ArchivDeutsches Ärzteblatt28-29/2002Deutscher Ärztetag: Reparationsleistung für alle AiP-Betroffenen

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Deutscher Ärztetag: Reparationsleistung für alle AiP-Betroffenen

Dtsch Arztebl 2002; 99(28-29): A-1956 / B-1652 / C-1545

Hörchner, Ino

Zu unserer Berichterstattung vom 105. Deutschen Ärztetag in Rostock in Heft 23/2002:
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LNSLNS Sollen wir uns freuen – all die, die wir noch andere Arbeitszeiten kannten, die Einführung des AiP miterleben mussten –, dass der Aufschrei jetzt riesengroß ist, nur weil der Medizinernachwuchs fehlt? Angebot und Nachfrage bestimmen bekanntermaßen auch politische Weichenstellungen. Was wäre denn geschehen, würden wir weiterhin im Überfluss des Medizinernachwuchses baden. Gar nichts, weil man den Markt selbstverständlich regulieren muss. Aber natürlich freuen wir uns jetzt, dass es den Anschein hat, dass unsere Arbeit in der Klinik endlich einmal respektiert und auch von öffentlicher Hand gewürdigt wird, hopefully. Werden sich die Zeiten wirklich ändern? Freuen können wir uns sicherlich nicht über die Vergangenheit. Die Vorfreude, nach dem Studium endlich im Beruf zu stehen, wurde jäh enttäuscht. Meistens.
Was hat manch einer für Kröten schlucken müssen, um das Ziel Assistenzarztstelle nach dem AiP zu erreichen. Unbezahlte Nachtdienste, nach dem Dienst weiterarbeiten etc. Wie viele Kollegen hatten an der AiP-Zeit finanziell zu knabbern, zumal manch einer in dieser Phase schon Familie hatte und sich bei fehlender Unterstützung aus dem Elternhaus nur mit zusätzlichen Geldkrediten über Wasser halten konnte. Welch eine Demütigung war diese Zeit oft. Welche Lügengeschichten hat man sich zur Einführung des AiP anhören müssen. Wenn die AiP-Zeit heute als unerträglich, als Ausbeutungsphase bezeichnet wird, manch einer sicher nicht unerheblich geschädigt wurde, die Betroffenen dazu beigetragen haben, in den Kliniken Personalkosten einzusparen, dann ist es doch nur recht zu fragen: „Und wer will das wieder gutmachen?“ Eine Reparationsleistung, mit der wir Deutschen ja hinreichende Erfahrung haben, in irgendeiner intelligenten Form an alle Betroffenen des AiP wäre wünschenwert. Der Aufschrei wird kommen.
Dr. med. Ino Hörchner, Bgm.-Fergg-Straße 28 a, 87723 Ottobeuren
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