürtel um die Hüfte getragen wird. Für den Empfang der Signale werden am Bauch des Patienten Sensoren angebracht. Die Patienten behalten während der Untersuchung Ihre volle Mobilität und können somit ihrem gewohnten Tagesablauf nachgehen.
Die circa 50 000 aus dem Inneren des Körpers gesendeten Bilder werden von dem Datenrekorder als Videofilm auf eine Computer-Workstation geladen. Die spezielle RAPID-Software ermöglicht die Bildanalyse, Auswertung und Diagnose-Erstellung. Einzelbilder oder auch kurze Video-Clips können exportiert werden.
Die Kapsel-Endoskopie ist derzeit zwar keine Alternative für die herkömmliche Gastroskopie beziehungsweise Koloskopie, aber eine sinnvolle Ergänzung; sie kann bei negativem Befund der oben genannten Untersuchungen durch die endoskopische Darstellung des gesamten Dünndarms signifikant zur Diagnose und damit zur Einleitung einer gezielten Therapie beitragen.
Kontraindiziert ist das Verfahren bei Patienten mit Verdacht auf gastrointestinale Obstruktionen und bei Patienten mit Herzschrittmacher oder anderen elektromedizinischen Implantaten beziehungsweise bei schwangeren Patientinnen, da für beide Gruppen noch keine klinischen Erfahrungen vorliegen. Der Patient sollte acht Stunden vor Beginn der Untersuchung nüchtern sein und auch nach Einnahme der Kapsel zwei Stunden nichts zu sich nehmen. Danach kann der Patient etwas Wasser trinken. Nach vier Stunden ist die Einnahme einer leichten Mahlzeit möglich. EB

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