ArchivDeutsches Ärzteblatt28-29/2002Muskelkater: Überlastungsmyopathie
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LNSLNS Die in dem Beitrag aufgeführten elektronenoptischen Muskelfaserveränderungen bei Muskelkater bedürfen einer Ergänzung.
In eigenen umfangreichen tierexperimentellen Untersuchungen an Kaninchen, Laborratten, Haushühnern (Hähnen) und frisch gefangenen Feldhasen konnten nach erschöpfendem Laufzwang in einer von Hand betriebenen Trommel in großer Regelmäßigkeit lichtoptisch nachweisbare Skelettmuskelfaserveränderungen nachgewiesen werden. Diese zeigen einen phasenhaften Verlauf und enden zwei bis drei Wochen nach dem einmaligen Laufzwang mit Restitutio ad integrum. Sie bestehen aus segmentalen Partialnekrosen einzelner oder in Gruppen liegender Muskelfasern mit bereits zwei bis vier Stunden nach der Erschöpfung erkennbarem umschriebenem Ödem und anschließender, von den erhaltenen randständigen Myozyten ausgehender, Regeneration der Fasern (so genannte Muskelschläuche). Bereits nach acht bis zehn Tagen sind die jungen schmäleren Fasern mit Querstreifung und stärkerer Anfärbung (HE, van Gieson, PAS) neben der noch vorhandenen, sehr lebhaften Zellproliferation (Myoblasten) deutlich sichtbar. In den Muskeln der drei Wochen nach der Überanstrengung getöteten Versuchstiere sind nur diskrete Reste der Regeneration nachweisbar.
Die Ursache des offenbar primären Faserödems liegt wahrscheinlich in einer Insuffizienz der K-Na-Pumpe mit Kaliumverlust und Natriumanreicherung (gleichzeitige Elektrolytbestimmungen im Muskel ergaben eine Kaliumab- und Natriumzunahme). Auch bei kleinen Zugvögeln (auf dem Leuchtturm Hiddensee beim herbstlichen Vogelzug gefangene Singvögel) konnten – allerdings diskrete – analoge Muskelfaserveränderungen aufgefunden werden. Ebenso fanden sich in der menschlichen Skelettmuskulatur, zum Beispiel nach Status epilepticus, plötzlichem Tod nach sportlicher Überanstrengung, Hyperthermiesyndrom, unter anderem mehr oder weniger deutliche entsprechende Faserschäden.
Für diese auch den Kreatininanstieg nach exzessiver körperlicher Anstrengung erklärende Muskelschädigung wird der Terminus „akute Überlastungsmyopathie“ vorgeschlagen.

Literatur beim Verfasser

Priv.-Doz. Dr. med. Hans-Jochen Schumann
Institut für Pathologie
Auenweg 38
06847 Dessau

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